Von jedem Euro, der in Deutschland steuerpflichtig vererbt oder verschenkt wird, landen 95 Cent im Westen. Das zeigen neue Zahlen des Statistischen Bundesamts für das Jahr 2025, veröffentlicht am Dienstag.
Die Wiesbadener Statistiker haben die Daten eigens zum Tag der Deutschen Einheit nach Ost und West aufgeschlüsselt. 36 Jahre nach der Wiedervereinigung ist die Lücke beim Vermögen größer als bei Löhnen oder Renten.
Erbschaften 2025: Die Zahlen für Ost und West
Die westdeutschen Finanzämter veranlagten 2025 Erbschaften und Schenkungen im Wert von 142,5 Milliarden Euro. In Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen waren es einschließlich Berlin 8,0 Milliarden Euro.
In diesen sechs Ländern lebt knapp jeder Fünfte, genau 19 Prozent der Bevölkerung. Ihr Anteil am übertragenen Vermögen: 5 Prozent.
Von 21,4 Milliarden Euro festgesetzter Erbschaft- und Schenkungsteuer fielen 20,4 Milliarden im Westen an und eine Milliarde im Osten. Bundesweit war das ein Rekord, die Steuer lag 60,8 Prozent über dem Vorjahr.
Pro Kopf 2.100 gegen 500 Euro: So ist die Zahl zu lesen
Umgerechnet auf alle Einwohner kommt der Westen auf gut 2.100 Euro pro Kopf, der Osten auf knapp 500 Euro. Der Bundesschnitt liegt bei gut 1.800 Euro.
Das ist ein rechnerischer Wert über alle Menschen, auch über die vielen, die 2025 gar nichts geerbt haben. Erfasst sind zudem nur Fälle, in denen tatsächlich Steuer festgesetzt wurde. Wer unter den Freibeträgen bleibt, taucht in der Statistik nicht auf.
Diese Freibeträge sind hoch. Kinder können von jedem Elternteil 400.000 Euro steuerfrei erben, Ehepartner 500.000 Euro, Enkel 200.000 Euro. Das Elternhaus in Zwickau oder Stendal liegt meist weit darunter.
Die Statistik zeigt deshalb vor allem, wo große Vermögen den Besitzer wechseln. Solche Erbschaften gibt es im Osten kaum.
Ein Detail verzerrt die Ost-Zahl zusätzlich: Berlin ist darin enthalten. Die fünf ostdeutschen Flächenländer weist Destatis in dieser Auswertung nicht getrennt aus. Ohne die Hauptstadt dürfte der Wert eher noch niedriger liegen.
Beispiel Sachsen: Das Erbe liegt auf dem Konto
Wie klein die Summen sind, zeigt Sachsen. Laut dem Statistischen Landesamt in Kamenz gab es im Freistaat 2024 knapp 2.400 steuerrelevante Nachlassfälle mit einem Gesamtwert von 609 Millionen Euro.
Größter Posten waren Bankguthaben mit 37 Prozent, vor Immobilien mit 27 Prozent. Bei fast zwei Dritteln der Erbfälle lag der steuerpflichtige Betrag unter 50.000 Euro.
Die sächsischen Finanzämter setzten 2024 rund 75 Millionen Euro Steuer auf Erbschaften und Schenkungen fest. Bundesweit waren es im selben Jahr gut 13 Milliarden. Sachsen stellt knapp fünf Prozent der Bevölkerung, trug aber nur rund ein halbes Prozent zur Steuer bei.
Eine Auswertung des MDR auf Basis amtlicher Landesdaten zeigte schon für 2022 das Ausmaß: In Sachsen wurden pro Kopf 84 Euro steuerpflichtig übertragen, in Thüringen 69 und in Sachsen-Anhalt 65 Euro. In Bayern waren es rund 1.300 Euro.
Warum im Osten weniger vererbt wird
Erben kann nur, wer Eltern mit Vermögen hat. In der DDR war privater Vermögensaufbau eng begrenzt, Aktien oder Firmenanteile besaßen Privatleute praktisch nicht. Wer ein Haus hatte, sah dessen Wert nach 1990 in vielen Regionen kaum steigen.
Nach der Wende folgten Massenarbeitslosigkeit, niedrigere Löhne und unterbrochene Erwerbsbiografien. Das bremste den Aufbau von Rücklagen, die heute weitergegeben werden könnten.
Erbschaftsteuer: Was die Klage in Karlsruhe für den Osten bedeutet
Am 12. Oktober verhandelt das Bundesverfassungsgericht über eine Klage Bayerns gegen das Erbschaftsteuergesetz, am 13. Oktober über die Steuervorteile für große Betriebsvermögen.
Bayern rügt unter anderem, dass die Freibeträge seit Jahren nicht an Preissteigerungen und regionale Immobilienpreise angepasst wurden. Höhere Freibeträge würden vor allem Erben in Regionen mit teuren Häusern entlasten, also in München, Hamburg oder am Starnberger See.
Für die meisten Erben in Görlitz, Gera oder Greifswald ändert sich dadurch nichts. Sie zahlen schon heute keinen Cent Erbschaftsteuer, weil ihr Erbe gar nicht an die Grenzen heranreicht.
Wadephul trifft Lawrow: Auswärtiges Amt lässt offen, ob Russland für ihn „immer ein Feind“ bleibt
Die große Ausnahme: Ein Ostdeutscher wird Präsident einer West-Universität
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]