SKOPJE, 8. März. Die Ausländerbeauftragte der Bundesregierung, Marieluise Beck, hat sich dafür ausgesprochen, die Rückkehr der Kosovo-Albaner aus Deutschland in ihre Heimat langsamer als geplant umzusetzen. "Die Situation im Kosovo ist labil und der Aufbau der Region geht langsamer voran als erwartet", schilderte sie ihre Eindrücke nach einem eintägigen Besuch im Kosovo. Eine schnelle Rückkehr von Kosovo-Albanern in großer Zahl überfordere die Einsatzkräfte und die Verwaltung in dem Gebiet. Voraussetzung für eine Rückkehr sei Freiwilligkeit, aber auch die Möglichkeiten, eine Unterkunft und Arbeit zu finden. Beck forderte daher, die Rückkehr der Geflüchteten in Absprache mit den vor Ort tätigen Internationalen Organisationen zu organisieren und deren Bedenken ernst zu nehmen.Duldungen laufen ausEnde März laufen in Deutschland die Duldungen für Kosovo-Albaner aus. Die Landesinnenminister hatten bereits im November 1999 beschlossen, ab dem Frühjahr die Flüchtlinge auszufliegen. Bei Weigerung droht ihnen die Abschiebung. Die Innenminister rechnen damit, dass "alle Kosovaren ohne Aufenthaltsrecht bis Ende 2000 in ihre Heimat zurückgekehrt sind", wie es in einem Erlass des bayerischen Innenministeriums heißt. In Deutschland leben rund 170 000 Kosovo-Albaner. Das Bundesinnenministerium hat bereits für die Rückkehr von 60 000 Flüchtlingen das Geld bereitgestellt.Vor allem die UN-Flüchtlingsorganisation UNHCR warnte am Mittwoch davor, Kosovo-Albaner in großer Zahl in ihre Heimat zurückzufliegen. "Das Sozialsystem ist nicht ausgebaut, die Menschen werden arbeitslos, das wird große Spannungen hervorrufen," sagte der stellvertretende Sonderbeauftragte des Generalsekretärs für humanitäre Fragen, Wilbert van Hövell, in Pristina. Van Hövell appellierte an die Staaten, die Rahmenbedingungen für eine geordnete Rückkehr in den Kosovo zu schaffen. Die Rückkehr-Aktion sollte bis zum Sommer ausgesetzt und dann bis in das nächste Jahr hinein gestreckt werden, forderte er. Van Hövell setzte sich insbesondere dafür ein, dass Minderheiten nicht in die Region ausreisen. Darunter zählt der UNHCR Roma, Serben, aber auch Kosovo-Albaner, die mit den Serben zusammengearbeitet haben sowie diejenigen, die sich einer Zusammenarbeit mit der Untergrundorganisation UCK verweigert haben. "Diese Menschen können im Kosovo große Schwierigkeiten bekommen." Die Macht der UCK sei noch groß. Zudem sei die weitere politische Entwicklung insgesamt nicht abschätzbar, wie die Lage in der Stadt Mitrovica zeige.Wie viel der Kosovo an Rückkehrern verkraften kann, ist auch für den UNHCR nicht genau zu beurteilen. Van Hövell verwies lediglich darauf, dass auch die Unterbringung der Flüchtlinge problematisch werden könnte. Von den rund 100 000 zerstörten Häusern sind zirka 10 000 repariert, bis Ende 2000 sollen weitere 20 000 Gebäude wieder bewohnbar gemacht werden. Auch führende Vertreter der UN-Zivilverwaltung Unmik warnten. Die Rückkehr einer großen Zahl von Kosovaren aus Deutschland berge "sozialen Sprengstoff". 60 000 Rückkehrer allein aus Deutschland seien immerhin zehn Prozent der Bevölkerung. Vor allem die Infrastruktur sei darauf nicht vorbereitet. So fehlten Schulen, schon jetzt lebten Kinder auf der Straße. Zudem breite sich der Drogenhandel aus, Schutzgelder würden erpresst. "Es ist absurd, Geld in die Stabilität des Landes zu pumpen und gleichzeitig durch eine hohe Zahl von Rückkehrern Instabilität in der Region zu produzieren", hieß es aus der Unmik.RÜCKKEHR Ist und Soll // Rund 170 000 Kosovo-Albaner leben derzeit in Deutschland, darunter 15 000, die während des Krieges aufgenommen wurden. Die übrigen leben bereits seit 1992 in Deutschland.Von den 15 000 Kriegsflüchtlingen sind bereits 10 000 in ihre Heimat zurückgekehrt.Bis zum 5. März diesen Jahres wurden insgesamt 22 000 Kosovo-Albaner aus Deutschland in ihre Heimat zurückgebracht.Das Bundesinnenministerium plant derzeit, dass 60 000 Kosovo-Albaner in diesem Jahr zurückkehren, der bayerische Innenminister, Günther Beckstein (CSU), spricht gar von 100 000.Die Landesinnenministerien rechnen damit, dass die Rückkehr der Kosovo-Albaner ohne Aufenthaltsrecht in diesem Jahr abgeschlossen ist.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]