Die Absicht der Bundesregierung, die deutschen Gasspeicher durch zusätzliche Zukäufe stärker zu füllen, dürfte den Preisdruck auf dem europäischen Gasmarkt verschärfen. Darauf verweist der Energieinformationsdienst Montel.
„Wenn Deutschland nun zusätzlich Gas einspeichert, ist das ein weiteres bullishes Signal – nicht nur für die Gaspreise in Deutschland, sondern aufgrund des eng verflochtenen europäischen Gasmarktes auch für ganz Europa“, sagt Joachim Endress, Gasmarktanalyst bei Montel. Der Begriff „bullish“ beschreibt an den Rohstoff- und Finanzmärkten eine Erwartung steigender Preise.
Wie stark sich die zusätzliche Nachfrage niederschlägt, hängt laut Endress vor allem von der Beschaffungsstrategie ab. „Die Frage ist, ob es faktisch eine ‚koste es, was es wolle‘-Order gibt oder ob die Käufe preisabhängig und schrittweise erfolgen“, so der Analyst. Eine Preisentwicklung wie im Krisenjahr 2022 sei aktuell nicht zu erwarten, doch treffe die zusätzliche Nachfrage auf einen bereits angespannten Markt.
Am deutschen Gashandelspunkt THE (Trading Hub Europe) notierte der Day-Ahead-Preis – also der Preis für Lieferungen am Folgetag – am Dienstag bei rund 81 Euro pro Megawattstunde. Am 10. August hatte er noch bei etwa 55 Euro pro Megawattstunde gelegen.
LNG-Wettbewerb mit Asien bestimmt den Winter
Neben der Lage an der Straße von Hormus, einer für den Energietransport zentralen Meerenge im Persischen Golf, dürfte laut Montel vor allem der Wettbewerb zwischen Europa und Asien um Flüssigerdgas (LNG) die Preisentwicklung im kommenden Winter prägen.
Derzeit profitiert Europa davon, dass US-Flüssigerdgas auf dem Weg nach Asien wegen der eingeschränkten Passage durch den Suezkanal die längere Route um das Kap der Guten Hoffnung nehmen muss. Nach Berechnungen von Montel müsste der asiatische Gaspreis bei den aktuellen Frachtraten rund 7 Euro pro Megawattstunde über dem europäischen Preis liegen, damit sich Lieferungen nach Asien für Exporteure eher lohnen als solche nach Europa.
„Der Wettbewerb zwischen Europa und Asien um Flüssigerdgas dürfte die Preisentwicklung in Europa über den gesamten Winter maßgeblich bestimmen“, sagt Endress.
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