Regionalliga

Erst zwei verpasste Aufstiege, jetzt Platz elf: Bei Lok Leipzig wächst die Ratlosigkeit

Lok kommt nicht in Fahrt! Die Leipziger aus Probstheida hinken in der Regionalliga ihren eigenen Ansprüchen deutlich hinterher.

Andreas Baingo
5 Min
Die Leipziger Spieler konnten sich in dieser Saison noch nicht allzu oft von ihren Fans feiern lassen.

Die Leipziger Spieler konnten sich in dieser Saison noch nicht allzu oft von ihren Fans feiern lassen.

© Andy Buenning/ IMAGO

Aller guten Dinge sind drei. So dachten sie in Leipzig-Probstheida vor dieser Saison, die zwei verpassten Aufstiege in die Dritte Liga noch im kollektiven Gemütszustand der Schwere, Niedergeschlagenheit und Machtlosigkeit. Vor allem auch im Vakuum der gefühlten Ungerechtigkeit. Auch wenn nicht alle von der Qualität der Gelb-Blauen nach dem Umbruch im Sommer überzeugt waren. Die Mannschaft bekam ein deutlich anderes Gesicht und mit Torsten Ziegner einen neuen Trainer, nachdem Jochen Seitz nach zwei ziemlich erfolgreichen Spielzeiten, in denen lediglich der i-Punkt fehlte, aufgegeben hatte. Ein solcher Wechsel aus der Not klappt in den seltensten Fällen über Nacht.

Lok Leipzig nur noch Mittelmaß

In der Zwischenzeit sind sie beim 1. FC Lokomotive Leipzig in der Realität angekommen. Noch mehr aber im Mittelmaß und weit weg von ihrem Ziel. Nach neun Spieltagen ist es Rang 11 im 18er-Feld der Regionalliga Nordost. Der Nachbar oben ist die Zweite von Zweitligist 1. FC Magdeburg, die Nachbarn unten sind punkt- und torgleich der BFC Preussen und Babelsberg, das mit einem 1:0 in Chemnitz dem dortigen FC die erste Saisonniederlage beibrachte. Tabellenführer Rot-Weiß Erfurt ist bereits elf Punkte enteilt.

Der Rückstand ist schon jetzt größer als je angenommen. Erst recht nach dem 2:2 am Mittwoch im Heimspiel gegen den BFC Dynamo, bei dem es deutlich mehr Pfiffe als Applaus gab. Nach einem 0:2-Pausenrückstand war Lok dank eines Doppelpacks von Djamal Ziane, der das Tor zum Endstand erst in der Nachspielzeit erzielte, auf der allerletzten Rille mit einem blauen Auge davongekommen.

Dabei sollte mit der Partie gegen den DDR-Rekordmeister alles besser werden. Ziegner, dessen Standing bei den Anhängern von Anfang an nicht das beste war, hatte die Supporter eingeschworen. Endlich sollte, kaum zu glauben, mit deren Hilfe der erste (!) Heimsieg der Saison her. Von Rettermentalität hatte der Coach gesprochen und davon, das eigene Tor sauber zu halten, was dem Team in dieser Spielzeit noch nicht gelungen ist. 18 Gegentore schon haben sie bereits kassiert.

Naumann-Ausfall wiegt schwer

Nur ist es nach der schweren Verletzung von Stammtorhüter Andreas Naumann nicht besser geworden. Der Schlussmann, der es auf bisher 173 Viertligaspiele für Lok, Eilenburg (von da kam er 2024 nach Probstheida), Meuselwitz und Halberstadt brachte, zog sich Ende August einen Kreuzbandriss zu – das Kalenderjahr ist für den 33-Jährigen damit gelaufen.

Was das bedeutet, wissen sie am Fuße des Völkerschlachtdenkmals am besten, denn in seinen 82 Spielen für Lok hielt er seinen Kasten 25-mal sauber. Gegen die Dynamos aus Berlin gab mit Jonas Wendlinger ein erst wegen Naumanns Verletzung dieser Tage verpflichteter Torhüter sein Debüt. Der Österreicher, dessen Vater Karl in den 1990er-Jahren 41 Formel-1-Rennen fuhr, konnte die erste Null in dieser Saison aber auch nicht halten.

Nach den 90 Minuten gegen den BFC warten sie also noch immer auf die Wende. Der letzte Sieg um Punkte liegt über vier Wochen zurück. Auch das 3:2 dazwischen im Sachsenpokal bei Oberligist VfB Auerbach war alles andere als eine Offenbarung. Schlimmer noch: So haben die Männer um den erfahrenen Alexander Siebeck kaum mehr eine Chance, vorn ein Wörtchen mitzureden. Und das schon nach einem guten Viertel der Saison. Lok kommt einfach nicht in Fahrt.

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Cheftrainer Torsten Ziegner fehlt bisher der richtige Touch.

Cheftrainer Torsten Ziegner fehlt bisher der richtige Touch.

© IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/Jan Kaefer

Dabei hat Toni Wachsmuth mit Ziegner einen Trainer geholt, der Aufstieg kann. Und zwar gemeinsam mit ihm, dem Sportdirektor. Vor zehn Jahren gelang ihnen das mit dem FSV Zwickau. Ziegner war schon damals Coach, Wachsmuth Spieler und viele Jahre Kapitän der Westsachsen. Nach einem 1:1 bei der SV Elversberg – gegen diesen „Dorfverein“, der nunmehr in der Bundesliga für Furore sorgt – machten die Zwickauer im Rückspiel mit einem 1:0 alles klar. Torschütze für die „Schwäne“ damals: Toni Wachsmuth.

Geschichte wiederholt sich manchmal. Aber längst nicht immer. In diesem Fall schon gar nicht. Mittlerweile ist der Ton rauer geworden. Von „zu viel wildem Jugendfußball“ hatte Wachsmuth schon vor der Partie gegen den BFC Dynamo gesprochen. Ziegner wiederum sprach, wenn er das Abwehrspiel unter die Lupe nahm, von „haarsträubenden Sachen, die ich die ganze Woche nicht sehe und vermutlich in den letzten zwei Jahren nicht gesehen habe“. Einmal in Fahrt, setzte er noch einen drauf und unterstellte einigen, dass sie „im Sommer verlernt haben, seriösen Fußball zu spielen“.

All das hatten sie auch gegen die Berliner nicht abgestellt: katastrophale Fehler, schlimme Missverständnisse, fatale Zuordnungen. Aber auch eine ganz wilde Schlussphase mit dem Ausgleich, der wenigstens ein wenig Dampf vom Kessel nahm. Nur nicht für Ziegner. Der hatte sich wegen eines Fouls derart aufgeregt, dass er Rot sah und den Ausgleich von der Tribüne aus verfolgen musste. Dieser Platzverweis trifft den Trainer besonders hart, denn am Sonntag hätte er in Jena, wo er den Großteil seiner Ausbildung als Fußballer erlebte und wo er für die Profis des FC Carl Zeiss 182 Pflichtspiele bestritt, ein gefühltes Heimspiel gehabt. So kann er nur abseits des Geschehens seinem Team die Daumen drücken. Und sich selbst damit auch.

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