Wirtschaft

VW-Zukunftsplan 2030: Das sagen Zwickaus Stadtchefin und die Ostbeauftragte

Der Aufsichtsrat hatte am Donnerstag die Sparpläne des VW-Vorstandes beschlossen. Demnach sind auch Werkschließungen nach 2030 möglich. Das ruft die Politik auf den Plan.

Ingo Eckardt
Ingo Eckardt
4 Min
Angst vor dem Sensenmann: In Zwickau will man weiter für den Erhalt des VW-Werks kämpfen. Mahnende Worte gibt es von der Oberbürgermeisterin und der Ostbeauftragten der Budnesregierung.

Angst vor dem Sensenmann: In Zwickau will man weiter für den Erhalt des VW-Werks kämpfen. Mahnende Worte gibt es von der Oberbürgermeisterin und der Ostbeauftragten der Budnesregierung.

© Jan Woitas/dpa

Zum „Zukunftsplan 2030“, dem der Aufsichtsrat der Volkswagen Group am Donnerstag zustimmte, haben sich nun auch Zwickaus Oberbürgermeisterin Constance Arndt (Bürger für Zwickau) und die Ostbeauftragte der Bundesregierung, die Geraer SPD-Bundestagsabgeordente Elisabeth Kaiser, zu Wort gemeldet.

„Wir sind zunächst erleichtert, dass gestern keine Werkschließung beschlossen wurde. Das wäre für Zwickau – aber auch für Emden, Hannover und Neckarsulm – ein harter Schicksalsschlag gewesen. Gerade in unserer Region hätte er fatale Folgen für den gesamten Standort und die hier lebenden Menschen gehabt“, so die Zwickauer Stadtchefin. Bereits die letzten Wochen hätten nicht nur bei den Beschäftigten des Zwickauer Werks erhebliche Sorgen und Ängste geschürt.

Oberbürgermeisterin Arndt: 122 Jahre Automobiltradition

Nun biete sich die Chance, den Standort weiterzuentwickeln. Hier sei die Mit- und Zusammenarbeit aller gefragt, von Konzern, Werk, Beschäftigten, Arbeitnehmervertretung, Gewerkschaft und Politik, schrieb Constance Arndt den Beteiligten ins Stammbuch. „Wir sind gerne bereit, die schon bisher gute Kooperation mit der Volkswagen Sachsen GmbH fortzusetzen und zu intensivieren. Wir erwarten aber auch, dass Aufsichtsrat und insbesondere Konzernvorstand ihre Ankündigungen ernst nehmen, für die Werke auch über 2030 hinaus tragfähige Konzepte zu suchen und zu finden“, mahnte die Zwickauer Oberbürgermeisterin.

Constance Arndt (Bürger für Zwickau – hier bei der Inbetriebnahme der Erweiterung des Presswerks von Volkswagen) hat alle Beteiligten aufgefordert, kluge Lösungen für den traditionsreichen Automobilstandort zu suchen. Ab 2030 ist das VW-Werk in Westsachsen in Gefahr.

Constance Arndt (Bürger für Zwickau – hier bei der Inbetriebnahme der Erweiterung des Presswerks von Volkswagen) hat alle Beteiligten aufgefordert, kluge Lösungen für den traditionsreichen Automobilstandort zu suchen. Ab 2030 ist das VW-Werk in Westsachsen in Gefahr.

© Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

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Es gelte, mit Engagement und Entschlossenheit intelligente Lösungen zu entwickeln, um den Standort und Arbeitsplätze zu erhalten und um dem Werk die Zukunftsfähigkeit nachhaltig zu sichern. „Und wir erwarten, dass Zwickau – gerne um weitere Geschäftsfelder erweitert – Automobilstadt bleibt. Immerhin werden hier seit 122 Jahren Fahrzeuge erfolgreich entwickelt und produziert, von Horch, Audi und der Auto Union über den Trabant bis hin zu VW. Ihre Kompetenz und Innovationsfähigkeit bewiesen die Zwickauer Autobauer bereits mehrfach, nicht zuletzt durch die Transformation zu einem reinem E-Mobilitätswerk“, betonte die Stadtchefin.

Elisabeth Kaiser nimmt Vorstand für Zwickau in die Pflicht

Auch die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Elisabeth Kaiser (SPD), fordert vom VW-Vorstand konkrete Lösungen für den Standort Mosel. Der Osten dürfe nach Ansicht der Ostbeauftragten der Bundesregierung – bei allen notwendigen Veränderungen im VW-Konzern – nicht auf der Strecke bleiben. Zwar sei durch die Einigung im VW-Aufsichtsrat die maximale Eskalation verhindert worden, dies entlasse den VW-Vorstand jedoch nicht aus der Verantwortung, teilte Elisabeth Kaiser der Deutschen Presseagentur (dpa) mit. Konkrete Lösungen für den Standort Zwickau müssten nun auf den Tisch.

Die Ostbeauftragte Elisabeth Kaiser erwartet vom VW-Vorstand alle Anstrengungen, das Werk Zwickau auch nach 2030 auszulasten.

Die Ostbeauftragte Elisabeth Kaiser erwartet vom VW-Vorstand alle Anstrengungen, das Werk Zwickau auch nach 2030 auszulasten.

© Lilli Förter/dpa

Der Volkswagen-Konzern hatte zuvor angekündigt, in den kommenden Jahren 50.000 weitere Stellen streichen zu wollen. Zudem stünden vier Werke auf der Kippe. Für die Standorte Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm könne „aktuell keine wettbewerbsfähige Folgebelegung gestaffelt ab den Jahren 2031 bis 2034 gewährleistet werden“. Man prüfe für diese Werke „parallel und ergänzend alternative Verwendungsmöglichkeiten“.

VW müsse nun zügig mit den vereinbarten Gesprächen mit den Betriebsräten, Gewerkschaften und Beschäftigten beginnen, betonte Kaiser. Und sie fügte an: „Es darf zu keiner weiteren Hängepartie kommen, bei der die Beschäftigten und damit eine ganze Region weiter im Unklaren gelassen wird, was nun konkret passiert.“ Sie erwarte, dass sich der VW-Vorstand erneut den Beschäftigten vor Ort bei Betriebsversammlungen stelle.

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