Nach mehr als 25 Jahren Planungs- und Bauzeit hat die Stadt Leipzig am 14. September 2026 den letzten Teilabschnitt des Elstermühlgrabens für die Öffentlichkeit freigegeben. Damit ist die historische Lücke des einst unterirdisch verlaufenden Gewässers zwischen Lessingstraße und Elsterstraße geschlossen. Bereits am 10. August 2026 war der rund 180 Meter lange Gewässerabschnitt geflutet worden, wie die Stadtverwaltung mitteilt.
Auf der Südseite des Grabens entstand ein knapp vier Meter breiter Geh- und Radweg, der eine durchgängige Verbindung zwischen dem Leipziger Stadthafen und dem Ranstädter Steinweg herstellt. Die Kosten des Schlussabschnitts (Teilbauabschnitt 3.2) beziffert die Stadt auf mehr als sechs Millionen Euro.
Zur Eröffnung wurden neben dem Wasserlauf auch die begleitenden Geh- und Radwege sowie das wiedererrichtete Poniatowski-Denkmal übergeben. Es erinnert an den polnischen Nationalhelden und französischen Marschall Fürst Józef Poniatowski, der bei der Völkerschlacht am 19. Oktober 1813 in Leipzig ums Leben kam. Bei der Eröffnungsfeier am Montag wird das Denkmal erneut enthüllt. Zu den Gästen zählen auch Vertreter aus der polnischen Stadt Krakau.
Rüstungsstandort Leipzig: „Über Diplomatie wird nur in Sonntagsreden gesprochen“
Nur 2000 Kilometer bis zum Sandstrand: Was der neue Djerba-Flug ab Leipzig bietet
Der Elstermühlgraben ist ein rund 4000 Meter langer, künstlich angelegter Nebenarm der Weißen Elster, dessen Ursprünge bis ins 12. Jahrhundert zurückreichen. Ursprünglich diente er dem Antrieb von Mühlen sowie dem Hochwasserschutz. In den 1960er-Jahren wurde das Gewässer im Rahmen der DDR-Stadtplanung zwischen Schreberstraße und Ranstädter Steinweg verrohrt und überbaut.
Ein Gewässer kehrt aus dem Untergrund zurück
Seit 2005 wurde der Graben Schritt für Schritt vom Westen Leipzigs aus Richtung Innenstadt wieder ans Tageslicht geholt, um das Stadtklima zu verbessern und den Tourismus zu stärken. Der erste Bauabschnitt zwischen Thomasiusstraße und Ranstädter Steinweg wurde bis September 2007 realisiert, wobei der Wasserlauf in neuer Linienführung südlich der Straße an die Oberfläche geholt wurde. Bis August 2010 folgte der zweite Abschnitt von der Schreberbrücke bis zur Friedrich-Ebert-Straße, der die Grundlage für die spätere Eröffnung des Leipziger Stadthafens bildete.
Der dritte und technisch aufwendigste Abschnitt in der Westvorstadt wurde in mehrere Teilphasen gegliedert. Im Mai 2015 wurde das Teilstück entlang der Carl-Maria-von-Weber-Straße freigegeben, im Juni 2019 folgte der Abschnitt zwischen Thomasiusstraße und Lessingstraße. Nach dem Neubau der Elsterbrücke und der historisch nachempfundenen Poniatowskibrücke im Jahr 2023 konzentrierten sich die Arbeiten ab Anfang 2025 auf das letzte verbleibende Teilstück.
Aus verkehrsorganisatorischen Gründen musste dieses in mehreren Etappen bearbeitet werden: Zunächst wurde die Elsterbrücke im Zuge der Elsterstraße errichtet, anschließend die Poniatowskibrücke im Zuge der Lessingstraße, bevor der Wasserbau zwischen beiden Brücken folgte. Insgesamt entstanden im Rahmen der Revitalisierung sieben neue Brücken.
Parallel zu den Wasserbauarbeiten wurde das Angerwehr am Ranstädter Steinweg ertüchtigt und erhielt einen Fisch-Kanu-Pass sowie eine Bootsumtrageeinrichtung. Auch das Schreberwehr wurde um eine Steganlage ergänzt. Zur Erfüllung der Anforderungen der europäischen Wasserrahmenrichtlinie wurde zudem Begleitgrün in den Wasserlauf integriert.
Covenant in Leipzig: US-Rüstungsfirma baut Marschflugkörper-Werk in Sachsen
Wahrzeichen der Einheit in Leipzig bedroht: Ist das Kunst oder kann das weg?
Nach Angaben der Stadt verbessert der offene Flusslauf das Mikroklima in den dicht bebauten Vierteln Waldstraßenviertel und Innere Westvorstadt. Zdem verbindet er das Gewässerknotennetz direkt mit der Leipziger Stadtbahn. Nun ist der Elstermühlgraben wieder für Ruderboote, Kanus und Paddelboote befahrbar.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]