Theaterstück

Die unglaubliche Geschichte des jüdischen Hoteliers Kaba-Klein aus Binz auf der Bühne

Erst verfolgten ihn die Nazis, dann kam Adalbert Kaba-Klein ins DDR-Zuchthaus. Ein Theaterstück bringt das Leben des früheren Binzer Kurhausdirektors auf die Bühne.

4 Min
Das Kurhaus Binz heute. Es gehörte einmal dem ungarischen Juden Adalbert Kaba-Klein. Er wurde von den Nazis verfolgt, entkam der Deportation nach Auschwitz und landete in der DDR im Gefängnis.

Das Kurhaus Binz heute. Es gehörte einmal dem ungarischen Juden Adalbert Kaba-Klein. Er wurde von den Nazis verfolgt, entkam der Deportation nach Auschwitz und landete in der DDR im Gefängnis.

© Fallada-Land

Vor dem Kurhaus Binz erinnert ein Stolperstein an Adalbert Kaba-Klein. Doch nach Ansicht der Macher des Theaterstücks „Adalberts Kurhaus“ hätte der jüdische Hotelier eigentlich zwei verdient: einen für die Verfolgung durch die Nationalsozialisten und einen für die Willkür, die er später in der DDR erlebte.

Regie führt Jeanette Rosen, die das Stück gemeinsam mit Malte Kuhn-Mitscherlich geschrieben hat. „Ich habe ein Faible für historische Stücke“, sagt sie im Gespräch mit der OAZ. Auf Kaba-Kleins Geschichte stieß sie durch einen Beitrag des NDR. Anschließend recherchierte sie im Dokumentationszentrum Prora, das an der Produktion beteiligt ist.

Von den Nazis verfolgt und in der DDR enteignet

Adalbert Kaba-Klein wurde 1895 geboren und gehörte ab 1923 zu den vier jüdischen Eigentümern des Kurhauses Binz. Als Geschäftsführer machte er das Hotel mit Varieté, Kakadu-Bar und prominenten Gästen zu einem gesellschaftlichen Mittelpunkt der Insel Rügen. Überliefert ist auch die Anekdote, dass der unangepasste Hotelier mit einem Schwein über die Binzer Promenade spaziert sein soll.

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Mit der nationalsozialistischen Herrschaft begann seine Verfolgung. Kaba-Klein verlor das Kurhaus, trennte sich zum Schutz seiner nicht jüdischen Frau von ihr, überlebte bis 1944 in Ungarn, von wo aus er dann nach Auschwitz-Birkenau deportiert werden sollte. Bei der Verladung gelang ihm die Flucht. Nach Kriegsende kehrte er nach Binz zurück und kämpfte um seinen Anteil am Kurhaus.

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„Man muss sich das vorstellen, da wird jemand von den Nazis verfolgt, lässt sich von seiner arischen Frau scheiden, um sie zu schützen, entkommt der Deportation nach Auschwitz, bekommt sein Kurhaus in Binz nach dem Krieg wieder - wenigstens ein Viertel davon - und wird dann in der DDR zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt, weil er Schweine hält“, sagt Jeanette Rosen.

1953 geriet Kaba-Klein in die sogenannte „Aktion Rose“. Mit dieser Kampagne ließ die DDR-Führung private Hotels, Pensionen und Gaststätten an der Ostseeküste beschlagnahmen. Ihre Eigentümer wurden vielfach unter vorgeschobenen Anschuldigungen verhaftet und verurteilt. Auch Kaba-Klein verlor seinen Besitz erneut und erhielt eine zehnjährige Zuchthausstrafe.

Nur zwei Wochen Zeit für die Proben

Das Ensemble besteht aus sechs Mitwirkenden. Für die gemeinsamen Proben blieben lediglich zwei Wochen. „Aber ich hatte das Stück schon vorher im Kopf“, sagt Jeanette Rosen. Neben den politischen Schicksalsschlägen zeigt die Inszenierung auch den lebenslustigen und exzentrischen Menschen Kaba-Klein.

Die Regisseurin bedauert, dass die Produktion nach der ausverkauften Premiere nur drei weitere reguläre Vorstellungen sowie zwei Aufführungen für Schüler erleben wird. Besonders gern hätte sie das Stück an seinem historischen Schauplatz gezeigt.

„Eigentlich wollten wir das Stück natürlich im Kurhaus Binz aufführen. Aber von Arosa, die das Hotel betreiben, haben wir die Antwort erhalten, dass ‚eine Zusammenarbeit nicht gewünscht ist‘.“ Diese Reaktion habe sie und ihre Mitstreiter von Fallada-Land sehr erstaunt, sagt Jeanette Rosen. Fallada-Land steht hinter dem Theaterstück, der Verein realisiert die Produktion und die Aufführungen in Kooperation mit dem Dokumentationszentrum Prora.

Bei der Probe zu „Adalberts Kurhaus“ in Sellin.

Bei der Probe zu „Adalberts Kurhaus“ in Sellin.

© Jeanette Rosen

Fallada-Land ist ein 2023 gegründeter gemeinnütziger Kulturverein mit Sitz in Wiek. Er will vor allem die darstellende Kunst auf der Halbinsel Wittow stärken und Geschichten aus Vergangenheit und Gegenwart Rügens auf die Bühne bringen. Dafür arbeiten professionelle Künstler mit Menschen aus der Region zusammen.

Der Vereinsname erinnert an Hans Fallada und dessen enge Verbindung zu Wittow. „Adalberts Kurhaus“ ist somit Teil eines größeren Vorhabens: Fallada-Land greift regionale Stoffe auf, bereitet sie künstlerisch auf und macht sie an verschiedenen Orten der Insel einem breiten Publikum zugänglich.

Aufführungstermine von „Adalberts Kurhaus“

Donnerstag, 22. Oktober, 19 Uhr: Uraufführung im Balticsaal der Seebrücke Sellin (ausverkauft) Freitag, 23. Oktober, 19 Uhr: Balticsaal der Seebrücke Sellin Samstag, 24. Oktober, 19 Uhr: Grundtvighaus, Seestraße 3, Sassnitz Sonntag, 25. Oktober, 17 Uhr: Kulturscheune Günter Käning, Gerhart-Hauptmann-Straße 9, Wiek

Im Balticsaal der Seebrücke Sellin wird „Adalberts Kurhaus“ seine Premiere erleben und eine weitere Aufführung.

Im Balticsaal der Seebrücke Sellin wird „Adalberts Kurhaus“ seine Premiere erleben und eine weitere Aufführung.

© Fallada-Land

Nach der Uraufführung ist eine Podiumsdiskussion mit dem Rotary Club Rügen über Freiheit und Unternehmertum geplant. Bei weiteren Vorstellungen können Besucher mit Historikern des Dokumentationszentrums Prora und dem Ensemble ins Gespräch kommen.

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