Kommentar

„Ein echter Sozi“ bei Rheinmetall: Sigmar Gabriel verteidigt fürstlich bezahlten Rüstungsjob

Der frühere SPD-Chef erklärt auf X, warum ein Sozialdemokrat in den Aufsichtsrat des Rüstungskonzerns gehört. Seine Überzeugung lässt er sich dabei gut honorieren.

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„Genau dort gehört er hin“: Sigmar Gabriel sitzt im Aufsichtsrat von Rheinmetall. In einem neuen Video erklärt er, warum das zu einem Sozialdemokraten passt.

„Genau dort gehört er hin“: Sigmar Gabriel sitzt im Aufsichtsrat von Rheinmetall. In einem neuen Video erklärt er, warum das zu einem Sozialdemokraten passt.

© Holger Much/IMAGO

Panzer, Munition und Sozialdemokratie passen für Sigmar Gabriel problemlos in einen Lebenslauf. Warum das so ist, erklärt der frühere SPD-Chef jetzt in einem Video auf X.

„‚Ein echter Sozi im Aufsichtsrat von Rheinmetall – wie passt das denn zusammen?‘ So oder ähnlich werde ich häufig gefragt“, beginnt der Ex-Außenminister sein Video. Die Frage sei „ja auch berechtigt“, deshalb wolle er sie beantworten.

Ein echter Sozi gehört in den Aufsichtsrat

Die Antwort steht schon im Begleittext. „Ein #EchterSozi in Aufsichtsräten großer Konzerne? Genau dort gehört er hin“, schreibt Gabriel. Sein Mandat beim Düsseldorfer Rüstungskonzern sei „kein Widerspruch zu meiner Haltung, sondern Ausdruck davon“.

Die SPD sei „nie eine Partei gegen Unternehmen“ gewesen, sagt Gabriel, sondern eine „für faire Arbeit und gute Arbeit und für Mitbestimmung“. Wer über Arbeitsplätze mitentscheiden wolle, müsse „mittendrin sein in der Wirtschaft und nicht am Rand stehen“.

Das klingt nach Betriebsrat und IG Metall. Gabriel sitzt bei Rheinmetall allerdings auf der Bank der Anteilseigner. Mitbestimmung aus Sicht der Aktionäre ist auch eine Form von Mitbestimmung, nur eben eine andere.

Willy Brandt muss mal wieder herhalten

Dann wird es historisch. Wer unabhängig sein wolle „von den Launen Donald Trumps“, brauche eine eigene Verteidigungsindustrie. Die SPD war laut Gabriel „nie eine pazifistische Partei“, er selbst übrigens auch nicht. Schließlich diente er „aus Überzeugung“ als Zeitsoldat bei der Bundeswehr.

Unter dem „Entspannungspolitiker und Friedensnobelpreisträger Willy Brandt“ lag der Verteidigungshaushalt nach Gabriels Worten „fast doppelt so hoch wie heute“. „Über vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts damals.“ Brandt kam allerdings nach seiner Amtszeit ohne Aufsichtsratsposten bei einer Waffenschmiede aus.

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Gabriels Überzeugung hat ein Preisschild

„Ja, ich werde dafür bezahlt, das ist kein Geheimnis“, sagt Gabriel. Die Höhe der Bezahlung könne man „überall nachlesen“. Wir haben das getan.

Die Deutsche Bank zahlte ihm für 2025 die feste Grundvergütung von 300.000 Euro. Von Siemens Energy erhielt er für das im September 2025 beendete Geschäftsjahr 181.333 Euro, von Rheinmetall laut Vergütungsbericht für gut sieben Monate seit Mai 82.603 Euro.

Zusammen sind das knapp 564.000 Euro für 2025. Was Heristo zahlt, ein Familienunternehmen aus Bad Rothenfelde, das unter anderem Katzenfutter herstellt, bleibt offen. Die Firma ist nicht börsennotiert und muss die Bezüge nicht veröffentlichen. „Überall nachlesen“ endet also in der niedersächsischen Provinz.

Stahlharte Prinzipien bei Thyssenkrupp

„Meine Grenzen sind dabei klar“, sagt Gabriel. Er arbeite nicht für ausländische Regierungen, und wenn er in einem Gremium nicht mehr verantwortlich arbeiten könne, höre er auf. „So geschehen bei Thyssenkrupp Steel.“

Von April 2022 bis Ende August 2024 führte Gabriel den Aufsichtsrat der Stahltochter, ehe er sich im Streit mit Konzernchef Miguel López von dem Posten trennte.

Was ihm das Mandat einbrachte, steht allerdings nirgends. Die Thyssenkrupp Steel Europe AG ist eine Konzerntochter und nicht selbst an der Börse notiert, die Vergütung für Gabriel ist nicht veröffentlicht.

Seitenhieb Richtung Schröder?

Und die ausländischen Regierungen? Einen Namen nennt Gabriel nicht. Muss er auch nicht.

Der Satz dürfte auf Altkanzler Gerhard Schröder zielen, der bis 2022 den Aufsichtsrat des russischen Staatskonzerns Rosneft führte. Seit Ende September sitzt er zudem im Aufsichtsrat von Hyperglobus, dem abgespaltenen Russlandgeschäft der Handelskette Globus.

Gabriel, seit 2019 auch noch Vorsitzender der Atlantik-Brücke, des Vereins für die deutsch-amerikanische Freundschaft, versucht hier im Vergleich zum Altkanzler offensichtlich, sein Rüstungsmandat mit einem zweifelhaften moralischen Vorsprung gut zu verkaufen.

Mittendrin, wo es sich lohnt

„Man muss nicht alles gut finden“, sagt Gabriel zum Schluss. Über Aufrüstung, Rheinmetall und Jugendoffiziere an Schulen kann man tatsächlich streiten, und Gabriel vertritt dazu eine klare Position.

Jugendoffiziere müssten „Zugang zu Schulen haben“, fordert er, „damit junge Menschen verstehen, warum der Frieden verteidigt werden muss“. Eine folgerichtige Forderung, die auch den Kollegen in Düsseldorf beim Rüstungskonzern gefallen dürfte.

Bemerkenswert ist etwas anderes. Ein Sozialdemokrat gehöre „nicht an den Rand der Wirtschaft, sondern mitten rein“, findet Gabriel. Mittendrin heißt dabei offenbar dort, wo die sozialdemokratische Überzeugung mit mehr als einer halben Million Euro im Jahr vergoldet wird.

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