Dies ist ein Open-Source-Beitrag. Der Berliner Verlag gibt allen Interessierten die Möglichkeit, Texte mit inhaltlicher Relevanz und professionellen Qualitätsstandards anzubieten.
In Vorbereitung meines Unterrichts mache ich mir häufig Gedanken darüber, wie ich die Schülerinnen und Schüler noch mehr und noch besser zum Lernen motivieren und ihren Schulalltag abwechslungsreicher gestalten kann. Dies gelingt am besten, wenn man sich auch außerschulische Bildungseinrichtungen und Lernorte näher besieht. Die Zeit der Ferien scheint dafür ideal zu sein. Der Standort Berlin ebenso. Es dürfte wohl kaum ein Problem darstellen, hier einen passenden Lernort zu finden.
Das Pergamonmuseum, das ist mir bewusst, ist hierfür bis auf weiteres keine Option. Es ist seit dem 23. Oktober 2023 geschlossen. Der Pergamonaltar im Nordflügel soll angeblich „schon“ im Jahre 2027 im alten, neuen Glanze zu betrachten sein, das Museum als Ganzes wiederum erst im Jahre 2037 seine Pforten für die Allgemeinheit öffnen.
Das Ischtar-Tor im Pergamonmuseum verschwindet für mehrere Jahre aus der Öffentlichkeit.
© Rolf Fischer/imago
Ein Hinweis ist nirgendwo zu finden
Wie viele meiner Schülergenerationen sind es, die diese Sammlung in Gänze nie besichtigen werden? Vier Jahre bleiben sie in der Regel an unserer Schule, von der siebten bis zur zehnten Klasse. Dreieinhalb Durchgänge an Schülerinnen und Schülern wird es betreffen. Sie werden dieses Museum im Rahmen ihrer schulischen Bildung nicht besichtigen können und womöglich wird es auch später nicht in ihrem Fokus stehen.
Ostsee: Ballermann auf Fischland-Darß? Die Angst vor Übertourismus
Diplomat gegen General: „Wenn Argument schwach, schreien!“
Vielleicht das Märkische Museum, für die Fächer Geschichte, Ethik, Bildende Kunst, aber auch andere? Aus dem Internet ist zu erfahren, dass es seit dem 1. Januar 2023 geschlossen ist. Eine geplante Neueröffnung sei für das Jahr 2026 anberaumt, vielleicht aber auch erst 2028. Auf der Website wird versprochen: „Im Märkischen Museum wird dann die Geschichte vielstimmig erzählt …“ Das Märkische Museum ist also ebenso passé für meinen Unterricht.
Dann eben wieder ins DHM – das Deutsche Historische Museum. Gern nutzte ich dort die verschiedenen Angebote, die wirklich guten Workshops, die allen Schülerinnen und Schülern bisher Spaß gemacht haben. Wenigstens das DHM wird ja wohl aufhaben. So ist es auch. Das Museum an sich ist auf, der Pei-Bau. Doch das Zeughaus, in dem sich die eigentliche Ausstellung zur deutschen Geschichte befindet, ist geschlossen. Auf der Website liest man, dass das Zeughaus und die Überblicksausstellung zur deutschen Geschichte wegen Baumaßnahmen geschlossen seien.
Auch das Zeughaus des Deutschen Historischen Museums bleibt vorerst geschlossen.
© Shotshop/imago
Dort erfährt man ausführlich die Gründe für die Sanierung. Eine Aussage zur voraussichtlichen Fertigstellung der Baumaßnahme kann das mit der Sanierung beauftragte Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) aber erst voraussichtlich im Herbst 2026 treffen.
Bis dahin heißt es: „Wir werden in den kommenden Jahren eine neue ständige Ausstellung erarbeiten … Ein eigener Bereich soll Fragen von Kindern und Jugendlichen an die Vergangenheit aufgreifen“, heißt es. Was jedoch ist mit den Fragen der Kinder und Jugendlichen von heute? Wer greift ihre Fragen an die Vergangenheit auf?
Es ist unerlässlich, Dinge wahrhaftig erleben zu lassen
Gut, es gäbe die Möglichkeit von Online-Workshops, die über das Museum angeboten werden. Sehr löblich, allerdings online, nicht vor Ort. Und das in einer Zeit, in der es heißt: Weg vom Bildschirm! Anders als während der Pandemie.
Wie froh waren da Eltern, Lehrer und die Politik, als die Kinder vor den Bildschirmen geparkt wurden und ihre Beschäftigung hatten. Nun haben wir das Dilemma: Der Schrei nach Handyverboten ist groß. „Plötzlich“ wird die Schädlichkeit von ausufernder Handynutzung erkannt und die Kinder verstehen die Welt nicht mehr. Was ist nur los mit den Erwachsenen, hü oder hott? Erst das Theater um die Tablets und nun wieder der Blick ins Buch.
Gerade aber vor Ort, im Museum, wäre ein Besuch dringend vonnöten. Besonders für unsere Schülerklientel wäre es wichtig, Dinge tatsächlich „in echt“ betrachten und begutachten zu können, sie direkt anzusehen und nicht über einen Bildschirm. In Zeiten von TikTok, Instagram und Co., in Zeiten, in denen ein Bildschirm nahezu den Großteil des Lebens unserer Kinder zu bestimmen scheint, ist es unerlässlich, sie Dinge wahrhaftig erleben zu lassen. Jahrhundertealte Trinkgefäße, Kleidung oder Werkzeuge, Bücher und Schriften zum „Anfassen“ sind eben nicht mit TikTok-Bildern vergleichbar.
Das Museum Barberini macht es vor
Eine weitere Möglichkeit, auf die Fragen der Jugendlichen einzugehen, wäre natürlich durch uns, das Lehrpersonal, wieder mal. Aber wie? Indem wir in unserer Freizeit andere, derzeit zugängliche Lernorte für sie finden: zum Beispiel das Humboldt-Forum in Berlin – kostenfrei und montags geöffnet. Doch auch hier wird es ab dem 3. Oktober keinen freien Eintritt mehr für jeden geben, einige Ausstellungen werden dann kostenpflichtig. Kinder und Jugendliche bis zum Alter von 19 Jahren können allerdings weiterhin alle Ausstellungen kostenfrei besuchen. Na also, geht doch.
Ausstellung im Museum Barberini, das kostenfrei für Kinder und Jugendliche ist.
© Jürgen Ritter/imago
Ebenso das Museum Barberini in Potsdam: kostenfrei für Kinder und Jugendliche und montags geöffnet. So, wie es sich für moderne Museen gehört. So, wie es in anderen Ländern üblich ist. Zum Beispiel im Vereinigten Königreich: Alle staatlichen Museen sind dort ganzjährig geöffnet, feste Schließzeiten in der Woche gibt es nicht. Sie sind kostenfrei, für alle und für jeden.
Nicht so in Deutschland: Museen sind hier kostenpflichtig und montags generell geschlossen. Schulklassen bleibt an diesem gängigen Unterrichtstag ein Museumsbesuch verwehrt. Bildung für alle in unseren Museen? Gibt es nicht. Warum nicht? Zu teuer, lautet dann oftmals die Antwort. Der freie Museumssonntag? Vom Berliner Senat kürzlich zum Januar hin abgeschafft. Wollen wir Bildung für alle, müssen wir entweder dafür sparen, auf etwas anderes verzichten oder ein Sondervermögen für Bildung einrichten. Whatever it takes!
Ada M. Hipp, Jahrgang 1968, lebt mit ihrer Familie in Berlin. Seit 1992 ist sie im Berliner Schuldienst tätig.
Transparenzhinweis: Die Autorin verwendet ein Pseudonym, der wahre Name ist der Redaktion bekannt.
Das ist ein Beitrag, der im Rahmen unserer Open-Source-Initiative eingereicht wurde. Mit Open Source gibt der Berliner Verlag allen Interessierten die Möglichkeit, Texte mit inhaltlicher Relevanz und professionellen Qualitätsstandards anzubieten. Ausgewählte Beiträge werden veröffentlicht und honoriert.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]