Nyke Slawik und Tessa Ganserer

Erstmals gehören dem Bundestag zwei offen transidente Abgeordnete an

Tessa Ganserer wechselt vom bayerischen Landtag nach Berlin, Grünen-Newcomerin Nyke Slawik rang in ihrem Wahlkreis mit dem SPD-Gesundheitsexperten Lauterbach.

Joane Studnik
Joane Studnik
2 Min
Tessa Ganserer (l.) und Nyke Slawik werden dem neuen Bundestag angehören.

Tessa Ganserer (l.) und Nyke Slawik werden dem neuen Bundestag angehören.

© imago (Montage)

Tessa Ganserer gewann Kopf-an-Kopf-Rennen mit SPD-Kandidatin

Auch die zweite transidente Bundestagsabgeordnete hat ein grünes Parteibuch: Tessa Ganserer aus Nürnberg. Auch sie zieht über eine grüne Landesliste ein. Im Wahlkreis Nürnberg-Nord hatte es zwischenzeitlich so ausgesehen, als könnte die 44-Jährige sogar den Platzhirsch CSU in Bedrängnis bringen. Dazu ist es nicht gekommen, das Mandat hat der christsoziale Sebastian Brehm mit 28,5 Prozent der Stimmen gewonnen. Ganserer hat aber das Kopf-an-Kopf-Rennen mit ihrer SPD-Konkurrentin Gabriela Heinrich mit 22,6 Prozent Erststimmen für sich entschieden, Heinrich kam auf 21,9 Prozent.

Im November 2018 hatte sich Tessa Ganserer als Landtagsabgeordnete als transsexuell geoutet und für ihren Mut viel Anerkennung über die Queer-Community hinaus erfahren. Ganserer sagte dem BR, sie habe ein „super Ergebnis“ eingefahren, das sei ein Zeichen für eine offene und tolerante Gesellschaft. 

SPD-Kanzlerkandidat Scholz will Selbstbestimmungsgesetz unterstützen

Im Bundestag gab es bisher nur einen transidenten Abgeordneten, der sich aber erst nach seiner Amtszeit outete: Christian Schenk, der bis 2002 für die PDS im Parlament saß, allerdings während seiner Zugehörigkeit zum Bundestag als Frau angesprochen wurde.

Die Grünen waren 2021 mit einem Gesetzesvorstoß zu einer Abschaffung des sogenannten Transsexuellengesetzes gescheitert, nicht zuletzt, weil die SPD-Fraktion ihre Zustimmung verweigerte. SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz hat allerdings in einer Wahlkampf-Veranstaltung angekündigt, ein Selbstbestimmungsgesetz zu unterstützen, das transidenten Personen demütigende Gutachten ersparen würde. Tessa Ganserer lehnt eine derartige Begutachtung auch für sich selbst ab. Auf dem Wahlzettel stand sie deshalb unter seinem längst abgelegten männlichen Vornamen Markus. Der weibliche Vorname Tessa war allerdings in Klammern beigefügt.

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