US-Vizepräsident JD Vance setzt sich im israelischen Wahlkampf öffentlich von Präsident Donald Trump ab. Während Trump dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu seine uneingeschränkte Unterstützung zugesichert hat, weigert sich Vance, eine entsprechende Wahlempfehlung abzugeben. Der Vizepräsident erklärte am Montag, er wolle sich nicht in die israelische Parlamentswahl am 27. Oktober einmischen.
„Ich unterstütze amerikanische Kandidaten. Darauf konzentriere ich mich vor den Zwischenwahlen“, sagte Vance in einem Interview mit dem Journalisten Mark Halperin für dessen Sendung 2WAY Tonight. Das Gespräch fand an Bord der Präsidentenmaschine Air Force Two statt.
Auf die Nachfrage, ob er Netanjahus Wiederwahl unterstütze, erklärte Vance: „Ich bin nicht gegen eine Wahlempfehlung für ihn. Ich bin aber auch nicht dafür. Ich mische mich nicht in israelische Wahlen ein.“
Über die Äußerungen berichteten CNN und die Associated Press. Vance geht damit auf Distanz zu Trumps Wahlempfehlung – bemerkenswert für einen Politiker, der innerhalb der MAGA-Bewegung als möglicher Nachfolger des Präsidenten gilt.
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Trump verknüpft Netanjahus Wiederwahl mit dem Krieg gegen den Iran
Trump hatte sich am Sonntag öffentlich hinter Netanjahu gestellt. In einem Beitrag auf seiner Plattform Truth Social bezeichnete er den israelischen Ministerpräsidenten als einen hervorragenden Regierungschef in Kriegszeiten und als wichtigen Partner im Kampf gegen den Iran.
„Bitte betrachten Sie diesen Brief als meine vollständige und uneingeschränkte Unterstützung für Bibi Netanjahu bei seiner bevorstehenden Wiederwahl“, schrieb der US-Präsident.
Der amerikanische Präsident verband seine Wahlempfehlung mit einer Warnung. Sollte Israel einen anderen Regierungschef wählen, müssten die Vereinigten Staaten den Kampf gegen den Iran möglicherweise allein fortsetzen. Dazu sei er nicht bereit.
In einem Interview mit Axios erklärte Trump, er habe seine Unterstützung bewusst erst kurz vor der Wahl bekannt gegeben. Auf die Frage, ob er auch mit einem anderen israelischen Regierungschef zusammenarbeiten könne, antwortete er: „Vielleicht werde ich das, vielleicht auch nicht. Wer will dieses Risiko eingehen?“
US-Präsident Donald Trump (M.) mit Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu (l.) und Vizepräsident JD Vance am 28. Juli 2026 im Weißen Haus.
© Ma’ayan Toaf/imago
Netanjahu bedankte sich umgehend für die Unterstützung. Seine politischen Gegner betonten dagegen, allein die israelischen Wähler entschieden über die künftige Regierung.
Für Netanjahu steht viel auf dem Spiel. Nach den bisherigen Umfragen könnte seine rechtsreligiöse Koalition die notwendige Mehrheit von 61 der insgesamt 120 Sitze in der Knesset verfehlen. Allerdings können auch die Oppositionsparteien nicht ohne Weiteres auf eine gemeinsame Regierungsmehrheit zählen.
Vance unterstützte Orbán persönlich im Wahlkampf
Vances Begründung, er wolle sich nicht in ausländische Wahlen einmischen, wirft Fragen auf. Denn noch vor wenigen Monaten hatte sich der amerikanische Vizepräsident ganz anders verhalten.
Anfang April reiste Vance nach Budapest, um den damaligen ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán wenige Tage vor der Parlamentswahl persönlich zu unterstützen. Bei einem gemeinsamen Wahlkampfauftritt telefonierte Vance sogar auf der Bühne mit Trump, der Orbán ebenfalls ausdrücklich lobte.
Zugleich kritisierte Vance die Europäische Union scharf. Er warf Brüssel vor, sich in die ungarische Wahl einzumischen und Orbáns Regierung wirtschaftlich schaden zu wollen.
Orbán verlor die Wahl wenige Tage später gegen die Tisza-Partei von Péter Magyar.
Auch in Deutschland hatte sich Vance bereits politisch eingemischt. Während der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar 2025 traf er sich kurz vor der Bundestagswahl mit AfD-Chefin Alice Weidel. Zuvor hatte er europäischen Regierungen Einschränkungen der Meinungsfreiheit und die Ausgrenzung rechter Parteien vorgeworfen.
Warum Vance nun ausgerechnet bei der israelischen Wahl politische Zurückhaltung für geboten hält, erklärte er in dem Interview nicht näher.
Iran-Krieg: Vance kritisierte bereits Mitglieder der israelischen Regierung
Die unterschiedliche Haltung zur Wiederwahl Netanjahus ist nicht der erste Hinweis auf abweichende Positionen innerhalb der amerikanischen Regierung.
Vance hat in den vergangenen Monaten wiederholt betont, dass sich die amerikanische Außenpolitik vor allem an den Interessen der Vereinigten Staaten orientieren müsse. Im Zusammenhang mit dem Krieg gegen den Iran kritisierte er mehrfach Vertreter der israelischen Regierung.
Im Juni griff er israelische Kabinettsmitglieder an, die Trumps Bemühungen um eine Verhandlungslösung mit Teheran kritisiert hatten.
Im Juli erhob Vance in einem Gespräch mit dem Podcaster Joe Rogan einen weitergehenden Vorwurf: Einzelne Personen innerhalb des israelischen Regierungssystems versuchten nach seiner Darstellung, die amerikanische Öffentlichkeit zu beeinflussen, um den Krieg gegen den Iran fortzusetzen.
Im September betonte Vance erneut, die Vereinigten Staaten dürften ihre Nahostpolitik nicht den Interessen Israels unterordnen.
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Unter jüdischen Republikanern stießen solche Äußerungen teilweise auf Kritik. Bei einem Auftritt vor der Republican Jewish Coalition in Las Vegas versuchte Vance Anfang September, Vorbehalte auszuräumen. Er bezeichnete Israel als einen der wichtigsten Verbündeten der USA, betonte aber zugleich, dass beide Staaten ihre eigenen Interessen verfolgen müssten.
Die Distanz zwischen Vances öffentlicher Position und Trumps demonstrativer Unterstützung für Netanjahu wird nun besonders sichtbar.
Am Montag traf zudem US-Verteidigungsminister Pete Hegseth während eines unangekündigten Israel-Besuchs Netanjahu auf einem Luftwaffenstützpunkt im Süden des Landes. Dort sind auch amerikanische Kampfjets und Tankflugzeuge stationiert. Nach Angaben von Reuters sprachen beide über den Iran. Zugleich wird nach Recherchen von Axios zwischen Washington und der israelischen Regierung über mögliche neue Großangriffe auf iranische Ziele beraten.
Trumps möglicher Nachfolger: Vance spricht über Präsidentschaftswahl 2028
Dass sich Vance bei der israelischen Wahl nicht hinter Trump stellt, erhält auch durch seine eigene politische Zukunft Bedeutung.
Innerhalb der republikanischen Partei und der MAGA-Bewegung gilt der Vizepräsident als einer der möglichen Nachfolger Trumps. Der Präsident darf nach der amerikanischen Verfassung 2028 nicht für eine dritte Amtszeit kandidieren.
Nach Recherchen von Reuters betrachten zahlreiche führende Republikaner Vance als möglichen politischen Erben Trumps. Als weiterer denkbarer Bewerber gilt Außenminister Marco Rubio.
Auch Axios berichtete im Juli, dass Vance unter einflussreichen Trump-Vertrauten und Unterstützern der MAGA-Bewegung erheblichen Rückhalt genießt.
In seinem Interview mit Mark Halperin wurde Vance am Montag direkt auf die Präsidentschaftswahl 2028 angesprochen. Dabei ging es auch um die Frage, ob Trump ihn bei einer möglichen Kandidatur unterstützen würde. „Ich denke, ich würde seine Unterstützung bekommen“, sagte Vance laut dem von CNN veröffentlichten Sendetranskript.
Allerdings könne es auch sinnvoll sein, die republikanischen Bewerber zunächst gegeneinander antreten zu lassen. Angesichts des großen Einflusses einer Wahlempfehlung Trumps sei es durchaus vorstellbar, dass der Präsident die innerparteiliche Entscheidung nicht vorwegnehmen wolle.
Eine eigene Kandidatur für 2028 hat Vance bislang nicht angekündigt.
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