Kunstszene

Artthuer in Erfurt: Stefan Böhm gewinnt den Preis der Kunstmesse

150 Künstler, tausende Besucher: Auf der 15. Artthuer in Erfurt zeigt sich die Thüringer Kunstszene selbst. Den mit 5000 Euro dotierten Preis holt Stefan Böhm.

6 Min
Stefan Böhm (Mitte) erhielt auf der 15. Artthuer in Erfurt den Preis der Kunstmesse. Dotiert ist der mit 5000 Euro.

Stefan Böhm (Mitte) erhielt auf der 15. Artthuer in Erfurt den Preis der Kunstmesse. Dotiert ist der mit 5000 Euro.

© Doris Weilandt

Die Kunstmesse Artthuer ist das wichtigste Ereignis für die Thüringer Kunstszene. Zur 15. Auflage präsentierten am Wochenende 150 Künstlerinnen und Künstler ihre Arbeiten aus allen Bereichen der Kunst – von Malerei unterschiedlichster Couleur über Objekte und Grafik bis zum Schmuck. Organisiert wird die einzigartige Produzentenmesse vom Verband Bildender Künstler Thüringen (VBKTh). Dass sich der Messebesuch lohnt, hat sich inzwischen deutschlandweit herumgesprochen. Tausende Besucher flanierten von Stand zu Stand und ließen sich begeistern.

Viel Publikum war auf der Messe unterwegs.

Viel Publikum war auf der Messe unterwegs.

© Doris Weilandt

In der Koje von Katja Triol dominiert ein großes Fenster die Präsentation. Gebaut ist es aus vielen kleinen Fenstern, mit Menschen darin, die sich unterhalten oder hinter der Gardine stehen. Warmes Licht verströmt eine beruhigende Atmosphäre. Die Ölbilder sind an vielen Orten entstanden. Das erste schuf die Künstlerin in Ulan Bator in der Mongolei, weitere in ihrer früheren Heimat Kasachstan, in Prag oder Warschau. Es sind Fenster in Plattenbausiedlungen von gleicher Größe und gleichen Maßen. „Jedes Fenster hat eine eigene Geschichte. Mich interessiert die stille Präsenz dieser Bauwerke“, so Katja Triol, die mit ihrer Malerei zum Nachdenken anregen will. „Betonmelancholie“ heißt die Serie. Auf der Messe kommt die Künstlerin darüber mit vielen Besuchern ins Gespräch und einige nehmen sich ein Fenster mit nach Hause. Katja Triol ist froh, dass sie sich auf der Artthuer vorstellen kann.

Katja Triol vor ihrer Koje. Im Hintergrund ihre malerischen Einblicke in viele Fenster

Katja Triol vor ihrer Koje. Im Hintergrund ihre malerischen Einblicke in viele Fenster

© Doris Weilandt

Jury entscheidet über die Teilnahme

Da der VBKTh weit mehr Mitglieder hat als Plätze in der Halle, entscheidet eine Jury über die Teilnahme. Erstmalig dabei ist Michael Ritzmann. Der Künstler ist durch ein mehrere Meter hohes Graffiti, das er unter dem Pseudonym Dr. Molrok an einer vierspurigen Straße in Erfurt geschaffen hat, bekannt. Auf der Artthuer stellt er raumgreifende, metallische Objekte vor. Auch für ihn ist es wichtig, mit Kollegen und dem Publikum ins Gespräch zu kommen und sich als Thüringer Künstler zu zeigen.

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Messeneuling Michael Ritzmann mit seinen Objekten

Messeneuling Michael Ritzmann mit seinen Objekten

© Doris Weilandt

Katrin König, die schon mehrere Male dabei war, hat die Erfahrung gemacht, dass sich ein Stand auf der Messe in jedem Fall lohnt. Sie konnte viele Kontakte knüpfen, die danach in konkrete Projekte mündeten. Zudem wurde sie von Galerien zu Ausstellungen eingeladen. So konnte sie ihren Bekanntheitsgrad deutlich erweitern. Katrin König wird für ihre großformatigen Grafiken geschätzt, die sie auch schon mit einer Straßenwalze gedruckt hat. Auf der Messe präsentierte sie eine Collagraphie und dreidimensionale Glasarbeiten. „Ich bin vom Glasvirus infiziert“, sagt die Künstlerin, die von einer Glashütte in Paderborn eingeladen war, um mit dem Material zu experimentieren.

Keramik, Schmuck und bewegte Figuren

Mit neuen Werken stellt sich auch der Keramiker Frank Steenbeck vor. Wie gealtertes Holz wirken die Tonplatten, auf die er Grafik druckt. „Die Technik ist für mich die ideale Spielwiese, die zu Ergebnissen führt, die mich begeistern“, so Steenbeck. Für ihn ist die Messe ein wichtiger Platz für Begegnung, aber auch eine gute Möglichkeit, zu verkaufen.

Das Künstlerpaar Sibylle Mania – Martin Neubert hat als Familie einen gemeinsamen Stand aufgebaut, an dem auch Sohn Javis erstmals seine Schmuckarbeiten und Objekte dem Publikum vorstellt. Martin Neubert, der die Professur für Plastik/Keramik an der Hochschule Burg Giebichenstein in Halle innehat, lud die Besucher zum Platznehmen vor einem Glaskasten ein. Sofort ging das Licht an und die einzelnen Figuren setzten sich in Bewegung.

Große Spannung bei der Vergabe des Preises der Artthuer

Der mit 5000 Euro dotierte Preis der Kunstmesse, den die SV SparkassenVersicherung spendiert, ist eine der wichtigsten Auszeichnungen im Bereich zeitgenössische Kunst in Thüringen. Kurz vor der Preisvergabe verließen die meisten Künstlerinnen und Künstler ihre Kojen und versammelten sich vor der Bühne. Jubel brach aus, als der Name genannt wurde:

Stefan Böhm. Der in Kranichfeld lebende Künstler sammelt in allen Weltgegenden Steine, denen er feinste innere Strukturen abringt. Mitunter entstehen Formen, die die kristalline Ursprünglichkeit des über Jahrmillionen gewachsenen Materials vorstellen. In einigen seiner abstrakten Plastiken spürt der Betrachter die explosive Kraft eines Vulkans, das Flüssige, Brodelnde, bevor die Masse erkaltet. Nach der Preisverleihung war der Stand des Künstlers umringt von Menschen, die schauen und mitfeiern wollten.

Künstler statt Händler im Mittelpunkt

Im Gegensatz zu den großen Kunstmessen in Köln und Basel dominieren auf der Artthuer die Künstler. Das zieht Galerien, Sammler und Fachpublikum an, die sich einen Überblick über die Thüringer Kunstszene verschaffen können, den es in dieser konzentrierten Form alle zwei Jahre in Erfurt gibt. Vertreten sind aber auch die wenigen Thüringer Kunsthäuser: Galerie Rothamel aus Erfurt, Huber & Treff aus Jena, Galerie niza aus Erfurt sowie Galerie Profil aus Weimar.

Die Woman Art Weimar, eine Produzentinnengalerie, die im letzten Jahr eröffnet hat, stellte auf der Messe alle beteiligten 16 Künstlerinnen und ihre Intention vor: Frauen in der Kunst sichtbarer zu machen. Der VBKTh gab eine Messeedition unter dem Titel „Wünschens-Wert“ heraus, ein exklusives Angebot von Kunstwerken in Kleinserien zu Vorzugspreisen. Besonders attraktiv: die Preisträgermappe, zu der alle bisherigen Artthuer-Preisträger eine Grafik beigesteuert haben.

Schaufenster für die nächste Generation

Auf der Artthuer trifft sich auch junges Publikum, das nicht nur Interesse an einzelnen Künstlern hat, sondern sich für ein Kunststudium interessiert. Viele waren beeindruckt von der Professionalität, mit der die Künstler ihre Arbeiten vorstellen. In einer Gemeinschaftskoje haben sich sieben Messestarter zusammengefunden, die unterschiedliche Positionen vertreten, darunter Manuela Berkes, die alltägliche Dinge, vor allem Lebensmittel, in Form von handgefertigten Miniaturen aus einer synthetischen Modelliermasse fertigt.

Auch der Bildhauer Florian Hoberg hat sich bei seinem ersten Messeauftritt für diesen Stand entschieden. Der junge Künstler kommt von der Schnitzschule in Empfertshausen. Seit über 150 Jahren werden in der thüringischen Rhön trotz aller gesellschaftlichen Umbrüche Holzschnitzer ausgebildet. Einige davon sind den Weg in die künstlerische Freiberuflichkeit gegangen. Zunehmend wird die Kunstszene auch durch Absolventen der Bauhaus-Universität belebt, der einzigen Kunsthochschule in Thüringen. Michael Ritzmann ist einer von ihnen, Cosima Göpfert, die dort 2012 abschloss, längst eine etablierte Künstlerin.

Publikumspreis als Sprungbrett

Zum Abschluss der Kunstmesse am späten Sonntagnachmittag wird der Publikumspreis vergeben, der mit einer Ausstellung verbunden ist. Auch diese Auszeichnung ist für Künstlerinnen und Künstler ein Sprungbrett für ihre weitere Entwicklung. Denn schließlich gilt in der Kunst wie in der Mode: sehen und gesehen werden.

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