Tierquälerei

75 Katzen auf 50 Quadratmetern – und in der Tiefkühltruhe liegen tote Kätzchen

Paris: In einer 50 Quadratmeter großen Sozialwohnung fanden Tierschützer 75 Katzen und tote Kätzchen im Gefrierschrank. Was bekannt ist.

4 Min
Eine Katze in einer Tierbox (Symbolbild). Nach einem Fall von mutmaßlicher Tiersammelsucht in Paris mussten einige der Tiere direkt in eine Tierklinik.

Eine Katze in einer Tierbox (Symbolbild). Nach einem Fall von mutmaßlicher Tiersammelsucht in Paris mussten einige der Tiere direkt in eine Tierklinik.

© Imago/Christoph Jendral

Eigentlich sollte im 15. Pariser Arrondissement nur eine Sozialwohnung geräumt werden. Dann holten Polizei und Gerichtsvollzieher den Tierschutz dazu.

In der rund 50 Quadratmeter großen Wohnung stießen Helfer auf etwa 75 Katzen. In der Tiefkühltruhe lagen tote Kätzchen.

75 Katzen in Pariser Sozialwohnung

Gerufen wurde der Tierschutzverein YouCare. Das berichtete die Zeitung Le Parisien, die Deutsche Presse-Agentur griff den Fall auf.

Die Tiere seien unter unerträglichen Bedingungen gehalten worden, sagte Vereinschef Thomas Moreau dem Blatt. Einige kamen direkt in eine Tierklinik. Auch den Fund in der Tiefkühltruhe schilderte Moreau der Zeitung.

Der französische Sender TF1 spricht von mehr als 70 geretteten Katzen.

30 Katzen warten noch in der geräumten Wohnung

YouCare konnte nicht alle Tiere auf einmal aufnehmen und bittet öffentlich um Hilfe. Rund 30 Katzen sind vorerst in der Wohnung geblieben.

Helfer kommen jeden Tag vorbei, um sie zu versorgen.

Noah-Syndrom: Was hinter der Tiersammelsucht steckt

Moreau hält den Fall für Tiersammelsucht. In Frankreich heißt das Phänomen „syndrome de Noé“, nach Noah und seiner Arche. Der biblische Noah nahm allerdings von jeder Art nur ein Paar an Bord.

Beim Animal Hoarding halten Menschen weit mehr Tiere, als sie füttern und tierärztlich versorgen können. Warum sie das tun, erforscht in Deutschland gerade ein Projekt unter Leitung des Tierschutzbundes, unter anderem in Interviews mit Betroffenen.

Wer in der Pariser Wohnung gelebt hat, ist nicht bekannt. Ob eine Erkrankung vorliegt, ebenso wenig.

Erst im Februar: Urteil nach 104 Katzen in Paris

Für YouCare ist so ein Einsatz nicht neu. Bei einer Räumung im 20. Arrondissement rechnete die Polizei mit rund 30 Tieren. Am Ende holten die Helfer 103 lebende Katzen und ein totes Tier aus einer vermüllten Wohnung.

Nach Angaben des Vereins litt die Bewohnerin am Diogenes-Syndrom. Das Diogenes-Syndrom ist eine meist bei älteren Menschen beschriebene Form extremer Selbstvernachlässigung, bei der Betroffene sich und ihre Wohnung verwahrlosen lassen, oft Müll horten und sich sozial zurückziehen. Im Februar 2026 verurteilte ein Pariser Gericht sie zu insgesamt 4530 Euro Geldstrafe und Schadenersatz sowie drei Jahren Tierhalteverbot.

Mehr sei nach geltendem Recht nicht drin gewesen, erklärte YouCare. Moreau sprach trotzdem von einem Sieg mit bitterem Beigeschmack und forderte ein lebenslanges Halteverbot. Ob das Urteil rechtskräftig ist, ist nicht bekannt.

Animal Hoarding in Deutschland: fast jeden Tag ein Fall

Auch hierzulande ist das Problem größer als lange bekannt. Der Deutsche Tierschutzbund hat mit Partnern erstmals bundesweit die Veterinärämter befragt. Ergebnis für 2023: 343 Fälle, im Schnitt 47,5 Tiere pro Fall.

Drei Viertel der Halter waren den Ämtern schon vorher bekannt, mehr als ein Viertel davon wegen früherer Hoarding-Fälle. Für 2025 dokumentierte der Verband mindestens 13.275 betroffene Tiere.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Berliner Rekordfall: 1500 Wellensittiche in Spandau

In Berlin machte 2008 ein Frührentner aus Spandau bundesweit Schlagzeilen. In seiner 62 Quadratmeter großen Wohnung zählten Tierschützer rund 1500 Wellensittiche. Erst dieser Fall habe den Begriff Animal Hoarding in Deutschland bekannt gemacht, schrieb später das MieterMagazin des Berliner Mietervereins.

Ein Großfall wie in Paris träfe in Berlin auf ein volles Tierheim. Allein in der ersten Sommerferienwoche 2026 nahm das Tierheim Berlin 46 Fundkatzen auf, der Fundkatzenbereich hat Platz für rund 20. Über die Platznot in den Berliner Tierheimen hat die Berliner Zeitung bereits berichtet.

Verdacht auf Animal Hoarding melden

Zuständig ist das Veterinäramt, in Berlin das Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsamt des jeweiligen Bezirks.

Wer dort einen Hinweis gibt, schwärzt niemanden an, sondern holt Hilfe – für die Tiere und oft auch für den Menschen dahinter.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner