Mecklenburg-Vorpommern

„Tüffeln, Trecker un Tohuus“ - Grabow feiert am Wochenende das Landeserntedankfest

Nach 30 Jahren ist Grabow wieder Gastgeberin des größten Erntedanks des Landes. Die Bürgermeisterin spricht von einer besonderen Ehre für die kleine Stadt.

5 Min
Simona Pries und Bürgermeisterin Kathleen Bartels (r.) bereiten die Erntekrone für ihren großen Auftritt am Sonntag vor.

Simona Pries und Bürgermeisterin Kathleen Bartels (r.) bereiten die Erntekrone für ihren großen Auftritt am Sonntag vor.

© Stadt Grabow

Für die Stadt Grabow im Landkreis Ludwigslust-Parchim steht nach Monaten der Vorbereitung ein spektakuläres Wochenende bevor. Das 35. Landeserntedankfest Mecklenburg-Vorpommerns kehrt nach drei Jahrzehnten an die Elde zurück. Und mit diesem großen Spektakel zu Ehren der regionalen Landwirtschaft kommen vom 2. bis 4. Oktober tausende Gäste aus dem ganzen Land in die Heimat der Grabower Küsschen. Den Staffelstab bekam Grabow 2025 beim Landeserntedankfest in Wismar überreicht.

„Das ist für uns eine große Ehre“, verrät Bürgermeisterin Kathleen Bartels im Gespräch mit der OAZ. Dass Grabow den Zuschlag für das bedeutendste Erntedankfest des Landes bekommen habe, verdanke sie nicht zuletzt dem Mut, Verantwortung für so ein Großereignis zu übernehmen - und auch einem starken Netzwerk aus Landkreis, Bauernverband, Landfrauen und Jagdverband. „Alleine würden wir es als kleine Kommune gar nicht stemmen können“, sagt die Bürgermeisterin.

Drei Tage lang dreht sich alles um die Ernte

Wer an diesem Wochenende ein Volksfest mit Jahrmarktcharakter erwartet, liegt allerdings falsch. „Wir setzen bewusst auf ein traditionelles Programm", erklärt Kathleen Bartels. Im Mittelpunkt stehen Produkte, Menschen und Geschichten aus dem ländlichen Raum. Das Motto fasst diesen Anspruch treffend zusammen: „Tüffeln, Trecker un Tohuus“ - Kartoffeln, Traktoren und Zuhause.

Und natürlich darf dabei die Kartoffel nicht fehlen. Beim Kartoffelpufferbraten greifen Landrat Stefan Sternberg, eine Landfrau und Vertreter des Bauernverbandes höchstpersönlich zum Pfannenwender. Landwirtschaft soll bei diesem Fest nicht einfach als abstraktes Thema daherkommen, sondern als etwas, das man sehen, anfassen und eben auch schmecken kann.

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Am Freitagabend geht es zunächst noch vergleichsweise ruhig los, aber nicht unbedingt leise. Denn ab 20 Uhr übernehmen DJs aus der Region den Grabower Marktplatz. Die Innenstadt gehört dann bereits nicht mehr dem Autoverkehr. Seit Freitagmittag sind die Straßen gesperrt, um der Festmeile mit Regionalmarkt Platz zu machen. Shuttlebusse bringen die Besucher ins Zentrum.

Nach der lautstarken Ernte-Sause steht dann am Samstag das eigentliche Festgeschehen im Mittelpunkt. Schon am Morgen kommen im Grünen Steig die ersten Besucher zur Kreisjungtierschau. Rund 205 Rassekaninchen aus drei Bundesländern werden dort zu sehen sein. Ein Stück ländliches Leben, das andernorts längst aus dem Alltag verschwunden ist.

Wenige Straßen weiter riecht es nach Essen, frisch gebackenem Brot und Bratwurst. Auf dem Regionalmarkt treffen an diesem Tag Produzenten, Handwerker und Besucher aufeinander. Es gibt Käse und Fisch, Backwaren und Wagyu-Burger, dazwischen Musik und jede Menge Gelegenheit zum Schauen und Probieren. Jagdhornbläser sind ebenso dabei wie die Grabower Blasmusik. Die „Glutsbrüder“ zeigen beim Showkochen, was sich aus guten Zutaten machen lässt. Danny Buller sowie Bauer Korl und die Korl Boi's sorgen für Unterhaltung.

Am Abend wird es dann noch ein bisschen festlicher. Beim Ernteball spielt eine Liveband, und aus dem Marktplatz wird für einige Stunden ein Tanzboden.

Am Sonntag um 11.30 Uhr rollen Traktoren und Erntewagen durch die historische Altstadt von Grabow.

Am Sonntag um 11.30 Uhr rollen Traktoren und Erntewagen durch die historische Altstadt von Grabow.

© Heiko Rebsch/dpa

Der Sonntag gehört den Treckern

Der ganz große Auftritt kommt schließlich am Sonntag. Und dieser beginnt nicht mit Motorenlärm, sondern mit Glockengeläut. Um 10 Uhr wird in der Stadtkirche St. Georg der Erntedankgottesdienst gefeiert. Jagdhornbläser begleiten ihn musikalisch. Wer draußen auf dem Markt bleibt, soll den Gottesdienst über eine Übertragung mitverfolgen können. Auch Ministerpräsidentin Manuela Schwesig hat sich angekündigt.

Danach wird es auf den Straßen eng. Denn um 11.30 Uhr setzt sich der Festumzug an der Lenzener Chaussee in Bewegung und zieht durch die historische Altstadt bis zum Markt. Traktoren und Erntewagen rollen durch Grabow, begleitet von Feuerwehren, Vereine, Schulen und Musikgruppen.

Wie lang der Zug tatsächlich wird, lässt sich laut Bürgermeisterin vorab aber schwer sagen. „Ob alle tatsächlich teilnehmen, sehen wir erst am Festtag“, meint sie. Die Zahl der angemeldeten Wagen könnte allerdings dreistellig werden. Und somit würde der Umzug weitaus größer als beim letzten Erntedankfest in Wismar sein.

Die Erntekrone als Schlusspunkt

Auf dem Markt laufen die Fäden dann zusammen und münden in den offiziellen Festakt, der gegen 14.30 Uhr starten soll. Die Ministerpräsidentin, der Landwirtschaftsminister und die Bürgermeisterin werden zu den Besuchern sprechen, danach wird die Erntekrone übergeben und der schönste Umzugswagen wie auch die schönste Erntekrone gekürt. Den Schlussakkord spielt das Landespolizeiorchester.

Gegen 17 Uhr dürfte es auf dem Marktplatz langsam wieder ruhiger werden. Aber die Wimpelketten, genäht von Frauen der Stadt, werden auch nach diesem Wochenende über den großen Straßen der Stadt hängen. Denn eigentlich waren sie für das 775-jährige Stadtjubiläum im kommenden Jahr gedacht. Nun schmücken sie schon jetzt Grabow.

Die Bürgermeisterin hofft auf jeden Fall, dass das Landeserntedankfest 2026 mehr als ein gelungenes Wochenende hinterlässt: „Wir wollen Gästen aus ganz Mecklenburg-Vorpommern unsere Stadt zeigen.“

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