Ein 1:6 als Warnsignal, ein 6:1 als Mutmacher: Beim 1. FC Magdeburg hat sich die Stimmung im eigenen Stadion innerhalb weniger Wochen komplett gedreht. Nach dem verpatzten Saisonauftakt am 8. August gegen Eintracht Braunschweig gewann die Mannschaft von Trainer Petrik Sander am neunten Spieltag der 2. Bundesliga mit 6:1 gegen den Karlsruher SC.
Dazwischen hatte sie schon Holstein Kiel (2:0), den 1. FC Kaiserslautern und Hannover 96 (beide 3:0) bezwungen. Selbst die zweiwöchige Länderspielpause brachte den FCM nicht aus dem Rhythmus. Nun wartet am Mittwoch (20.45 Uhr) mit dem DFB-Pokalspiel beim FC Bayern die nächste große Herausforderung. „Bisher ist kein Wort über Bayern gesprochen worden. Ab heute können wir das tun“, sagte Sander nach dem Sieg gegen Karlsruhe.
1. FC Magdeburg holt nur 17 Punkte aus 17 Heimspielen
Doch bevor der Blick endgültig nach München geht, lohnt sich einer zurück auf die vergangenen Monate. Denn die Heimstärke, mit der sich Magdeburg nun für den Pokalabend gerüstet sieht, ist alles andere als selbstverständlich. Noch in der vergangenen Saison holte der FCM in 17 Heimspielen gerade einmal 17 Punkte – gemeinsam mit Preußen Münster war das der schlechteste Wert der Zweiten Liga. Selbst Fortuna Düsseldorf, das am Saisonende als Vorletzter abstieg, kam auf 24 Zähler.
Und dann schien der Auftakt in die neue Spielzeit diese Negativbilanz gar zu bestätigen. Beim 1:6 gegen Eintracht Braunschweig brach Magdeburg regelrecht auseinander. Sander musste sich anschließend bei den Zuschauern entschuldigen: „Das ist nicht der 1. FC Magdeburg, wie er sich präsentieren wollte.“ Die Mannschaft habe von Beginn an verunsichert gewirkt. Eine Erklärung dafür hatte der damals Trainer nicht, aber eine Vermutung: Einzelne Spieler hätten im Kopf womöglich eine andere Erwartungshaltung gehabt und seien dann „so bitterbös gelandet“.
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Sander setzte nach dem Debakel nicht allein auf deutliche Kritik. Es gelte, einen Mittelweg zu finden, sagte er, „deutliche, aber sachliche Kritik – und zugleich den einen oder anderen darin bestärken, was er zu leisten imstande ist“. Schließlich habe die Mannschaft ihre Fähigkeiten in der Vorbereitung gezeigt. „Das kann nicht auf einmal weg sein.“
Die Reaktion folgte auf dem Platz. Magdeburg hat die vier nächsten Heimspiele, drei davon ohne Gegentor, gewonnen. Gegen den Karlsruher SC setzte der FCM nun am Samstagnachmittag mit dem 6:1 schließlich ein Ausrufezeichen. Es war zwar der erste Heimauftritt seit dem Braunschweig-Spiel, in dem die Mannschaft wieder einen Gegentreffer hinnehmen musste – und zugleich der höchste Zweitliga-Sieg der Vereinsgeschichte.
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Für Sander liegt ein wesentlicher Faktor in der Verbindung zwischen Mannschaft und Publikum. „Diese Mannschaft kann mit den Fans im Rücken eine Wucht entfalten“, erklärte der Trainer. Allerdings könne die Unterstützung auch zum Bumerang werden, wenn sich daraus zusätzlicher Druck entwickle. Genau das sei gegen Braunschweig passiert. Damals habe das Positionsspiel nicht den Vorstellungen entsprochen. Wenn die Mannschaft ihre Abläufe dagegen auf den Platz bringe, sei sie „mit so einer brutalen Qualität ausgestattet“, um Tore zu erzielen.
Der Sieg gegen Karlsruhe hat den FCM vor dem Pokalspiel in eine andere Ausgangslage gebracht. Aus der verunsicherten Mannschaft vom Saisonauftakt ist zu Hause ein Team geworden, das seine Spiele zunehmend kontrolliert und seine Chancen nutzt. In der 2. Bundesliga ist Magdeburg inzwischen das heimstärkste Team. Sander wollte nach dem 6:1 allerdings keine große Serie ausrufen. „Vor dem Spiel haben wir von irgendwelchen Serien gesprochen – auch das ist erledigt“, sagte er. Entscheidend sei, dass sich die Mannschaft für ihren Aufwand belohne.
Mit 10.000 Fans zum FC Bayern München
In der Fremde läuft es für Magdeburg bislang weniger rund. Aus vier Auswärtsspielen in der 2. Bundesliga holte der FCM nur einen Sieg und ein Unentschieden, zweimal blieb er ohne Punkte. Im DFB-Pokal am Mittwochabend soll nun die Unterstützung von den Rängen helfen, diesen kleinen Makel in den Hintergrund zu rücken.
Rund 10.000 Magdeburger Fans werden ihre Mannschaft nach München begleiten. Sie wollen dem Team beim FC Bayern das Gefühl geben, nicht ganz auswärts zu spielen. Denn zuletzt hat sich gezeigt, welche Wucht der FCM im eigenen Stadion entfalten kann, wenn Mannschaft und Publikum gemeinsam auftreten.
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