Die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) nimmt den Nachlass des Dresdner Kochs, Publizisten und Sammlers Reinhard Lämmel (1950–2025) in ihr Deutsches Archiv der Kulinarik auf. Übergeben wird die Sammlung von seiner Witwe Liane Lämmel.
Der Nachlass enthält rund 1500 historische Menü- und Speisekarten aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Die SLUB hebt kunstvoll gestaltete sächsische Menükarten aus der Zeit um 1900 hervor, außerdem Karten aus Dresdner Interhotels der 1960er- und 1970er-Jahre. Dazu kommen Stücke aus dem Hotel Bellevue, in dem Lämmel selbst als Küchenchef gearbeitet hatte. Die Sammlung soll die Bestände zur Gastronomiegeschichte Sachsens ergänzen.
Die Bibliothek erschließt den Nachlass nun bibliothekarisch. Forschende können die Karten für die wissenschaftliche Arbeit im Lesesaal Sammlungen der SLUB-Zentralbibliothek einsehen. „Mein Mann war mit großer Leidenschaft Sammler“, sagte Liane Lämmel. Die Sammlung bilde eine lebendige Chronik der Gastlichkeit und der kulinarischen Trends verschiedener Epochen ab; das Archiv sei der ideale Ort, um sie zu bewahren.
Reisehighlights Reisehighlights exklusiv für Sie
MehrReinhard Lämmel kochte im Bellevue und auf Schloss Weesenstein
Lämmel hatte seine Lehre im Interhotel Astoria Dresden absolviert und war danach viele Jahre Küchenchef in bekannten Häusern Sachsens, darunter im Hotel Bellevue Dresden. Weitere Stationen waren das Interhotel Kongress in Karl-Marx-Stadt, eine Tätigkeit als Maître im Italienischen Dörfchen sowie Aufenthalte in Budapest und Istanbul.
Speisekarten aus dem Interhotel Newa, Dresden, 1970er Jahre
© Ramona Ahlers-Bergner/SLUB
Von 1996 bis 2001 leitete er die Schlossküche auf Schloss Weesenstein. In dieser Zeit erhielt das Restaurant 14 Punkte im Gault Millau.
Daneben arbeitete Lämmel als Autor. Im Jahr 2007 erschien „Das Sachsen-Kochbuch“, in dem er sich mit dem Mythos der sächsischen Nationalküche befasste. Regelmäßig schrieb er für die Rubrik „Essen und Trinken“ der Sächsischen Zeitung. Teile seiner Sammlung waren bereits 2012 in der Sonderausstellung „Aufgetischt“ auf Burg Stolpen zu sehen.
Archiv bewahrt weitere Unterlagen zum Bellevue
Das Deutsche Archiv der Kulinarik bewahrt nach Angaben der SLUB schon weitere Unterlagen zur Spitzengastronomie der DDR, vor allem zum Interhotel Bellevue. Dazu gehören Rezeptkalkulationen der Patissière Christine Giersch sowie die Kalkulationen der Endküche EG-West von Erhard Müller, Chefkoch einer der vier Küchen des Hauses. Darin sind auch Rezepte für das Palaisrestaurant, den Bankettsaal, das Café Pöppelmann, den Bierkeller und die Salons erhalten.
Sächsischer Meilenstein 2026: Die Finalisten für den Nachfolgepreis stehen fest
Ausstellung „Platte Ost/West“ in Dresden: Warum der Plattenbau mehr als nur DDR-Architektur ist
Hinzu kommt der Nachlass von Klaus Martin, dem ersten gastronomischen Leiter des Hotels. Er enthält unter anderem Unterlagen zur Einrichtung des Bellevue.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]