Brot-Hype

60 Dollar für Roggenbrot: Lidl verspottet Österreichs Luxus-Bäcker in New York

Roggenbrot für 60 Dollar: Warum der Laib von Martin Auer in New York so teuer ist, was er in Graz kostet und wie Lidl auf den Brot-Hype reagiert.

4 Min
Große runde Roggenbrote im Bäckerregal: In New York verlangt eine Grazer Bäckerei für einen 1,5-Kilo-Laib 60 Dollar. (Symbolbild)

Große runde Roggenbrote im Bäckerregal: In New York verlangt eine Grazer Bäckerei für einen 1,5-Kilo-Laib 60 Dollar. (Symbolbild)

© Imago/Michael Bihlmayer

Für 60 Dollar bekommt man in New York ein ordentliches Abendessen. Oder, seit dem 10. September, einen einzigen Laib Brot.

Verkauft wird er in Soho, in der Bäckerei „Rye by Martin Auer“. Dahinter steckt ein Familienbetrieb aus Graz mit mehr als 40 Filialen in Österreich. In Manhattan gibt es dort genau ein Produkt: Roggensauerteigbrot.

Umgerechnet kostet der Laib rund 52 Euro. Seitdem streitet New York darüber, ob das genial ist oder eine Frechheit.

Was im 60-Dollar-Brot steckt

Die Zutatenliste ist kürzer als jeder Kassenbon: österreichisches Bio-Roggenmehl, Wasser, Salz. Keine Hefe, kein Weizen. Ein Laib wiegt rund 1,5 Kilo.

Der Sauerteig ist 57 Jahre alt und stammt noch vom Großvater, erzählte Martin Auer dem Magazin Grub Street. Der Teig reift etwa einen Tag, danach muss das Brot mindestens acht Stunden ruhen, bevor man es anschneiden kann.

Wer kleiner einsteigen will: Ein halber Laib kostet 30 Dollar, ein Viertel 15.

Warum das Brot in New York so teuer ist

Mitinhaber Tim Auer, der Sohn, nennt gegenüber Fox News das importierte Mehl, die lange Herstellung und die Kosten in Soho.

Wie teuer die Gegend ist, zeigt ein Blick nach oben. Im selben Haus an der Lafayette Street lebte laut Rolling Pin jahrelang David Bowie. Die Wohnungen über der Bäckerei kosten nach Angaben von Bloomberg rund 18 Millionen Dollar.

In Graz kostet der große Laib 12,97 Euro, wie der Guardian recherchierte. Martin Auer sieht trotzdem keinen Grund zur Aufregung. Der Preis sei kein Marketing-Gag, sagte er dem Standard: „Niemand muss dieses Brot kaufen.“

Brotmesser für 230 Dollar: die Bäckerei als Luxusboutique

Rye ist als Schaubäckerei gebaut. Die Laibe lehnen wie Kunstwerke an der Wand, ein Brotmesser kostet laut Ynet 230 Dollar.

Das Handelsblatt, das vor Ort war, entdeckte im Regal sogar eine Mundharmonika für 350 Dollar. In einer Bäckerei.

Lidl verspottet das 60-Dollar-Brot

Der Spott kam ausgerechnet aus Neckarsulm. Lidl parkte einen Werbelaster vor der Bäckerei, berichtet das US-Magazin Inc. Die Aufschrift: 60 Dollar für ein Brot? Geht billiger, für 3,99 Dollar.

Auf der Rückseite rechnete der Discounter vor, dass 60 Dollar auch für 122 Croissants reichen. Darunter ein Wortspiel mit dem Sauerteig, das auf Deutsch genauso funktioniert: Nicht sauer sein.

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Wie schmeckt das teure Roggenbrot?

Beim Finanzdienst hat man das Brot probiert und urteilt trocken: „Es schmeckt wie Roggenbrot.“ Wer ein Erlebnis passend zum Preis erwarte, werde enttäuscht.

Die meisten Kunden räumen allerdings ein, dass es gut schmeckt, schreibt das israelische Portal. Und leer bleibt der Laden nicht. Man sei fast jeden Tag ausverkauft, sagte Tim Auer dem US-Magazin People.

Wie lange hält der Brot-Hype?

Marketingprofessor Bernd Schmitt erinnerte in der Wirtschaftszeitung an den Cronut, die Kreuzung aus Croissant und Donut, für die New York einst ebenfalls Schlange stand. Ein solcher Hype trage einige Monate, danach zähle nur, ob die Kunden wiederkommen.

Aufs Kilo gerechnet kostet das Rye-Brot rund 34 Euro, wie der Sender vorrechnet. In deutschen Bäckereien liegt der Kilopreis im Schnitt bei gut fünf Euro. Für einen New Yorker Laib bekäme man in Berlin also rund zehn Kilo Brot.

Wer in Soho kauft, zahlt deshalb vor allem für die Geschichte, die er danach erzählen kann. Das Brot ist die Beilage.

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