BSW-Wahlparty

Zittern um den Einzug ins Berliner Abgeordnetenhaus – beim BSW werden Erinnerungen wach

Das BSW erinnert sich schmerzlich an die letzte Bundestagswahl, bei der das gleiche Szenario schlecht ausging. Doch es überwiegt Stolz.

Matthias Zachel
4 Min
Alexander King feiert das Abschneiden des BSW bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl.

Alexander King feiert das Abschneiden des BSW bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl.

© Michael Bahlo/dpa

Spannender kann es das BSW mal wieder nicht machen: Sowohl in Berlin als auch in Mecklenburg-Vorpommern landet das Bündnis bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus bzw. Landtag im Bereich der Fünf-Prozent-Hürde. Auf der BSW-Wahlparty weckt das knappe Ergebnis ungute Erinnerungen an die jüngste Bundestagswahl. Doch in Berlin herrscht Optimismus vor – von Beginn an.

Im Kreuzberger Biergarten Jockel finden sich Parteimitglieder und Führungspersonal gegen 19 Uhr zusammen. Bier und Pommes gibt es an der Theke zu kaufen, doch eine Moderation spart man sich: Den gesamten Abend über schaut man gemeinsam RBB oder hört Musik. Die Stimmung ist von Zuversicht geprägt. Schon vor der ersten Hochrechnung ist man vor allem eines: stolz.

„Wollen nicht koalieren in Berlin“

„Ich habe es noch nie erlebt, dass durch einen Wahlkampf so viel Boden gut gemacht wird“, sagt Spitzenkandidat Alexander King der Berliner Zeitung. Er zeigt sich schon vor der Hochrechnung sehr zufrieden mit dem Engagement und Hingabe der Wahlkämpfer. Eine Koalition schließen er und sein Kollege Michael Lüders klar aus: „Wir wollen nicht koalieren in Berlin“, sagt Lüders. Er geht von einem rot-rot-grünen Senat aus. Man wolle „nicht als neue Partei das Weiter-So“ verwalten, erklärt King.

Auch zur Party erschienen ist Claudia Wittig, die als Co-Spitzenkandidatin kürzlich für das BSW in den Landtag von Sachsen-Anhalt eingezogen ist. In beiden Wahlkämpfen habe das junge Bündnis gemerkt, wie wichtig es sei, „nicht mit Koalitions-Geschacher Politik zu machen, sondern mit Inhalten“, sagt sie der Berliner Zeitung. Vor allem in der Friedenspolitik sieht sie einen ausschlaggebenden Charakterzug ihrer Partei.

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Kein BSW ohne spannende Wahlabende

Dann ist es soweit: Um 18 Uhr quittiert das Publikum mit höhnischer Freude die 5,5 Prozent der CDU in Mecklenburg Vorpommern, dann folgt explosive Freude, als die Punktlandung auf 5 Prozent glückt. Bei der Berliner Prognose ein ähnliches Bild: Schadenfreude über die abgestrafte SPD und Ekstase, dass man die Fünf-Prozent-Hürde geschafft hat in diesem Moment. Man liegt sich in den Armen, laut wird „BSW!“ skandiert.

Es folgt eine der wenigen Bühneneinlagen des Abends: King und Lüders treten gemeinsam unter lautem Jubel vor die Menge. Blumensträuße werden überreicht. Auch in den kurzen Worten der beiden Spitzenkandidaten herrscht vor allem Stolz auf den Wahlkampf vor. Die Begeisterung des Publikums versucht der Spitzenkandidat zu bremsen. „Wir wissen es noch nicht“, ruft King der Menge zu, doch die Erleichterung ist ihm anzumerken, dass man nicht deutlich unter der Hürde liegt. Immerhin hätte die Presse die Partei abgeschrieben, so King.

Verhaltene Zuversicht

„Die Stimmung ist fragil“, gibt Josephine Thyrêt, Co-Landesvorsitzende des BSW, gegenüber der Berliner Zeitung zu. Die Bundestagswahl 2025, bei der man schließlich mit 4,98 Prozent den Einzug ins Parlament doch noch verpasste, sei sehr präsent in den Köpfen. Für einen sorgenfreien Abend reicht das Ergebnis also nicht. „Es ist noch nicht der Zeitpunkt für Euphorie“, so Thyrêt.

Lieber will sie die Arbeit der Partei in den letzten Monaten loben. Denn sie habe das klare Gefühl, „dass das Land gespalten ist.“ Das sehe man auch daran, wie schwer es ist, mit linken oder Friedensthemen Wahlkampf zu machen. Mit Blick auf eine zerfallende Landtagsfraktion und Austritte hat Thyrêt keine Sorgen um die Berliner Fraktion: „Wir sind sehr stabil.“

Party gegen Merz

Wenn es schon nicht für ein sorgloses Ergebnis reicht, dann kann man sich immer noch mit dem Feindbild Friedrich Merz die Laune aufrecht erhalten. Die Ansprache des Bundeskanzlers, die in den Saal übertragen wird, wird laut ausgebuht. Dann spielt der DJ das Lied „Merz leck Eier“, das er dann aber noch erklären muss, zu irritiert sind manche Gesichter. Es sei ein Lied „der Jungen“, es werde bei Schulstreiks gespielt. Auch die Versuche, gemeinsam „Schmeiß' den Friedrich raus“ zu skandieren, verhallen erfolglos.

Die Botschaft unter den BSW-Anhängern ist heute Abend trotzdem klar: „Die Regierungspolitik ist abgewählt“, formuliert es Thyrêt. Auch wenn konkrete Vorhaben für die nächste Zeit sich eher auf die Bezirkspolitik beziehen, scheint die Partei die Aufmerksamkeit zu genießen, die mit der möglichen Konsolidierung im Abgeordnetenhaus einhergeht. Doch gegen 22 Uhr sind es laut weiteren Hochrechnungen nur noch 4,7 Prozent.

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