Interview

ESC-Siegerin Dara: „Niemand sollte Angst haben, er selbst zu sein“

DARA schrieb als erste Bulgarin ESC-Geschichte.

DARA schrieb als erste Bulgarin ESC-Geschichte.

Vasil Germanov

Julian Daynov
Julian Daynov
Lesezeit 3 Min

ESC-Siegerin Dara im Gespräch mit Julian Daynov über ihren Durchbruch, Selbstbestimmung und den gesellschaftlichen Wandel in Bulgarien.

Mit ihrem Sieg beim 70. Eurovision Song Contest in Wien schrieb DARA, bürgerlich Darina Yotova, Geschichte und wurde als erste Bulgarin über Nacht zur internationalen Pop-Ikone. Mit ihrem unverwechselbaren Stil, mitreißenden Sounds und kompromissloser Authentizität nutzt die Sängerin ihre globale Bühne längst für weit mehr als nur Entertainment.

Im Rahmen der Rubrik „Gen Est“ porträtiert Mode-Insider, Trendscout und Editor-At-Large Julian Daynov Persönlichkeiten, die seine bulgarische Heimat mit ihren Visionen neu prägen. Er spricht mit DARA über den Rausch des ESC-Erfolgs, den Kampf gegen gesellschaftliche Tabus und eine selbstbewusste Gen Z, die veraltete Rollenbilder auf dem Balkan endgültig hinter sich lässt.

DARA feiert im Mai 2026 ihren Sieg beim Eurovision Song Contest in Wien.

DARA feiert im Mai 2026 ihren Sieg beim Eurovision Song Contest in Wien.

© IMAGO/Heikki Saukkomaa

Dara, deine letzten Monate waren sicher intensiv. Wie fühlst du dich?

Es war total verrückt, aber auf die beste Art und Weise. Ich hatte zahllose Auftritte, Konzerte und Reisen – das kann anstrengend sein. Doch ich liebe meinen Job so sehr, dass es mir nichts ausmacht.

Wann hast du erkannt, dass deine Leidenschaft für die Bühne zur Karriere werden könnte?

Schon als Kind habe ich mich auf der Bühne gesehen. Meine Mutter ist Folkloretänzerin und brachte mich früh zu Kursen für bulgarischen Volkstanz und Volksgesang. Ich wusste immer, dass ich etwas Künstlerisches machen will.

Du bist ein Vorbild für viele junge Menschen. Welche Botschaft möchtest du vermitteln?

Ich möchte, dass Menschen sich frei fühlen. Tanzen, Stress und Schmerz loslassen und aufhören, sich ständig zu fragen: „Was denken die anderen?“ Dieser Gedanke ist auf dem Balkan sehr verbreitet. Man sollte sich treu bleiben, an seine Träume glauben und sich nicht von den Erwartungen anderer bremsen lassen!

Du setzt dich für Selbstbestimmung und Akzeptanz ein. Was ist dir dabei wichtig?

Niemand sollte Angst haben, er selbst zu sein oder sich auszudrücken. Besonders Frauen sollten nicht in toxischen oder gewalttätigen Beziehungen bleiben, nur weil sie Angst vor Gerede oder gesellschaftlichen Etiketten haben. Das gilt aber nicht nur für Frauen: Niemand sollte sich wegen Geschlecht, Sexualität oder Identität verstecken müssen.

Der ESC ist auch ein LGBT-Event, viele deiner Fans gehören der Community an. Gleichzeitig ist das in Bulgarien weiterhin ein Tabuthema. Verändert sich die Gesellschaft?

Ja, aber nur langsam. Seit etwa 30 Jahren leben wir nicht mehr im Kommunismus, und Veränderungen brauchen Zeit. Durch das Internet und die stärkere Verbindung zur Welt öffnen sich viele Menschen. Besonders die Generation Z spricht Probleme direkter an und akzeptiert keine Lügen oder Tabus mehr.

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