Mehrere tausend Menschen haben am Freitag vor dem Brandenburger Tor in Berlin gegen eine mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht und gegen militärische Aufrüstung demonstriert. Gegen 17 Uhr schätzte die Berliner Polizei die Zahl der Teilnehmer auf rund 2000. Im Vorfeld war die Polizei von bis zu 30.000 möglichen Teilnehmern ausgegangen.
Aufgerufen hatte das Bündnis „Unzwingbar – Kein Bock auf Krieg und Wehrpflicht!“. Auf Transparenten und bei Sprechchören wandten sich Teilnehmer gegen eine verpflichtende Einberufung und forderten unter anderem höhere Ausgaben für Bildung, Gesundheit und Soziales statt für militärische Aufrüstung. Diese Forderungen entsprechen dem offiziellen Aufruf des Bündnisses.
Zu den Veranstaltern und Unterstützern zählen unter anderem die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen, IPPNW, Attac, das Netzwerk Friedenskooperative, die NaturFreunde sowie Aktive der Schulstreiks gegen Wehrpflicht. Unterstützt wird die Veranstaltung außerdem von Organisationen wie Greenpeace und Sea-Watch.
Bundeswehr mustert schon 2026: Auch wer „Nein“ angekreuzt hat
K.I.Z und Disarstar bei Protest gegen Wehrpflicht
Die Veranstaltung ist als Mischung aus politischer Kundgebung und Konzert angelegt. Auf dem Programm stehen die Berliner Hip-Hop-Gruppe K.I.Z, der Hamburger Rapper Disarstar, Apsilon, Dritte Wahl und weitere Musiker. Redebeiträge kommen unter anderem von Schülervertretern, der Greenpeace-Jugend sowie der Deutschen Friedensgesellschaft. Auch Martin Sonneborn, Vorsitzender der Satirepartei Die Partei und Mitglied des Europaparlaments, sprach auf der Bühne.
Der Veranstalter hatte die Kundgebung von 16 bis 21 Uhr angesetzt. Im offiziellen Aufruf heißt es, junge Menschen wollten keinen verpflichtenden Militärdienst leisten. Das Bündnis wendet sich außerdem gegen die Rekrutierung Minderjähriger durch die Bundeswehr und fordert eine umfassende Anerkennung der Kriegsdienstverweigerung.
Eine Teilnehmerin demonstriert mit einem überdimensionalen Füllfederhalter für Bildung.
© Christian Ditsch/epd
Was beim neuen Wehrdienst bereits verpflichtend ist
Hintergrund der Proteste ist das seit Januar geltende Wehrdienst-Modernisierungsgesetz. Seit Anfang 2026 erhalten deutsche Männer und Frauen nach ihrem 18. Geburtstag einen Fragebogen der Bundeswehr zu Eignung und Bereitschaft für den Wehrdienst. Männer müssen ihn beantworten, für Frauen ist die Teilnahme freiwillig. Rund 350.000 deutsche Männer werden nach Angaben der Bundeswehr jedes Jahr 18 Jahre alt.
Eine allgemeine Einberufung zum Wehrdienst gibt es derzeit nicht. Der neue Wehrdienst basiert zunächst auf Freiwilligkeit. Für Männer des Jahrgangs 2008 soll allerdings ab 1. Juli 2027 eine verpflichtende Musterung beginnen. Werden die gesetzlich vorgesehenen Personalziele nicht erreicht, könnte eine sogenannte Bedarfswehrpflicht eingeführt werden. Darüber müsste der Bundestag erneut entscheiden.
Die frühere verpflichtende Einberufung zur Bundeswehr war 2011 ausgesetzt worden. Die Wehrpflicht selbst blieb jedoch im Grundgesetz und im Wehrpflichtgesetz verankert.
Hunderte Menschen protestieren vor dem Brandenburger Tor gegen die Wehrpflicht und Rüstungspolitik der Bundesregierung.
© Christian Ditsch/imago
Weitere Demonstration am Samstag in Berlin
Bereits am Samstag ist in Berlin eine weitere größere Demonstration gegen Aufrüstung und Wehrpflicht angekündigt. Sie wird von einem anderen Bündnis organisiert und soll um 13 Uhr beginnen. Die geplante Route führt vom Brandenburger Tor durch Teile des Regierungsviertels und anschließend wieder zurück. Die Veranstalter meldeten nach Angaben des rbb bis zu 40.000 Teilnehmer an. Parallel ist eine Demonstration in Stuttgart geplant.
Das Bündnis „Unzwingbar“ betont, dass beide Veranstaltungen von unterschiedlichen Gruppen organisiert werden und teilweise unterschiedliche Zielgruppen ansprechen. Gemeinsam sei ihnen die Ablehnung von Krieg, Aufrüstung und Wehrpflicht.
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