Es ist ein beliebter Blumenladen im angesagten Neuköllner Weserkiez. Auf beachtliche 4,8 Sterne kommt das Geschäft Blütenmädchen Berlin allein bei Google. Ein „wundervolles und großes Schnittblumen-Angebot“ gäbe es dort, schwärmen Rezensenten, „nicht so nullachtfünfzehn wie überall, sondern besonders und natürlich.“
Doch jetzt hat die Betreiberin bei Instagram bekannt gegeben, dass sie ihr Geschäft aufgeben muss. Ende Oktober werde das Blütenmädchen Berlin seine Türen schließen, schreibt Mandy Niersberger dort.
Die Floristin geht ins Detail – und erzählt dabei eine Berliner Geschichte, die vielen so oder ähnlich bekannt vorkommen dürfte.
Utopisch, eine bezahlbare Wohnung zu finden
Sie habe sich in den letzten Wochen den Kopf darüber zerbrochen, wie sie ihren Kunden und Followern das sagen könne. Die letzten sechs Jahre seien die wildesten, anstrengendsten, aber auch die schönsten ihres Berufslebens gewesen. Doch dann sei etwas passiert.
„Unsere private Wohnung in Neukölln wird (Überraschung) verkauft“, es sei „utopisch“, mit Kind und Hund eine bezahlbare Wohnung zu finden. „Zeitgleich ist uns zufällig in Finsterwalde ein Objekt aufgefallen. Wir haben nicht gesucht, es hat uns gefunden.“
Damit sei die Entscheidung, nach Brandenburg zu ziehen, gefallen. In Finsterwalde, dem einwohnerreichsten Ort im Landkreis Elbe-Elster, betreibt die Floristin bereits seit zwei Jahren eine Trockenblumen-Manufaktur.
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Eine Zeitlang habe sie geglaubt, beide Standorte in Berlin und Brandenburg managen zu können: „Das Geschäft in Finsterwalde lief bisher nur nebenbei, kaum Zeit dafür, immer nur dazwischen gequetscht. Die Nachfrage und die Möglichkeiten wurden dort immer mehr. Mein Wohnort hat sich verändert, meine Prioritäten, die meiner Familie gelten, haben sich verändert.“
Aber nicht nur das, so die Geschäftsfrau: „Berlin hat sich verändert, der Kiez hat sich verändert. Mietenwahnsinn... Die Entscheidung musste getroffen werden.“
Wenn sich in Berlin Ende Oktober die Türen schließen, fange in Finsterwalde ein neues Kapitel an. In der Hauptstadt arbeite man mit dem Team noch an einer Lösung: „Wie schön wäre es, wenn die zwei euch bekannten Gesichter Zsofi und Lotte euch vielleicht bald weiter im Laden freudig begrüßen. Der Wille und der Wunsch ist da. Die Entscheidung treffen leider wie immer nicht wir.“
Mandy Niersberger hatte sich schon vor zwei Jahren als Fan von Finsterwalde geoutet, auch „weil dort die Mieten einfach noch sehr fair sind“. Die Floristin hat ihre Wurzeln in Elbe-Elster, somit ist ihre Trockenblumen-Manufaktur auch eine Rückkehr in die Heimat.
Auf Instagram aber herrscht bei den Berliner Stammkunden erst einmal Traurigkeit: „Wie schade für unseren Kiez! Ich hoffe, ihr bleibt uns irgendwie erhalten“, heißt es dort. Die Betreiber der Buchkönigin im benachbarten Reuterkiez schreiben: „Wo sollen wir denn ohne euch die schönsten Blumensträuße für unsere Bücher finden? Aber wir verstehen die Entscheidung voll und ganz.“
Und so liest man eben auch Optimistisches zum Neuanfang in Brandenburg in den Kommentaren: „Wie toll, dass Finsterwalde euch jetzt hat. Brandenburg braucht so stabile Leute und schöne Orte wie euch.“
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