Die UN-Mitgliedstaaten haben den bangladeschischen Außenminister Khalilur Rahman zum Präsidenten der UN-Vollversammlung gewählt. Er folgt im September auf die frühere deutsche Außenministerin Annalena Baerbock, wie aus einer Mitteilung der US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen als Vertreterin des Gastgeberlandes hervorgeht.
Der 72-jährige Rahman setzte sich am Dienstag in New York mit 99 Stimmen gegen den zyprischen Diplomaten Andreas Kakouris durch, der 91 Stimmen erhielt. Insgesamt wurden 190 Stimmen abgegeben, wie aus Angaben der Vereinten Nationen hervorgeht. Rahman übernimmt das Amt für die 81. Sitzungsperiode, die am 8. September beginnt. Die Generaldebatte startet am 22. September.
Für Bangladesch ist es das zweite Mal, dass das Land den Vorsitz übernimmt. Zuletzt hatte der damalige Außenminister Humayun Rasheed Chowdhury die 41. Generalversammlung in den Jahren 1986/87 geleitet, wie die Zeitung aus Dhaka, The Business Standard, berichtete. Das Amt rotiert jährlich zwischen den fünf Regionalgruppen der Vereinten Nationen.
Rahman behält Ministeramt
Rahman trat im Jahr 1979 in den diplomatischen Dienst Bangladeschs ein, arbeitete später mehr als 25 Jahre in verschiedenen leitenden Funktionen bei den Vereinten Nationen und gilt als Experte für internationale Diplomatie und Entwicklungsfragen. Nach dem politischen Umbruch in Bangladesch 2024 wurde er zunächst Sonderbeauftragter für die Rohingya-Krise und 2025 Nationaler Sicherheitsberater. Er studierte unter anderem an der University of Dhaka, der Fletcher School of Law and Diplomacy und der Harvard Kennedy School.
Rahman, der erst im Februar als Außenminister vereidigt worden war, wird sein Regierungsamt für den neuen Posten nicht aufgeben. Bei einem informellen Dialog bei den Vereinten Nationen am 13. Mai sagte er, Premierminister Tarique Rahman habe ihm für ein Jahr eine Freistellung für die Vollzeittätigkeit bei den UN zugesagt. „Werde ich zurücktreten? Nein“, sagte Rahman dort. Ein Rücktritt sei nicht die einzige Option, er könne auch beurlaubt werden.
Der frühere Botschafter M Humayun Kabir sagte dem Business Standard, er habe noch nie erlebt, dass ein Außenminister eines Landes eine einjährige Beurlaubung nehme. Im aktuellen Kontext sei die Anwesenheit des Außenministers für das Land sehr wichtig.
USA mahnen Reformen an
Die US-Vertreterin bei den Vereinten Nationen, Tammy Bruce, gratulierte Rahman im Namen der USA als Gastgeberland. Er übernehme die Verantwortung in einem kritischen Moment für die Vereinten Nationen, in dem überfällige Reformen zügig umgesetzt werden müssten, sagte sie. Die Generalversammlung werde auf seine unparteiische Führung angewiesen sein. Die USA hofften, dass Rahman die Effizienz der Versammlung verbessere und die Kosten senke.
Baerbock hatte das Amt seit September 2025 inne. Die 45-Jährige war von 2021 bis 2025 Außenministerin in der Koalition von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD). Sie hat sich bisher nicht öffentlich dazu geäußert, ob sie nach ihrer Zeit bei den Vereinten Nationen ein neues Amt anstrebt. Bei ihrer Wahl im Juni 2025 hatte sie 167 Stimmen erhalten, 14 Delegationen enthielten sich.
Fehlende Beiträge: UN-Behörde ILO verweigert US-Amerikaner Sheng Li Spitzenposten
UN-Berichterstatterin über Deutschland: „Demokratie durch Verbote von Parteien zu retten, untergräbt die Demokratie selbst“
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]