Pendler und Reisende müssen sich an diesem Freitag erneut auf weitreichende Einschränkungen im Fern- und Regionalverkehr der Deutschen Bahn und anderer Verkehrsunternehmen einstellen. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) rief für die Zeit von 3 Uhr bis 11 Uhr zum flächendeckenden Warnstreik im Schienenverkehr auf. Von Donnerstagmorgen bis Freitagnacht plant zudem die Gewerkschaft Verdi Streiks an den Flughäfen Hamburg, Düsseldorf und Köln-Bonn.
Die Deutsche Bahn warnte vor „massiven Beeinträchtigungen“ den ganzen Freitag. Auch Fahrgäste der Berliner S-Bahn müssen mit Einschränkungen rechnen. Die BVG ist dagegen nicht vom Warnstreik betroffen.
Großer Bahnstreik am Freitag: Das sollten Berliner Fahrgäste jetzt wissen
„Es wird kein einziger Zug fahren am Freitag“
„Wir setzen ein deutliches Zeichen, dass wir nicht die Fahrgäste sondern die Unternehmen treffen wollen, indem wir diesmal zu einem zeitlich befristeten Warnstreik in den frühen Morgenstunden aufrufen“, teilte EVG-Vorstandsmitglied Cosima Ingenschay mit. „Es wird kein einziger Zug fahren am Freitag“, so Ingenschay. Dass Verdi zeitgleich streike, sei aber „ein Zufall“, versicherte Tarifvorstand Kristian Loroch. Ende März hatten beide Gewerkschaften gemeinsam den öffentlichen Verkehr bundesweit lahmgelegt.
Fernverkehr wird ab 13 Uhr schrittweise wieder aufgenommen
Die Deutsche Bahn erklärte, nach Ende des Ausstands am Freitag sollten im Regional- und S-Bahnverkehr der DB „zeitnah wieder so viele Verbindungen wie möglich nach dem regulären Fahrplan angeboten werden“. Hier könne es aber im Laufe des Nachmittags noch zu Beeinträchtigungen kommen. Der Fernverkehr der DB werde ab 13 Uhr schrittweise wieder aufgenommen. Hier sei aber „bis in die frühen Abendstunden“ mit Auswirkungen zu rechnen.
Bahn-Warnstreik am Freitag: Das können Sie tun, wenn Sie gestrandet sind
Die EVG setzt an diesem Mittwoch ihre Verhandlungen mit dem Eisenbahn-Unternehmen Transdev fort. In der kommenden Woche sollen die Gespräche auch bei der Deutschen Bahn weiter gehen, die besonders im Fokus steht. Die Arbeitnehmervertreter fordern in den Verhandlungen mit der Branche für die Beschäftigten mindestens 650 Euro mehr pro Monat oder zwölf Prozent bei den oberen Einkommen sowie eine Laufzeit von zwölf Monaten. Derzeit verhandelt die Gewerkschaft in zweiter Runde nach und nach mit rund 50 Eisenbahn-Unternehmen.
Einen ersten Warnstreik hatte die EVG bereits Ende März gemeinsam mit der Gewerkschaft Verdi organisiert. Damals lag nicht nur der Regional- und Fernverkehr auf der Schiene, sondern auch der Luft- und Wasserverkehr still. Verdi verhandelt derzeit mit Bund und Kommunen über mehr Geld für die rund 2,5 Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst.
Schlichter schlagen Inflationsausgleich von insgesamt 3000 Euro vor
Am Wochenende hatte die DB die Schlichtungsempfehlung für den Öffentlichen Dienst als „Orientierung“ für die Tarifverhandlungen mit der EVG bezeichnet. Die Empfehlung sieht einen Inflationsausgleich von 3000 Euro und ab März nächsten Jahres monatlich mindestens 340 Euro mehr Gehalt vor. Ab März 2024 soll es dann einen Sockelbetrag von 200 Euro sowie anschließend ein Lohnplus von 5,5 Prozent geben.
EVG-Tarifvorstand Loroch kritisierte das scharf: Die EVG erwarte, „dass von der Deutschen Bahn nicht Empfehlungen an andere Gewerkschaften abgeschrieben werden, sondern konkret auf unsere Forderungen eingegangen wird“. Das müsse Grundlage der dritten Verhandlungsrunde am kommenden Dienstag sein. Auch eine kurze Laufzeit sei der Gewerkschaft wichtig.
EVG setze nur auf Krawall: „Maß und Mitte komplett verloren“
DB-Personalvorstand Martin Seiler kritisierte, die EVG habe „Maß und Mitte komplett verloren“. Freitag sei der reisestärkste Tag der Woche bei der DB, der Warnstreik treffen viele Pendlerinnen und Pendler „besonders hart“.
Die EVG setze „nur auf Krawall“, sagte Seiler weiter. Er warf der Gewerkschaft vor, „auf dem Rücken der Fahrgäste“ ihren Konkurrenzkampf mit der Gewerkschaft der Deutschen Lokomotivführer (GDL) auszutragen. „Das ist nicht seriös.“ Der Warnstreik sei eine „reine Mitgliederwerbeaktion“.
Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) rief die EVG dazu auf, „die Maßnahmen so zu ergreifen, dass die Interessen der Bevölkerung berücksichtigt werden. Mobilität sei "ein hohes Gut“ für die Menschen, sagte er dem Nachrichtenportal „The Pioneer“. Er hoffe, dass es bald zu einer Einigung der Tarifpartner komme.
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