Geschäftsklima

Sächsische Wirtschaft stabilisiert sich auf niedrigem Niveau – von Aufschwung keine Spur

Die Industrie- und Handelskammern in Sachsen melden für den Herbst 2026 eine leicht verbesserte Geschäftslage. Die Unternehmen bleiben jedoch skeptisch.

3 Min
Blick auf das Volkswagenwerk Zwickau.

Blick auf das Volkswagenwerk Zwickau.

© Hendrik Schmidt/dpa

Die sächsische Wirtschaft hat sich nach einem deutlichen Rückschlag im Frühjahr 2026 im Herbst stabilisiert, bleibt aber ohne nennenswerte Wachstumsdynamik. Das geht aus der aktuellen Konjunkturumfrage der sächsischen Industrie- und Handelskammern hervor, an der sich zwischen dem 31. August und dem 28. September 1.582 Unternehmen mit mehr als 80.000 Beschäftigten beteiligten. Befragt wurden Betriebe aus Industrie, Baugewerbe, Handel, Dienstleistungen, Verkehr sowie Gast- und Tourismusgewerbe.

Der Lagesaldo – also die Differenz zwischen positiven und negativen Einschätzungen der aktuellen Geschäftslage – stieg von sechs auf zwölf Punkte und verdoppelte sich damit gegenüber dem Frühjahr. Deutliche, überwiegend saisonal bedingte Verbesserungen gab es laut Umfrage im Baugewerbe sowie im Gast- und Tourismusgewerbe. Auch das Verkehrsgewerbe erholte sich vom kräftigen Einbruch im Frühjahr. Die Bewertungen bleiben nach Angaben der Kammern jedoch auf einem niedrigen Niveau, das die sächsische Wirtschaft bereits seit mehreren Jahren prägt.

Auch die Erwartungen der Unternehmen fallen etwas weniger pessimistisch aus. Der Erwartungssaldo verbesserte sich um fünf auf -13 Punkte, bleibt damit aber im negativen Bereich. In allen Wirtschaftssektoren überwiegen die Pessimisten. Besonders skeptisch zeigen sich Handel, Verkehrs- und Tourismusgewerbe sowie das Baugewerbe mit Salden unter -20 Punkten. Als Belastungen nennen die Betriebe hohe Standort- und Arbeitskosten, eine schwache Konsumnachfrage sowie eine überzogene Bürokratie.

Investitionen und Beschäftigung weiter rückläufig

Von einer Belebung der Investitionstätigkeit kann laut Umfrage keine Rede sein. Nur 16 Prozent der Betriebe planen höhere Investitionsausgaben, 27 Prozent wollen ihre Budgets kürzen. Der Investitionssaldo liegt bei -11 Punkten. Ersatzbeschaffungen dominieren die Investitionsmotive, Kapazitätserweiterungen werden seltener angestoßen.

Auch bei der Beschäftigung bleibt die Tendenz negativ: 11 Prozent der Unternehmen planen einen Stellenaufbau, 23 Prozent rechnen mit sinkenden Beschäftigtenzahlen – ein Saldo von -12 Punkten. Für die kommenden Monate deute sich damit ein weiterer Beschäftigungsabbau an, so die Kammern.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Im Risikoradar der Unternehmen stehen die Arbeitskosten mit 68 Prozent der Nennungen an erster Stelle, gefolgt von den Energiepreisen mit 65 Prozent. Die seit dem Frühjahr stark gestiegenen Kraftstoffpreise werden von 61 Prozent als Risiko genannt. Mehr als die Hälfte der Betriebe sieht zudem die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen und die schwache Inlandsnachfrage als Risikofaktoren. Der Fachkräftemangel verliert dagegen an Gewicht und wird nur noch von gut einem Drittel der Betriebe zu den wesentlichen Geschäftsrisiken gezählt.

Nahost-Konflikt und hohe Kosten als Dämpfer

Die im Frühjahr durch die Eskalation im Nahen Osten ausgelösten Preisspitzen und Lieferkettenprobleme haben sich den Kammern zufolge teilweise abgeschwächt. Die Energiepreise blieben jedoch hoch, die Risiken für die Weltwirtschaft beträchtlich. Eine erneute Verschärfung des Konflikts könnte Energie- und Rohstoffpreise weiter steigen lassen, Transportwege und Lieferketten belasten sowie Inflation, Nachfrage und Investitionen zusätzlich dämpfen.

Finanzpolitische Impulse des Bundes hätten in Sachsen bislang keine nennenswerten Wachstumswirkungen entfaltet, heißt es in der Umfrage. Das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt des Freistaates sank im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum erneut um 0,3 Prozent. Für einen spürbaren Aufschwung seien verlässlichere wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen sowie eine nachhaltige Entlastung der Unternehmen bei den Standortkosten erforderlich, so das Fazit der Kammern.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner