Streetart

Ein DDR-Wohnblock voller Kunst: Warum der Besuchermagnet trotzdem abgerissen wird

Ein leer stehender Wohnblock in Dresden zieht gerade mehr Besucher an als so manches Museum der Stadt. 100 Graffiti-Künstler haben sich in ihm verwirklicht – mit einer Ausstellung auf Zeit.

12 Min
Die Menschen stehen Schlange, um das House of Colors in Dresden zu sehen.

Die Menschen stehen Schlange, um das House of Colors in Dresden zu sehen.

© Gaby Schuetze für Ostdeutsche Allgemeine

Dieser Wohnblock ist der Hammer!

Ja, der Ausruf ist boulevardesk. Doch für den Wohnblock in der Dresdner Nicolaistraße 18–20 lassen sich kaum moderatere Worte finden, wenn man einmal den Fünfgeschosser vom Keller bis zum Dachboden erkundet hat. 20 leere Wohnungen wurden zu Projektionsflächen für Straßenkunst. Ein Raum bunter, kreativer als der andere. Es bleibt dieser Superlativ, ein überwältigender Eindruck.

Der bunte Häuserblock, genannt House of Colors, zog seit seiner  Eröffnung im August bereits rund 15.000 Besucher an. Auf diesen Ansturm ist so manches städtische Museum neidisch. Das Haus ist ein Hit in den sozialen Medien, Rapper und Bands nutzen die Kulisse für ihre Videos. Köpfe drehen sich in der Straßenbahn, wenn sie an dem bunten Wohnblock vorbeifährt.

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Im Haus der Farben ist alles privat organisiert und finanziert. Viele Besucher warten eine Stunde lang in der Kälte, um die kostenlose Ausstellung von mehr als 100 deutschen und internationalen Graffiti-Künstlern zu besuchen. Von der Fassade über die leeren Wohnungen weiter übers Treppenhaus und bis unters Dach gibt es bunte Wandbilder, Kunstinstallationen und Hintergründe zur Graffiti- und HipHop-Szene in Ostdeutschland.

Nur noch bis Mitte Dezember ist der Wohnblock mit den zwei Hauseingängen für Besucher geöffnet. Dann wird er abgerissen, die Kunst verschwindet damit für immer im Staub der Abrissbirne. Dabei scheint der DDR-Bau aus dem Jahr 1960 optisch noch gut in Schuss, nahezu alle Wohneinheiten waren bis zuletzt vermietet.

„In der Johannstadt fehlen vor allem größere Wohnungen für Familien“, erklärt Michael Börner, Bereichsleiter der Wohnungsgenossenschaft Aufbau (WGA), im Gespräch mit dieser Zeitung.

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„Wir wollen solche dringend benötigten Familienwohnungen in gut geeigneten Lagen schaffen, indem wir bestehende Quartiere sinnvoll verdichten und Lücken schließen. Wenn die Wohnungen bezahlbar bleiben sollen, gelingt das nur, wenn wir die vorhandene Fläche optimal ausnutzen. Deshalb ist der Abriss an dieser Stelle notwendig“, sagt Börner weiter.

Dafür sollen der Wohnblock und die Garagenstellplätze hinter dem Haus weichen und durch einen Neubau mit 88 neuen Drei-, Vier- und Fünf-Raum-Wohnungen ersetzt werden. 36 Millionen Euro lässt sich die Wohnungsgenossenschaft die Aufwertung des Viertels kosten. In drei Jahren soll das neue Wohngebäude fertig sein.

Der Wohnblock voller Graffitis ist in Dresden nicht zu übersehen.

Der Wohnblock voller Graffitis ist in Dresden nicht zu übersehen.

© Gaby Schuetze für Ostdeutsche Allgemeine

Leerstand als Chance für Kunst

Über mehrere Jahre wurde der Block leer gezogen, die letzten Mieter packten im März dieses Jahres ihre Sachen. Alle Mieter bekamen eine neue Bleibe. Dann kamen die Abrisspläne ins Stocken, die Fachfirmen vom Bau waren ausgebucht. Der Block stand leer.

Dass daraus ein temporäres Kunstprojekt wurde, war Zufall und hat mit Ellen Demnitz-Schmidt zu tun. Die Frau in dem bunten Graffiti-Kleid ist eine Institution in der Dresdner Jugend- und Sozialarbeit. Sie ist seit drei Jahrzehnten Anlaufstelle für Musik- und Streetart-Projekte.

„Im Gespräch mit ihr entstand die Idee, Künstlerinnen und Künstlern die leeren Räume für eine begrenzte Zeit zu überlassen“, sagt Börner. Voraussetzung war jedoch, „dass es für die Anwohnerinnen und Anwohner keine nennenswerten Beeinträchtigungen geben darf“, betont er.

Die Idee war geboren, das Haus schließlich leer. Der Verein House of Urban Culture, den Demnitz-Schmidt leitet, bekam die Schlüssel für den Wohnblock, die Künstler konnten loslegen, sich verwirklichen.

Mehrere Monate lang gaben sich hier mehr als 100 Graffiti-Künstler sprichwörtlich die Spraydose in die Hand. „Die Künstler haben sich vorher beworben und dann die Räume eigenständig gestaltet. Dabei hatten sie viele Freiheiten“, erzählt Enrico Sutter.

Auch er hat sich in einer Wohnung verewigt, seine Wände sind in Grau, Schwarz und Weiß getaucht. Eher abstrakte Kunst. Dazu sieht man Bilder seiner Installationen. Sutter, der sich in der Szene ALIVE 4000 nennt, schildert seinen Werdegang. Er kommt aus dem Plattenbauviertel in Jena-Lobeda, entdeckte über Graffiti seine Liebe zur Kunst. Der 43-Jährige studierte bildende Kunst an der Kunsthochschule Dresden und machte dort seinen Meisterschülerabschluss.

Enrico Sutter in dem von ihm gestalteten Raum

Enrico Sutter in dem von ihm gestalteten Raum

© Gaby Schuetze für Ostdeutsche Allgemeine

„Während meines Studiums habe ich als Bühnentechniker im Festspielhaus Hellerau gearbeitet. Dort hatte ich viel mit dem einflussreichen Choreografen William Forsythe zu tun. Das hat mich inspiriert, auch an Performancestücken zu arbeiten“, erklärt Sutter seine Fotos an der Wand. „Weil ich wenig Geld hatte, habe ich Fundstücke aus der Natur, von der Straße oder auch vom Theater bei mir im Kohlenkeller gesammelt. Die Sachen verwende ich skulptural, malerisch – sie sind so in permanenter Transformation. Diese Bühnen- und Kostümbilder nehme ich mit in die Schweizer Berge oder auch in die Sächsische Schweiz. Dort inszeniere ich sie mit Tänzern, filme und fotografiere sie in der Natur“, sagt Sutter der OAZ.

Vom Graffiti zur bildenden Kunst

Dabei begann seine Künstlerkarriere wie bei so vielen mit ersten Arbeiten im öffentlichen Raum: „Ich habe 1996, da war ich 13 Jahre alt, mit Graffiti in Jena-Lobeda begonnen. Breakdance kam dazu. Der Film ‚Beat Street‘ hat schon seit der Mitte der 80er-Jahre so viele von uns im Osten und dann auch mich inspiriert.“

Der amerikanische Musikfilm aus dem Jahr 1984 (Regie: Stan Lathan, koproduziert von Harry Belafonte) erzählt die Geschichte einer Gruppe Jugendlicher in der South Bronx von New York in der Blütezeit der frühen HipHop-Kultur. Er zeigt, wie die Jugendlichen ihre Kämpfe und ihre Energie nicht in Bandenkriegen und Gewalt ausleben, sondern als Rapper, DJ, HipHopper oder auch Sprayer.

Ein Abbild ihrer eigenen Jugend für Ost- und Westdeutsche der frühen 90er-Jahre, die aus Plattenbaugebieten mit hoher Arbeitslosigkeit, Migration und teils auch Kriminalität kamen. Der Film verhieß einen Ausweg.

Auch Andy K., die graue Eminenz des HipHop und des Graffiti in Ostdeutschland, habe „Beat Street“ „bestimmt 40-mal gesehen“, weiß Enrico Sutter auf seinen Touren zu berichten. Der mittlerweile 59-jährige Dresdner Graffiti-Künstler stellt ebenfalls im House of Colors aus. Er verfolgte zu DDR-Zeiten den neuen Musiktrend aus den USA heimlich, gründete eine Breakdance-Crew und begann nach dem Mauerfall mit Graffiti.

Bevor er zur Spraydose griff, zeichnete er mit Bleistift detaillierte Skizzen seiner späteren Wandbilder. Auszüge aus seinem Skizzenbuch der 90er-Jahre sind ebenfalls in der Ausstellung zu sehen.

Ein Waschbecken und eine Toilette werden zu Fantasiemonstern.

Ein Waschbecken und eine Toilette werden zu Fantasiemonstern.

© Gaby Schuetze für Ostdeutsche Allgemeine

Hinzu kommen Wandbilder genauso wie Installationen. Andy K. sieht in Alltagsdingen oft gruselige oder lustige Gesichter. In einem der Badezimmer tauchte er ein Waschbecken und eine Toilette in fleischfarbenes Rosa und evozierte durch aufgeklebte spitze Styroporzähne auf dem Beckenrand den Schlund eines Monsters.

Überhaupt waren die praktischen, aber engen Bäder in dem Wohnblock eine besondere Herausforderung für die Künstler. In den schmalen Räumen reiht sich immer gleich die Wanne neben ein Waschbecken und die Toilette, dahinter ein Fenster.

Doch selbst aus diesen rund sechs Quadratmetern Standardausstattung machten die Künstler die unterschiedlichsten Installationen: Ein Bad ist vom Fußboden über die Wände bis zu den Sanitäreinrichtungen dicht an dicht komplett mit schwarz-gelbem Warnband überklebt. Möglicherweise ein Traum für BVB- oder Dynamo-Dresden-Fans.

Ein weiteres Bad ist mit Goldfarbe besprüht, die leeren Spraydosen liegen aneinandergereiht auf dem Fußboden.

Ein Badezimmer wurde komplett in schwarz-gelbes Klebeband gepackt.

Ein Badezimmer wurde komplett in schwarz-gelbes Klebeband gepackt.

© Claudia Lord/Ostdeutsche Allgemeine

Besonderes Staunen und viele Fotomotive bieten auch die Räume mit Kaligraffitis, einer Mischung aus Kalligrafie und Graffiti, bei der abstrakte Wörter und Buchstaben zu einer bildhaften Komposition arrangiert werden. Unter Schwarzlicht leuchtet das raumfüllende Werk des Dresdner Künstlers MRC design besonders imposant.

Und auch wenn Enrico Sutter schon zigmal durch die Räume gelaufen ist und bei Führungen die einzelnen Künstler erklärt hat: Er sprüht immer wieder neu vor Begeisterung für die Graffiti-Szene, die eigentlich „writing culture“ heißt. Denn mit Schreiben, genauer gesagt, dem Beschreiben von Zügen und Mauern begann alles.

Das barocke Dresden mal in bunt

Der Anblick der bunten Kunst ist das eine. Doch dieses Haus der Farben macht etwas mit der Stadt Dresden. Es zeigt eine Kunstszene, die sonst eher im Verborgenen agiert und über die schnell der Stab gebrochen wird: Wer Graffitis sprüht, ist ein Schmierfink, die Bilder an Mauern halten viele für Vandalismus, was bei bestimmten Motiven auch nicht verwundert.

Eine Besucherin hält inne und lauscht Sutters Erklärungen in einem früheren Kinderzimmer des Wohnblocks. Die Künstler Uniq und Epos haben mit Styropor und grauer Farbe eine täuschend echte Felsenlandschaft in der Form der vier Namensbuchstaben erschaffen. An den schimmlig anmutenden Wänden rankt Efeu, ein Stuhl vervollständigt das Stillleben eines vermeintlichen Lost Place. „Hier hat sich der Künstler beim Kulissenbau am Theater bedient, alles ist täuschend echt“, erzählt Sutter. Die Dresdnerin findet die Kunst „toll“, obwohl sie „Graffitis im öffentlichen Raum ja sonst schrecklich“ findet.

Das trifft Sutter, er muss reagieren: „Ich warne vor Vorverurteilung. Viele haben damals mit sehr einfachen Graffitis angefangen. Und wer richtig dranbleibt, schafft später so etwas.“ Er will Schriftzüge an Wänden nicht schönreden, rein rechtlich sei das Sachbeschädigung. Aber junge Talente bräuchten mehr Raum zum Experimentieren. Die Mittel für Jugendsozialarbeit werden auch in Dresden stetig gekürzt.

Ellen Demnitz-Schmidt gründete vor mehr als 30 Jahren einen Jugendklub, Felix Roßberg ist aktiver Breakdancer.

Ellen Demnitz-Schmidt gründete vor mehr als 30 Jahren einen Jugendklub, Felix Roßberg ist aktiver Breakdancer.

© Gaby Schuetze für Ostdeutsche Allgemeine

Jugend braucht Raum

Bestes Beispiel sei der Dresdner SPIKE e.V., gegründet von Ellen Demnitz-Schmidt, aus dem auch das Projekt House of Colors hervorging. Die ausgebildete Lehrerin ist seit mehr als drei Jahrzehnten durch ihren Jugendtreff in der HipHop- und Graffiti-Szene aktiv. 

In 30 Jahren sei man weit gekommen, der farbige Wohnblock macht ihre Arbeit nun für die ganze Stadt sichtbar. SPIKE e.V. ist seit 1997 anerkannter freier Träger der Jugendhilfe mit Anlaufstellen in vielen Dresdner Stadtvierteln, doch die städtischen Zuschüsse sinken. Derzeit kann nur noch eine Vollzeitstelle finanziert werden.

Ellen Demnitz-Schmidt beobachtet die lange Warteschlange vor dem Gebäude und sagt: „Ich finde es interessant, wie durchmischt das Publikum ist.“

Denn das Haus verbindet Alt und Jung. Jugendliche und ältere Menschen machen sich respektvoll Platz in den engen Treppenhäusern, gehen einander aus dem Weg, wenn jemand mit dem Handy ein Foto machen möchte. „Ich finde die vielen Graffitis sehr cool, alles so schön bunt“, schwärmt ein Mädchen mit Zahnspange. Ihre Freundinnen, mit denen sie sich zum Besuch des bunten Wohnhauses extra verabredet hat, stimmen zu. Und sagen alle unisono: „Wirklich schade, dass dieser Block abgerissen werden soll.“

Das kann auch Renate Löbel nicht so recht glauben. Die 82-jährige Dresdnerin hat sich extra aufgemacht, als sie von dem bunten Wohnblock hörte: „Die Graffitis hier sind viel schöner als die in der Neustadt, die einen zur Rage bringen.“ Sie fände „mal was Neues gut“, auch wenn sie nicht an Dresdens barockem Ruf rütteln wolle.

„Medusa unbroken“ von Aurum + Smok

„Medusa unbroken“ von Aurum + Smok

© Gaby Schuetze für Ostdeutsche Allgemeine

Sutter hat in den vielen Wochen, in denen er nun schon selbst die Besucher im Wohnblock umherführte, die Magie des Ortes erkannt: „Viele verbinden mit dem Block so viel: die DDR-Architektur und die Lebenswelt, in die man noch mal eintauchen kann. Und dann bricht mitten in diese alten Wohnungen diese Straßenkunst wie ein Alien ein. Ich glaube und hoffe, dass dieses Projekt die Wahrnehmung über die urbanen Künste in der Stadt stark verändert und Vorurteile abbaut.“

Handwerker unterstützen Graffiti-Künstler

Als alle Räume im Inneren des Hauses gestaltet waren, bekam die Fassade einen bunten Anstrich – zuerst nur bis zum ersten Obergeschoss. Doch selbst die Gerüstbaufirma Otto, die bereits zu Beginn ihre Arbeitsplattformen zur Verfügung stellte, wurde vom Graffiti-Fieber angesteckt. „Sie stellte ihre Gerüste ein zweites Mal kostenlos zur Verfügung, damit die gesamte Front und der Giebel gestaltet werden konnten“, erklärt Michael Börner.

Das Dresdner Projekt ist bisher in dieser Größe im Osten einmalig und vorbildstiftend. Nur The Haus, ein leer stehendes Bürogebäude in West-Berlin, bot 2017 mit 165 Künstlern auf fünf Etagen noch mehr Urban Art an.

Eigentlich sollte der Wohnblock schon Ende Oktober für die Öffentlichkeit schließen. Doch aufgrund der hohen Nachfrage ließ sich die Wohnungsgenossenschaft zur Verlängerung überreden.

„Die Resonanz hat uns überwältigt. Da war für uns klar, dass wir noch etwas mehr als einen Monat dranhängen. Danach wird das Gebäude aber vollständig geräumt. Im Januar beginnt die Einrichtung der Baustelle, anschließend folgt der Rückbau“, erklärt Börner den weiteren Zeitplan. 

Er kennt die vielen Anfragen, den Block zu erhalten: „Über die große Resonanz freuen wir uns sehr. Aber Dresden braucht dringend mehr Wohnraum, besonders für Familien. Wir müssen das Potenzial eines solchen Grundstücks voll ausschöpfen.“

Auch Ellen Demnitz-Schmidt hat bereits „auf allen Kanälen angefragt“. Sie tröstet sich damit, dass „Straßenkunst ja von genau diesem temporären Gedanken lebt“.

Bevor das Gesamtkunstwerk abgerissen wird, gehen professionelle Fotografen und Kameraleute durchs ganze Gebäude und dokumentieren alles. „Daraus wird dann ein Buch entstehen und eine 360-Grad-Aufbereitung, die im Internet zu sehen ist“, sagt Demnitz-Schmidt.

Nach den Künstlern kommt die Feuerwehr

Eine letzte Nutzung erfährt der Wohnblock im Januar 2027 durch die Dresdner Feuerwehr: „Hier kann die Feuerwehr unter realistischen Bedingungen trainieren, etwa das Abseilen am Gebäude, das Öffnen von Türen oder die Rettung von Menschen aus verrauchten Treppenhäusern“, sagt Börner. So erfülle das Gebäude bis zum Schluss einen sinnvollen Zweck.

Das einzigartige Gesamtkunstwerk ist noch bis Mitte Dezember jeweils an den Wochenenden sowie am Buß- und Bettag zwischen 10 und 15 Uhr für Besucher geöffnet. Wer es sich anschauen möchte, wird den Rat der freundlichen jungen Frau am Einlass hören: „Nehmen Sie den Rundgang wie einen Waldspaziergang wahr, Sie werden nicht alle 100 Räume schaffen.“

Die Dresdnerin Friederike Würfel ist begeistert von dem Kunstprojekt.

Die Dresdnerin Friederike Würfel ist begeistert von dem Kunstprojekt.

© Gaby Schuetze für Ostdeutsche Allgemeine

Friederike Würfel hat genau das gemacht. Die 90-Jährige lässt sich nach dem Rundgang auf einem Stuhl nieder. Sie ist völlig überwältigt. „Ich fand die Ausstellung wahnsinnig beeindruckend, so vielseitig. Es ist wirklich Kunst.“ Das Projekt habe ihre Erwartungen komplett übertroffen. „Ich würde mir wünschen, dass für andere Häuser, die stehen bleiben, solche Kunst in Auftrag gegeben wird.“

Ihre Schwiegertochter Heike Stötzer ergänzt: „Es ist eine unheimliche Bereicherung für Dresden. Jede andere Stadt würde sich nach so etwas sehnen. Warum muss so etwas abgerissen werden?“

Sie schlägt vor, den leeren Block zum Proben für junge Musiker zu nutzen und ihm so ein weiteres Leben zu schenken. „Stattdessen baut man die neue Staatsoperette in Dresden-Leuben für Millionen um“, ärgert sie sich. Das ist zwar ein städtisches Projekt und keines der Wohnungsgenossenschaft. Der Punkt bleibt dennoch im Raum stehen.

Dieses Haus bewegt eben – alle.

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