„Ohne Landwirte kein Erntedank“: Unter diesem Motto hat der Bauernverband Mecklenburg-Vorpommern beim Landeserntedankfest in Grabow ein kritisches Zeichen gesetzt. Inmitten der reich geschmückten, bunten Wagen des Festumzugs klaffte eine Lücke. Ein leerer Wagen ohne Ähren und Ackerfrüchte wies auf die teilweise dramatische Lage der Landwirtschaftsbetriebe in MV hin.
„Unsere Betriebe sind durch die explodierenden Kosten in ihrer Existenz bedroht“, warnt Karsten Trunk, Präsident des Bauernverbandes MV. Und wo ein Hof aufgeben muss, entsteht weit mehr als eine Lücke. „Es bedeutet leere Regale, leere Teller und am Ende auch einen leeren ländlichen Raum“, so der Präsident. Die Existenzgrundlage ganzer Familien, viele Arbeitsplätze und das lebendige Dorfleben stünden auf dem Spiel. Denn oft seien die Landwirtschaftsbetriebe die letzte Quelle an Wirtschaftskraft im ländlichen Raum.
„Wir feiern heute die Ernte und danken allen, die sie unter vollem Einsatz möglich gemacht haben“, betont Bauernverbandspräsident Karsten Trunk. „Gerade an einem solchen Tag müssen wir aber auch fragen, wer künftig überhaupt noch ernten kann. Der leere Wagen steht für Betriebe, denen steigende Kosten und fehlende Perspektiven die Grundlage entziehen. Damit aus Erntedank kein Abschied wird, braucht die Landwirtschaft endlich wieder Luft zum Arbeiten.“
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Forderungen an Landesregierung und künftige Koalition
Wie tief die Sorgen in der Praxis sitzen, schildert Tim Schmüser, Landwirt und Vorsitzender des Bauernverbandes Ludwigslust, aus betrieblicher Sicht: „Weil die Kosten viel zu hoch und die Erlöse viel zu niedrig sind, geraten die Betriebe in extreme finanzielle Schieflage.“ In allen Bereichen seien die Kosten in hohem Tempo gestiegen – allen voran bei Energie und Kraftstoff, aber auch bei Dünger, Pflanzenschutz, Werkstattleistungen und Ersatzteilen. „Noch so ein Jahr stehen viele Betriebe nicht durch. Sie stehen vor dem Ende“, so Schmüser am Rande des Landeserntedankfestes.
Zahlreiche Landwirtinnen und Landwirte tragen das Landeserntedankfest und den Umzug in Grabow mit. Der leere Anhänger inmitten der Feier verbindet den Dank für die diesjährige Ernte mit dem Arbeitsauftrag an die Politik, die nächste Ernte möglich zu machen. Seine Forderungen an die künftige Landespolitik hat der Bauernverband MV in dieser Woche in einem Brief an Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und die an den Koalitionsverhandlungen beteiligten Parteien benannt.
Zwischen all den Festwagen stach der des warnenden Bauernverbandes hervor.
© Sarah Selig/BVMV
Es brauche einen verlässlichen Kompass für eine zukunftsfähige und wettbewerbsfähige Landwirtschaft in MV. Gefordert wird eine erkennbare Entbürokratisierung beispielsweise durch spürbar einfachere und schnellere Genehmigungsverfahren, eine Förderung für Tierwohlställe, verlässliche, langfristige Perspektiven für die Tierhaltung, praxistaugliche Regeln der europäischen Agrarpolitik sowie bessere Bedingungen für Investitionen und die Stärkung regionaler Wertschöpfungsketten.
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