Manche Männer gehen allein angeln, um ihre Ruhe zu haben. Kasey Parkinson hatte an diesem Morgen am Murray River genau einen ruhigen Moment. Dann hing Australiens Rekordfisch an seiner Leine.
Der Angler aus South Australia zog einen Murray-Cod von 135,5 Zentimetern aus dem Fluss, ohne Helfer und ohne zweite Hand am Kescher. Der australische Sportfischerverband ANSA hat den Fang als Rekord anerkannt, gleich doppelt: für South Australia und für ganz Australien.
Parkinson schilderte den Tag dem US-Magazin People. In Deutschland berichtete zuletzt das Angelmagazin Blinker über den Fang.
Der Biss um 9 Uhr: fast die Rute verloren
Parkinson war schon vor Sonnenaufgang auf dem Wasser. Die Tage zuvor hatten gute Fische gebracht, kurz nach Tagesanbruch hing bereits ein ordentliches Exemplar am Haken.
Gegen 9 Uhr kam der Biss, der ihm fast die Rute aus der Hand riss. Was er da drillte, begriff Parkinson erst, als der Fisch neben dem Boot auftauchte.
Der Gigant passte gerade so in den Kescher. Danach sei er schlicht überglücklich gewesen, erzählte der Angler.
Rekordfisch allein im Boot: die nervösen Minuten danach
Das eigentliche Kunststück begann nach dem Drill. Ein Fisch dieser Größe ist ein Fall für zwei Leute: einer hält, einer fotografiert. Parkinson musste beides selbst erledigen.
Der Cod schlug in seinen Armen heftig um sich. Es habe ein paar nervöse Momente gegeben, räumte Parkinson ein. Am Ende blieben einige schnelle Fotos und ein Fisch, der davonschwamm.
Auf Facebook schrieb er, er könne noch immer nicht fassen, wie groß das Tier gewesen sei. Einen solchen Fisch allein zu fangen, werde er nie vergessen.
137 Zentimeter gemessen, 135,5 Zentimeter gewertet
Von der Schnauze bis zur Schwanzspitze maß der Fisch 137 Zentimeter. In die Rekordwertung gingen 135,5 Zentimeter ein. Parkinsons bisherige Bestmarke lag bei rund 130 Zentimetern.
Wie schwer der Fisch war, ist nicht bekannt, gewogen wurde er nicht. Ein Anhaltspunkt: Schon Murray-Cods von 120 bis 130 Zentimetern bringen laut dem Verein Native Fish Australia 35 bis 45 Kilogramm auf die Waage. Parkinson hielt also allein ein Tier, das schwerer sein dürfte als ein Schulkind.
Als Köder nutzte er laut Blinker einen Kunstköder vom Typ Bassman Siliji.
Australiens Rekord, aber nicht der größte Murray-Cod der Geschichte
Der Rekord gilt für die Rekordliste des ANSA. Der größte je dokumentierte Murray-Cod war ein ganz anderes Kaliber.
Die Fischdatenbank FishBase nennt ein Höchstgewicht von 113,5 Kilogramm und eine Länge von etwa 1,8 Metern. Die Fischereibehörde des Bundesstaats Victoria beschreibt dieses Exemplar in einer Broschüre als kühlschrankgroß. Gefunden wurde es 1902.
Solche Riesen gibt es heute kaum noch. In größeren Flüssen werden Murray-Cods meist 90 bis 100 Zentimeter lang.
Murray-Cod: Raubfisch frisst Krebse, Schildkröten und Vögel
Mit dem Kabeljau hat der Murray-Cod nur den Namen gemein. Er gehört zu den barschartigen Fischen und lebt ausschließlich im Murray-Darling-Becken, dem größten Flusssystem Australiens. Dort ist er der größte reine Süßwasserfisch des Kontinents.
Er lauert in tiefen Löchern und unter Totholz und packt zu, was vorbeikommt. Neben Fischen und Krebsen stehen auch Schildkröten, Wasservögel und kleine Säugetiere auf seinem Speiseplan.
Dazu wird er erstaunlich alt. Das älteste untersuchte Exemplar war 48 Jahre alt, Fachleute halten deutlich höhere Alter für wahrscheinlich.
Schonzeit in South Australia: bis 20.000 Dollar Strafe
Die Bestände sind über Jahrzehnte stark geschrumpft. Im Murray River in South Australia darf der Fisch laut der Fischereibehörde PIRSA nur vom 1. Januar bis 31. Juli beangelt werden, und auch dann nur zum Zurücksetzen.
Vom 1. August bis 31. Dezember ist schon das gezielte Angeln auf Murray-Cod verboten, damit die Fische in Ruhe laichen können. Wer dagegen verstößt, riskiert bis zu 20.000 australische Dollar Strafe.
Parkinsons Rekordfisch schwimmt also weiter durch den Murray River. Vielleicht wächst er ja noch ein Stück.
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