Gruseltrend

„Cat in the Hat“: Mehr als 20 Polizeieinsätze in Sachsen-Anhalt

„Cat in the Hat“ beschäftigt die Polizei in Sachsen-Anhalt häufiger als bislang bekannt. In Coswig soll eine Gestalt mit Knüppel vor einem Haus gewartet haben.

5 Min
Der Trend „Cat in the Hat“ treibt in Sachsen-Anhalt weiterhin sein Unwesen. Die Polizei spricht bislang von mehr als 20 Vorfällen.

Der Trend „Cat in the Hat“ treibt in Sachsen-Anhalt weiterhin sein Unwesen. Die Polizei spricht bislang von mehr als 20 Vorfällen.

© © Polizei Dessau-Roßlau

Der Social-Media-Trend „Cat in the Hat“ hat die Polizei in Sachsen-Anhalt in den vergangenen Wochen häufiger beschäftigt als bislang bekannt. In den Monaten September und Oktober seien landesweit bisher etwas mehr als 20 Sachverhalte im Zusammenhang mit „Cat in the Hat“ erfasst worden, teilte das Landeskriminalamt (LKA) auf Anfrage der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung mit.

Hinter „Cat in the Hat“ verbergen sich Meldungen über Personen, die als Katze mit Hut verkleidet an dunklen Ecken oder Hauseingängen stehen und Passanten Angst einjagen sollen. Bilder und Videos solcher Gestalten verbreiten sich seit Wochen in sozialen Medien und Messengerdiensten.

Kein einziger Verdächtiger angetroffen

Nach Angaben des LKA meldeten Bürger in mehreren Fällen Sichtungen kostümierter Personen. In keinem einzigen Fall konnten die Einsatzkräfte jedoch bei der sofortigen Absuche der Umgebung verdächtige Personen feststellen. Zehn weitere Einsätze gingen auf Folgemaßnahmen zu Sichtungen oder auf angedrohte Straftaten mit Bezug zum Trend zurück. Vorhandene Fotos und Videos wirkten auf die ermittelnden Beamten nach LKA-Angaben „ausnahmslos nachträglich verändert, beziehungsweise KI generiert“.

Gezählt wurden nur Einsätze, die die Polizei ausdrücklich unter dem Schlagwort „Cat in the Hat“ erfasst hat. Ähnliche Fälle, die nicht so gekennzeichnet wurden, tauchen in der Statistik nicht auf.

Zuletzt meldete ein neunjähriges Mädchen in Haldensleben der Polizei,  eine Person in einem „Cat in the Hat“-Kostüm habe es am 12. Oktober in der Rottmeisterstraße verfolgt und bedroht. Das teilte das Polizeirevier Börde mit. Eine tatverdächtige Person war nicht bekannt. Eine entsprechend verkleidete Person sei bereits im September im Stadtgebiet gesehen worden, hieß es. Der MDR berichtete am 17. Oktober zudem von zwei Jugendlichen, die nachts in Coswig auf eine verkleidete Person getroffen seien und sich erschreckt hätten.

Knüppel, Messer, Drohungen gegen Schulen

Bereits im September waren mehrere Fälle bekannt geworden, in denen Gegenstände oder Gewaltandrohungen eine Rolle spielten. In Coswig (Anhalt) soll am 19. September eine kostümierte Person etwa eine halbe Stunde lang vor einem Wohnhaus gestanden haben, mit einem knüppelartigen Gegenstand in der Hand. Laut einer Polizeimeldung hatte sich eine Anwohnerin der Zerbster Straße bedroht gefühlt. Die Polizei ermittelt gegen Unbekannt wegen des Verdachts der Bedrohung.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Am 22. September kursierten Nachrichten und Videos, in denen eine mögliche Gewalttat an einer Schule in Coswig thematisiert wurde. Die Polizei ermittelte wegen des Verdachts der Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten.

In Dessau-Roßlau leitete die Polizei zwei Ermittlungsverfahren wegen Bedrohung ein. Anlass waren eine angebliche Sichtung einer Person mit einem messerähnlichen Gegenstand sowie ein Chatverlauf, in dem eine Gewalttat an einer Schule angedroht wurde. Daneben gab es in der Stadt Überprüfungseinsätze wegen angeblicher Sichtungen sogenannter „Katzenmenschen“ und wegen der Verbreitung entsprechender Fotos und Videos.

Aus Videos wird eine Bedrohungslage

In Zerbst rückte die Polizei am 24. September zu einer weiterführenden Schule aus. Konkrete Beobachtungen oder belastbare Verdachtsmomente ließen sich bei den Befragungen nicht bestätigen. Nach Polizeiangaben hatten Kinder und Jugendliche entsprechende Videos in sozialen Medien gesehen. Daraus habe sich eine Dynamik entwickelt, durch die sich eine vermeintliche Bedrohungslage verbreitete und verfestigte. Am selben Tag gab es vergleichbare Meldungen an einer Zerbster Förderschule, die sich ebenfalls als Hörensagen herausstellten. Auch eine angebliche nächtliche Sichtung im Stadtgebiet konnte nicht verifiziert werden.

Im Bereich der Polizeiinspektion Halle wurde am 28. September über einen Messengerdienst ein Bild geteilt, das eine Person im Katzenkostüm in Bad Dürrenberg zeigen sollte. Die Prüfung ergab: Das Bild war KI-generiert. Hinweise auf eine reale Person in diesem Kostüm gibt es laut Polizei nicht.

Das deckt sich mit Faktenchecks: Die Deutsche Presse-Agentur stellte am 9. Oktober fest, dass dieselben Katzenbilder mit wechselnden Ortsangaben verbreitet wurden und mindestens eines Hinweise auf eine KI-Erstellung enthielt. Auch das Portal Mimikama kam zu dem Ergebnis, dass viele kursierende Aufnahmen KI-generiert oder alt sind oder aus anderen Ländern stammen.

„Kein harmloser Spaß“

Die Polizei warnt davor, den Trend zu verharmlosen. Da es meist darum gehe, Beobachter einzuschüchtern, handle es sich „keinesfalls um ein Kavaliersdelikt oder einen harmlosen Spaß“, so das LKA. Wer andere in Angst versetze, verfolge oder bedrohe, könne sich strafbar machen. Strafrechtliche Folgen können demnach auch das Erstellen und Verbreiten von Beiträgen mit bedrohlichem Inhalt haben. Eine strafrechtliche Relevanz könne bereits vorliegen, wenn sich jemand belästigt oder zu einer ungewollten Handlung genötigt fühle. Zudem dürften Bild- oder Tonaufnahmen anderer Personen nicht ohne deren Einwilligung veröffentlicht werden.

Die Polizei rät, nicht jeden Social-Media-Trend mitzumachen, andere nicht gezielt zu erschrecken oder zu verfolgen und solche Inhalte nicht weiterzuverbreiten. Wer sich bedroht oder verfolgt fühlt, soll den Notruf 110 wählen.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner