Waldbrandgefahr

Ab Sonntag wieder 34 Grad – und der Osten hat den falschen Wald dafür

Waldbrandgefahr in Ostdeutschland: Ab Sonntag erwartet der DWD wieder bis zu 34 Grad. Warum Kiefernwälder und Munition im Boden die Löscharbeiten erschweren.

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Von der Feuerwehr mit Wasser bespritzte Bäume stehen in der Nähe des Waldbrands im Müritz-Nationalpark.

Von der Feuerwehr mit Wasser bespritzte Bäume stehen in der Nähe des Waldbrands im Müritz-Nationalpark.

© Jens Büttner/dpa

Im Müritz-Nationalpark verkohlten im Juli knapp 400 Hektar. Die Einsatzkräfte konnten dem Feuer über weite Strecken nicht direkt zu Leibe rücken, weil im Boden Munition liegt.

Sie mussten aus der Distanz arbeiten und warten, bis das Feuer die Flächen selbst hinter sich ließ.

Ab Sonntag wird es im Osten wieder heiß.

Wetter im Osten: 34 Grad am Sonntag

Der Deutsche Wetterdienst nennt für Sachsen am Sonntag Höchstwerte zwischen 32 und 34 Grad. In Dresden sollen es 32 Grad werden, gefühlt bis zu 35. Der Montag bleibt mit etwa 33 Grad auf ähnlichem Niveau.

Freitag und Samstag liegen mit 25 und 26 Grad noch darunter.

Bereits in der Nacht zum Montag rechnet der Wetterdienst in Sachsen mit einzelnen Schauern und Gewittern, die sich im Tagesverlauf wiederholen können. Der Wind dreht dabei von West auf Nord.

Solche Gewitter bringen der Waldbrandbilanz wenig. Sie treffen kleine Flächen, entladen sich in Minuten und liefern zugleich mit jedem Blitz eine mögliche Zündquelle.

Munition im Boden: ein Spezialgerät für ganz Deutschland

Der Müritz-Brand ist kein Einzelfall. Auch 2025 in Sachsen mussten Feuerwehren auf munitionsbelasteten Flächen Abstand halten.

Solche Böden sind ein Erbe militärischer Nutzung, das im Osten überdurchschnittlich verbreitet ist. Wo Granatsplitter und Blindgänger liegen, dürfen Einsatzkräfte nicht in die Fläche hinein, und dann bleiben nur Riegelstellungen am Rand, Löschflugzeuge und Zeit.

Fachleute verweisen deshalb auf Minenräumtechnik, mit der sich solche Flächen befahrbar machen ließen. Nach Darstellung des Wissenschaftsmagazins Spektrum existiert bundesweit bislang ein einziges Gerät dieser Art, stationiert in Niedersachsen.

70 Prozent Kiefer: Der Wald passt nicht mehr zum Klima

Dazu kommt, was auf diesen Böden wächst. Brandenburg gilt seit Jahren als Waldbrandschwerpunkt der Republik, und der Grund steht überall in der Landschaft: Kiefer, in weiten Teilen als gleichaltriger Reinbestand.

Rund 70 Prozent der Bäume im Land sind Kiefern. Sie wurden gepflanzt, weil sie auf armen Sandböden wachsen und schnell Holz liefern. Für Feuer ist diese Konstruktion ideal. Harzhaltige Nadeln, dichte Nadelmatten am Boden, kaum Laubholz, das die Ausbreitung bremsen würde.

Der Waldumbau hin zu Mischbeständen läuft in Brandenburg seit Jahrzehnten. Im Eberswalder Stadtwald etwa stehen zwischen den alten Kiefern inzwischen Eichen, Hainbuchen und Buchen. Nur braucht ein solcher Umbau eben Jahrzehnte, und die Hitzesommer kommen schneller.

Waldbrandstatistik: 2626 statt 844 Hektar

Wie sich das aufsummiert, zeigt die Bundesstatistik für 2025. Registriert wurden 1175 Waldbrände auf rund 2626 Hektar. Der langjährige Mittelwert von 1991 bis 2024 liegt bei etwa 844 Hektar.

Auch die Grundlage verschiebt sich. Nach DWD-Auswertungen hat sich die Zahl der Tage mit hoher Waldbrandgefahr seit den 1960er-Jahren ungefähr verdoppelt, von durchschnittlich sechs auf mehr als elf pro Jahr.

Zum Vergleich das Katastrophenjahr 2018: Damals zählte allein Brandenburg 491 Waldbrände auf gut 1660 Hektar, der überwiegende Teil davon in Nadelholzbeständen.

Fast alle Brände mit bekannter Ursache gehen laut Bundesstatistik auf Menschen zurück, die meisten davon auf Fahrlässigkeit. Eine weggeworfene Kippe, ein heißer Katalysator über trockenem Gras.

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Ernte: Roggen auf der kleinsten Fläche seit 1990

Auf den Feldern hat die Trockenheit ebenfalls Spuren hinterlassen. Die Vorernteschätzung des Bauernverbandes Sachsen-Anhalt zeigt ein geteiltes Bild: Im Norden des Landes werden teilweise stabilere Erträge erwartet, südliche und östliche Regionen haben unter Trockenheit und Hitze gelitten. Beim Weizen drohen dort Einbußen bei Ertrag und Qualität.

Für die Wintergerste zeichnet sich in Sachsen-Anhalt mit rund 74 Dezitonnen je Hektar ein knapp unterdurchschnittliches Ergebnis ab. Brandenburgs Landwirte rechnen ebenfalls mit einer unterdurchschnittlichen Getreideernte.

Bemerkenswert ist die strukturelle Verschiebung. Roggen, über Generationen die typische Kultur auf den märkischen Sandböden, steht nach Verbandsangaben auf der kleinsten Fläche seit der Wiedervereinigung. Stattdessen legen Eiweißpflanzen wie Futtererbsen und Soja zu.

Wie es weitergeht

Eine Entspannung ist vorerst nicht in Sicht. Der DWD rechnet mit trockeneren Böden als im Mittel der vergangenen zwanzig Jahre und geht davon aus, dass Phasen mit hoher Waldbrandgefahr anhalten. Belastbare Regensignale nennen Meteorologen erst für die zweite Augusthälfte.

Bis dahin bleibt es bei dem, was in Wünsdorf und Eberswalde seit Wochen Alltag ist: Kamerasensoren tasten die Bestände ab, damit ein Feuer auffällt, solange es noch klein genug ist, um es zu erreichen.

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