Berlin will noch in den kommenden Tagen einen Nachfolger für das 9-Euro-Ticket präsentieren. „Wir werden in dieser Woche eine Entscheidung fällen“, sagte Verkehrssenatorin Bettina Jarasch (Grüne). Dabei scheint es jedoch noch Redebedarf zwischen dem Berliner Senat und der Landesregierung von Brandenburg zu geben. Beide Länder sind im gemeinsamen Verkehrsverbund VBB miteinander verbunden.
„Wir sind jetzt noch mitten in den Gesprächen über ein preiswertes regionales Ticket als Überbrückungsmaßnahme bis zu einer bundesweiten Lösung“, sagte Jarasch. Die Bundesregierung hatte sich zuletzt für ein deutschlandweites Angebot ausgesprochen. Allerdings meldeten mehrere Bundesländer Bedenken wegen der Finanzierung an, die der Bund nur zur Hälfte übernehmen würde. Auch aus Brandenburg gab es Kritik. Bei einer Ministerpräsidentenkonferenz soll über die Sache beraten werden.
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Bis dahin dürfte in Berlin eine Entscheidung gefallen sein. Am Donnerstag trifft sich der VBB-Aufsichtsrat, er muss dem Vorschlag zustimmen. „Ich würde mir wünschen, dass Brandenburg noch mit einsteigt, aber ich rechne derzeit eher mit einer Berliner Lösung für die Tarifbereiche AB“, sagte Jarasch. Somit wird der Tarifbereich C, also das Berliner Umland, wahrscheinlich von dem Angebot ausgenommen sein. Was den Ticketpreis betrifft, wollte sich die Senatsverwaltung für Verkehr auf Nachfrage der Berliner Zeitung nicht äußern.
Wahrscheinlich ist ein 29-Euro-Ticket für das Stadtgebiet – so jedenfalls plante es die rot-grün-rote Koalition bislang. Laut Tagesspiegel soll dieses Angebot nur für Abonnenten des Tarifbereichs AB gelten. Wer kein Abo abschließe, müsse dann weiterhin das Umweltticket buchen.
Brandenburg kritisiert Berliner Pläne für günstiges Ticket
Am vergangenen Wochenende hatte der brandenburgische Verkehrsminister Guido Beermann (CDU) den Berliner Vorstoß für eine Nachfolge des 9-Euro-Tickets kritisiert. „Für zwei Länder, die so eng miteinander verbunden sind wie Berlin und Brandenburg, sollten solche Vorschläge wie der aus Berlin nicht über die Medien kundgetan werden“, sagte Beermann der Deutschen Presse-Agentur. „Die Frage ist: Ist es klug, einen Sonderweg zu gehen, wenn man in Berlin-Brandenburg einen gemeinsamen Verkehrsverbund hat?“
Zuvor hatte Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) ein zeitlich begrenztes regionales Nachfolgeangebot für das 9-Euro-Ticket in Aussicht gestellt. Die SPD-Landeschefin plant eine Überbrückungslösung von Oktober bis Dezember 2022 für die Hauptstadt, bis ein bundesweites Ticket kommt. Die Ampelkoalition im Bund strebt eine Nachfolge des 9-Euro-Tickets für 49 bis 69 Euro pro Monat an.
Brandenburgs Verkehrsminister Beermann sieht auch bei der Finanzierung eine große Hürde. „Von Brandenburger Seite besteht dort kein Bedürfnis“, sagte Beermann. „Wir bewegen uns in einem Spannungsfeld: eine große Stadt, die weltweit für ihren ÖPNV beneidet wird, und das fünftgrößte Flächenland in Deutschland, das stark durch den ländlichen Raum geprägt ist – das stellt eine große Herausforderung im Tarifgefüge dar.“ Der CDU-Politiker dringt darauf, angesichts drastisch steigender Energiepreise zunächst das Angebot der Verkehrsunternehmen zu sichern.
Jarasch: Manchmal braucht man unterschiedliche Lösungen
Berlins Verkehrssenatorin Jarasch zeigte Verständnis für die Bedenken im Nachbarland. „Es gibt innerhalb des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg höchst unterschiedliche Realitäten und Bedarfe – und wir wollen und werden die konstruktive Zusammenarbeit im VBB nicht gefährden“, sagte die Grünen-Politikerin. Allerdings machte die Senatorin auch klar: „Manchmal braucht man in besonderen Situationen dann auch unterschiedliche Lösungen.“
Sollte der Berliner Senat weiterhin mit einem vergünstigten Angebot ab Oktober planen, bleibt tatsächlich nicht mehr viel Zeit für eine Entscheidung. Die Senatsverwaltung für Verkehr betonte gegenüber der Berliner Zeitung, dass die technischen Vorbereitungen für ein solches Ticket zwei Wochen Vorlauf bräuchten. Zu klären ist unter anderem, ob Besitzer von Jahreskarten entschädigt werden.
Am Dienstag widersprach Jarasch einem Bericht des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB), wonach die Entscheidung für eine Nachfolgeregelung für das 9-Euro-Ticket bereits gefallen sei. „Also in der Senatssitzung, in der ich sitze, wurde das nicht beschlossen“, schrieb die Grünen-Politikerin auf Twitter. „Die Meldung ist falsch!“ (mit dpa)
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