Leipzig-Drohne

„Weg der Eskalation“: So reagiert Russland auf Deutschlands Anschuldigungen

Der Kreml verlangt Belege für die deutsche Schuldzuweisung und wirft der Bundesregierung einen Eskalationskurs vor. Russland kündigt Gegenmaßnahmen an und spricht von einer „würdigen Antwort“.

4 Min
Kremlsprecher Dmitri Peskow wirft Deutschland im Fall der Leipzig-Drohne einen Eskalationskurs vor.

Kremlsprecher Dmitri Peskow wirft Deutschland im Fall der Leipzig-Drohne einen Eskalationskurs vor.

© Kristina Solovyova/imago

Der Kreml hat Deutschland nach den Anschuldigungen im Fall der Sprengstoff-Drohne am Flughafen Leipzig/Halle einen Eskalationskurs vorgeworfen. Die Bundesregierung habe ihre Schuldzuweisung an Russland nicht ausreichend belegt, erklärte Kremlsprecher Dmitri Peskow nach Angaben russischer Medien.

„Wenn solche schweren Anschuldigungen erhoben werden, sollten sie irgendwie untermauert werden“, sagte Peskow. Berlin habe nach seiner Darstellung keine Argumente vorgelegt. „Dass Deutschland den weiteren Weg der Eskalation geht, ist offensichtlich.“

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte die deutsche Bewertung zuvor mit polizeilichen Ermittlungsergebnissen, bekannten Tatmustern sowie Erkenntnissen deutscher und ausländischer Nachrichtendienste begründet. Die zugrunde liegenden Beweismittel wurden bei dem Pressestatement nicht öffentlich vorgelegt.

Sacharowa kündigt Deutschland eine „würdige Antwort“ an

Auch die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, verschärfte ihre Reaktion. Deutschland habe die Beziehungen zu Russland unter einem „völlig erfundenen und an den Haaren herbeigezogenen Vorwand“ weiter zugespitzt, sagte sie dem russischen Nachrichtenportal RBC. Überzeugende Beweise seien nicht vorgelegt worden. Berlin werde eine „würdige Antwort“ erhalten.

„Auf alle antirussischen Entscheidungen Berlins wird Moskau antworten“, sagte Sacharowa außerdem dem russischen Sender RTVI. Wie sie der Deutschen Presse-Agentur in Moskau mitteilte, werde Russland „spiegelbildlich“ reagieren. Die Antwort werde so ausfallen wie bei früheren, aus russischer Sicht „einseitigen und ungerechten Sanktionen“.

Welche Schritte Moskau plant, sagte Sacharowa weder RTVI noch der dpa. Auch Peskow nannte keine konkreten Gegenmaßnahmen.

Sacharowa zieht Vergleich zum Zweiten Weltkrieg

In einem Beitrag bei Telegram stellte Sacharowa zudem einen Zusammenhang zwischen dem Zeitpunkt der deutschen Ankündigung und dem Beginn des Zweiten Weltkriegs her. Sie fragte, ob Berlin den 1. September aus Unwissenheit gewählt oder damit eine „Rückkehr zu den Ursprüngen“ demonstriert habe.

Am 1. September 1939 überfiel das nationalsozialistische Deutschland Polen. Sacharowa führte den Jahrestag als weiteres Argument für ihre Angriffe auf die Bundesregierung an. Einen sachlichen Zusammenhang mit den deutschen Maßnahmen im Fall der Leipzig-Drohne nannte sie nicht.

Zuvor hatte Sacharowa Deutschland mit Blick auf dessen Waffenlieferungen und Finanzhilfen für die Ukraine vorgeworfen, „Terrorismus“ zu finanzieren und an Angriffen auf russische Zivilisten beteiligt zu sein. Belege für diese Behauptungen führte sie nicht an.

Russisches Generalkonsulat in Bonn muss schließen

Die Bundesregierung hatte Russland offiziell für den versuchten Anschlag am Flughafen Leipzig/Halle verantwortlich gemacht. Als Reaktion muss das russische Generalkonsulat in Bonn zum 18. September schließen. Außenminister Johann Wadephul (CDU) kündigte außerdem an, die vertragliche Grundlage für den Betrieb des Russischen Hauses in Berlin zu beenden.

Das maßgebliche deutsch-russische Kulturabkommen von 2011 kann nach der bislang bekannten Vertragslage zum Juni 2027 gekündigt werden. Deutschland muss Moskau darüber bis zum 6. Dezember 2026 informieren. Wann das Russische Haus seine Arbeit tatsächlich einstellen müsste, ließ Wadephul zunächst offen.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Deutschland will sich zudem in der Europäischen Union für weitere Sanktionen gegen russische Verantwortliche einsetzen. Geplant sind schärfere Einreisekontrollen für russische Staatsbürger und ein höherer Druck auf die sogenannte russische Schattenflotte.

Könnte Moskau das Goethe-Institut schließen?

Als mögliche russische Gegenmaßnahme gilt ein Vorgehen gegen das Goethe-Institut in Moskau. Der russische Botschafter in Deutschland, Sergej Netschajew, hatte bereits Mitte August erklärt, Russland könnte als „spiegelbildliche Maßnahme“ das Goethe-Institut schließen, sollte das Russische Haus seine Arbeit einstellen müssen. Eine solche Entscheidung hat Moskau bislang nicht bekannt gegeben.

Russland weist jede Beteiligung an dem Drohnenvorfall zurück. Bereits am 7. August bezeichnete die russische Botschaft den Fund als eine „hastig zusammengeschusterte Provokation“, die „ausschließlich den Zielen Kiews und des militaristischen Flügels der europäischen politischen Klasse“ diene. Russische Medien wie Tass und RBC greifen diese Darstellung weiterhin auf.

Der mit Sprengstoff und einem Zünder präparierte Flugkörper war am Abend des 4. August im Sicherheitsbereich des Flughafens Leipzig/Halle zwischen ukrainischen Frachtmaschinen entdeckt worden. Die Bundesanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts des versuchten Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion und des gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner