BRANDENBURG/HAVEL. "PDS, das ist Populismus per Plakat - weg damit." Auch in der SPD-Jugend, eigentlich Vorreiter für ein rot-rotes Bündnis in Brandenburg, wächst die Wut. Vor dem Kultur- und Kongresszentrum in Brandenburg/Havel halten die Jusos den von der PDS mobilisierten rund 450 Demonstranten gegen Hartz IV am Sonnabend ihre neuen Plakate entgegen, als sich Bundeskanzler Gerhard Schröder begleitet von schrillen Pfeiff-Konzerten den Weg zum Landesparteitag der SPD bahnt.Noch nie zuvor hat ein Parteitag der Brandenburger Sozialdemokraten unter solchem äußeren Druck stattgefunden. Am Eingang werden die Besucher überprüft, Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma kontrollieren die Taschen. "Das ist schon bitter", sagt Alwin Ziel, seit 1990 zunächst Innen-, bis 2002 Sozialminister in Brandenburg. "In den ersten fünf Jahren haben wir überhaupt keinen Urlaub gemacht", erinnert sich Ziel. Dass Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement in die Ferien fuhr, ohne dass die Verordnungen zu Hartz IV fertig gestellt waren, kann Ziel nicht verstehen. In den letzten Wochen eskalierte auch in der märkischen SPD der Ärger über Pannen und Ungeschicklichkeiten der rot-grünen Bundesregierung bei der Umsetzung der Arbeitsmarktreform. Auf Zustimmungswerte von 28 Prozent ist die Partei jetzt abgestürzt. Erstmals liegt sie knapp hinter der PDS, mit 26 Prozent dicht gefolgt von der Union. Bei den Landtagswahlen 1999 wurde die SPD mit 39 Prozent noch mit Abstand stärkste Partei.Doch nach einigen Nachbesserungen an Hartz IV und unter dem wachsenden Druck von außen schließen sich nun die Reihen. Betont herzlich wird der Kanzler empfangen. Eigentlich sollte die Familienpolitik das beherrschende Thema des Parteitages sein. Nun ist es Hartz IV. Es gibt kein Entrinnen. Fast trotzig bekennen sich die 150 Delegierten zu dem eingeschlagenen Reformkurs und applaudieren besonders laut, als der Kanzler "dieses merkwürdige Bündnis aus PDS und CDU" attackiert. Ministerpräsident Matthias Platzeck schlägt leisere Töne an. Auch er nennt es "gewissenlos und erbärmlich", Angst zu schüren, ohne Alternativen zu benennen. Die PDS sei die Partei, die stets verneint, aber keine Antwort auf Zukunftsfragen habe. Der CDU wirft er vor, "verstaubte Vorstellungen aus Westdeutschland der 70er-Jahre" zu vertreten, die nichts mit den Gegebenheiten im Lande zu tun hätten. "Politik darf nicht Schablonen überstülpen und einer Ellenbogengesellschaft den Weg bereiten, wie die CDU es will."Besonders eindringlich wird Platzeck aber, wenn er den Kanzler anspricht und um Verständnis für die Stimmung im Osten wirbt: "Lieber Gerd", sagt der 50-jährige SPD-Chef, "es geht wieder in fast dramatischer Weise darum, ob das Zusammenwachsen Deutschlands gelingt." Oder: "Ich weiß, Hartz IV ist gut gemeint. Aber so wird es eben nicht wahrgenommen." Bei den Protesten gehe es um mehr: "Es geht um die Würde." Erläuterung, Einfühlung und Zuwendung seien nötig. "Viele haben das Gefühl, dass sie in dieser Republik nicht vorkommen. Hier in Ostdeutschland droht etwas ins Rutschen zu geraten."Schröder hört Platzeck konzentriert zu. Er applaudiert. In seiner Rede hat er Platzecks fairen und nachhaltigen Umgangsstil gelobt. "Wir haben uns bewegt, auch auf deinen Rat hin." Die ungebrochene Popularität des Ministerpräsidenten ist auch die einzige Hoffnung der Brandenburger SPD. Mit einem Spitzenwert von 95,3 Prozent bestätigen die Delegierten Platzeck in seinem Amt als Parteichef und ziehen wieder in einen Wahlkampf, in dem die Landespolitik kaum eine Rolle spielt. Auf den Broschüren wird nicht dafür geworben, mit der Zweitstimme SPD zu wählen. Dort heißt es: "Zweitstimme ist Platzeck-Stimme."------------------------------Foto: Matthias Platzeck, SPD------------------------------Foto: Erfolgreich sein und lächeln - mit dem Konterfei ihrer Spitzenkandidatin Dagmar Enkelmann geht die PDS in die letzte Runde des Wahlkampfs.
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