Die Ukraine hat die USA aufgefordert, Sanktionen gegen russische Unternehmen und Personen zu verhängen, die am Aufbau des Satellitennetzes Rassvet beteiligt sind. Der ukrainische diplomatische Geschäftsträger in Washington, Denys Sienik, warnte nach einem Bericht von Reuters am Mittwoch vor erheblichen militärischen Risiken durch die russische Alternative zum Starlink-System von SpaceX. Er wolle der US-Regierung und dem Kongress Informationen über die beteiligten Firmen und Personen vorlegen.
Starlink ist das Satelliteninternet des US-Raumfahrtunternehmens SpaceX. Tausende Satelliten in niedrigen Erdumlaufbahnen übertragen Daten zwischen Empfangsantennen am Boden und dem Internet.
Weil die Satelliten ständig weiterziehen, wechseln die Antennen automatisch zwischen ihnen. So sind Internetverbindungen auch dort möglich, wo Mobilfunknetze fehlen oder Leitungen zerstört wurden. Die ukrainischen Streitkräfte nutzen Starlink unter anderem für die Kommunikation zwischen Einheiten und die Übertragung von Drohnenbildern. Starlink ist auf russischem Staatsgebiet nicht freigeschaltet.
Sollte Moskau seine Alternative bis Ende des Jahres in Betrieb nehmen, könnte es damit ukrainische Ziele auf ukrainischem Gebiet in Echtzeit angreifen, sagte Sienik laut Reuters. Ohne Sanktionen gegen die beteiligten Unternehmen werde der Aufbau des Netzes ermöglicht. Dies könnte den Kriegsverlauf entscheidend verändern, warnte der Diplomat.
Kiew sieht Lücken bei Sanktionen
Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur AP erklärte Sienik, die Hauptfirma hinter dem Netz stehe bereits unter US-Sanktionen. Unternehmen, die Komponenten dafür herstellten, seien hingegen bislang nicht betroffen. Konkrete Namen der Zulieferer nennt der Bericht nicht.
Die Forderung ist Teil einer umfassenderen ukrainischen Initiative. Kiew will Washington auch Unternehmen, Personen und Schiffe für weitere Sanktionen vorschlagen. Dazu gehören laut AP Schiffe der russischen Schattenflotte, mit denen Moskau Beschränkungen seiner Ölexporte umgeht. Das US-Finanzministerium äußerte sich zunächst nicht zu der Forderung nach neuen Sanktionen.
Kommerzieller Start für 2027 geplant
Das Satellitensystem Rassvet wird von Bureau 1440 entwickelt, einem Unternehmen der russischen Iks Holding. Deren Vorstandschef Alexej Schelobkow kündigte im Juni beim Wirtschaftsforum in St. Petersburg den kommerziellen Betrieb für das Jahr 2027 an. Im März hatte Bureau 1440 den Start der ersten 16 Satelliten in niedrige Erdumlaufbahnen gemeldet. Langfristig soll das Netz auf rund 900 Satelliten wachsen.
Die ukrainische Warnung vor einer möglichen Nutzung schon Ende 2026 bezieht sich damit auf einen früheren Zeitpunkt als den angekündigten kommerziellen Start. Eine vollständige Einsatzbereitschaft bis Jahresende ist durch die vorliegenden Berichte nicht unabhängig bestätigt.
Bereits im August hatte der stellvertretende Chef des ukrainischen Militärgeheimdienstes, Wadym Skibizkyj, im Interview mit RBC-Ukraine vor einem beschleunigten Ausbau gewarnt. Bislang könne das System nur zeitweise arbeiten, wenn Satelliten über ukrainisches Gebiet flögen.
Ukraine verlangt mehr Patriot-Abfangraketen
Sienik verband die jüngste Sanktionsforderung mit einem Appell für zusätzliche Luftverteidigung. Die Ukraine benötige vor dem Winter dringend etwa 300 weitere Patriot-Abfangraketen, sagte er laut Reuters. Russland produziere monatlich mehr als 100 ballistische Raketen.
Zugleich fordert Kiew eine Ausweitung der Starlink-Abdeckung auf russisches Gebiet, um dort Abschussvorrichtungen für ballistische Raketen angreifen zu können.
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Starlink-Alternative: Russland will im Jahr 2027 eigenes Satelliten-Internet „Rassvet“ starten
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