Gewalt

„Wer öffentliche Einrichtungen angreift, legt sich mit uns allen an“ – Feuer im Jugendamt Finsterwalde

Ein Mann bedroht eine Sachbearbeiterin und legt Feuer – fünf Beschäftigte verletzt. Übergriffe auf Ämter nehmen zu, jetzt werden Schutzmaßnahmen gefordert.

3 Min
Die Polizei muss nach einem Angriff auf eine Jugendamts-Mitarbeiterin in Finsterwalde ausrücken.

Die Polizei muss nach einem Angriff auf eine Jugendamts-Mitarbeiterin in Finsterwalde ausrücken.

© Frank Hammerschmidt/dpa

Können Mitarbeiter in Jugendämtern, Jobcentern oder Gesundheitsämtern ihre Arbeit noch ohne Furcht vor Übergriffen verrichten? Diese Frage stellt sich nach einem Angriff und gelegten Feuer in einer Außenstelle der Kreisverwaltung Elbe-Elster im brandenburgischen Finsterwalde mit neuer Schärfe.

Die Gewerkschaft Verdi, die CDU Brandenburg und kommunale Vertreter fordern eine Überprüfung der Sicherheitsvorkehrungen. Die Brandenburger Landesregierung verurteilt die Tat und ähnliche Vorfälle dieser Art scharf.

Bedrohung und Feuer im Jugendamt mit mehreren Verletzten

Am Donnerstagmorgen soll ein 35-jähriger Deutscher gegen acht Uhr eine Sachbearbeiterin im Jugendamt Finsterwalde bedroht und anschließend in ihrem Büro Feuer gelegt haben. Die Mitarbeiterin brachte sich nach Angaben der Kreisverwaltung in Sicherheit. Fünf Beschäftigte kamen mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung oder unter Schock ins Krankenhaus, wie die Kreisverwaltung mitteilte. Die Feuerwehr löschte den Brand, das Gebäude wurde evakuiert.

Der Tatverdächtige wurde kurz darauf im Umfeld der Behörde festgenommen. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln wegen des Verdachts eines versuchten Tötungsdelikts, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Zum Motiv und zum Inhalt des Gesprächs zwischen dem Mann und der Mitarbeiterin gab es zunächst keine Angaben. Der Dienstbetrieb am Standort, an dem auch Straßenverkehrsamt, Bauaufsicht und Gesundheitsamt untergebracht sind, ruht bis einschließlich Montag.

Woirkde entsetzt: Angreifer „legt sich mit uns allen an“

Die brandenburgische Landesregierung reagierte bestürzt auf die Tat. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) erklärte in einem Instagram-Beitrag der Staatskanzlei: „Wer öffentliche Einrichtungen angreift, legt sich mit uns allen an. Gewalt und Einschüchterung sind durchs nichts zu rechtfertigen.“ Den betroffenen Mitarbeiterinnen wünsche er eine schnelle Genesung und viel Kraft, das Erlebte zu verarbeiten.

Sozialminister René Wilke (SPD) sprach laut Deutscher Presse-Agentur (dpa) von einem „ungeheuerlichen Vorgang in Finsterwalde“, der alle zutiefst beunruhigen sollte. Wilke forderte zugleich mehr Respekt gegenüber Behördenbeschäftigten. Wenn Bürger unhöflich, verbal verletzend oder bedrohend aufträten, was in den vergangenen Jahren immer häufiger vorgekommen sei, hinterlasse das bei den Bearbeitern Spuren, sagte der Minister. Werde wie nun physische Gewalt gegen Personen ausgeübt, sei ein Punkt erreicht, an dem alle innehalten sollten.

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Verdi beklagt seit Jahren steigende Übergriffe

Die Übergriffe auf Beschäftigte im öffentlichen Dienst, in Rettungsdiensten, Notaufnahmen und beim Fahrpersonal nähmen seit Jahren zu, sagte ein Verdi-Sprecher der dpa. Das belegten Nachrichten der vergangenen Wochen ebenso wie Studien. Die Gewerkschaft fordere seit langem verbesserte Schutzkonzepte, wirksame Prävention und ausreichend Personal. Eine nachhaltige Besserung sei bislang nicht in Sicht.

Auch die Landrätin der Uckermark, Karina Dörk (CDU), berichtete der dpa von einer drastischen Zunahme verbaler Übergriffe – insbesondere im Jugendamt, im Jobcenter, im sozialpsychiatrischen Dienst und bei Amtstierärzten. Hausverbote und Anzeigen häuften sich, konkrete Zahlen nannte sie nicht. „Es ist erschreckend“, sagte Dörk, die auch Präsidentin des Landkreistages Brandenburg ist.

Wachschutz und stille Alarme im Gespräch

Dörk erwägt nach eigenen Angaben, künftig einen Wachschutz für die Kreisverwaltung zu engagieren. Bislang könnten Jugendamtsmitarbeiter in kritischen Situationen über Nottasten am Telefon einen stillen Alarm auslösen und Kollegen zur Hilfe rufen. Die jüngsten Vorfälle belasteten die Beschäftigten auch psychisch, sagte die Landrätin. Der kommunale Spitzenverband werde sich über das Thema austauschen.

Die CDU Brandenburg erklärte, Sicherheitskonzepte für öffentliche Verwaltungen müssten kritisch überprüft und angepasst werden. „Beschäftigte im öffentlichen Dienst müssen ihrer Arbeit nachgehen können, ohne Angst vor Gewalt oder Einschüchterung haben zu müssen“, hieß es von der Partei.

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