Eine Gruppe Jugendlicher hat am Samstag in einem Park in Brandenburg an der Havel einen 12- und einen 13-Jährigen mit einem sogenannten Polenböller beworfen. Die beiden blieben unverletzt, die Polizei sucht nach vier Teenagern. Der Vorfall reiht sich in eine Serie von Gewalttaten Jugendlicher in Brandenburg ein. Zuletzt hatte ein Angriff auf einen 14-Jährigen in Frankfurt (Oder) weit über die Stadt hinaus Entsetzen ausgelöst.
Zu diesem Fall haben sich mehrere Leser an die Ostdeutsche Allgemeine Zeitung gewandt. Sie fordern ein härteres Vorgehen, auch gegenüber den Familien. Nach der Tat, bei der etwa zehn Kinder und Jugendliche vor einer Oberschule auf den Schüler eingetreten hatten, suchte die Polizei die Familien der Tatverdächtigen zu Hause auf. Innenminister Jan Redmann (CDU) erwartet von den Eltern eine Reaktion. Eine Leserin hält diese Gespräche für sinnlos, da sie bei den Erziehungsberechtigten ebenso wenig bewirkten wie bei den Kindern. Sie fordert, die Familien auszuweisen und ihnen staatliche Leistungen zu streichen. Das würde aus ihrer Sicht auch mögliche Nachahmer abschrecken.
Eine weitere Zuschrift drückt Mitgefühl mit dem angegriffenen Jugendlichen aus und verlangt ebenfalls, die Tatverdächtigen samt ihren Familien abzuschieben, damit Kinder sicher zur Schule gehen könnten. Die Politik müsse endlich durchgreifen und ein Zeichen setzen.
Erinnerung an einen Fall von 2018
Ein Leser erinnert an einen Fall aus dem Jahr 2018. Damals hatten in Frankfurt (Oder) zehn bis fünfzehn Asylbewerber den Club Frosch mit Messern und Steinwürfen überfallen. Dabei wurden zwei Gäste leicht verletzt. Der damalige Oberbürgermeister René Wilke, seinerzeit für die Linke, heute Sozialminister (SPD), kündigte daraufhin an, wiederholt straffällige Asylbewerber aus der Stadt ausweisen zu lassen.
Die Stadt leitete gegen sieben Männer aus Syrien, Pakistan und den Palästinensergebieten Ausweisungsverfahren ein. Das erste davon endete Anfang 2019 zugunsten des Betroffenen: Die Ausländerbehörde wertete sein Interesse, in Deutschland zu bleiben, höher, seine Straftat reichte für eine Ausweisung nicht aus. Eine Ausweisung bedeutet allerdings noch keine Abschiebung; nach Syrien wurde damals wegen des Bürgerkriegs ohnehin nicht abgeschoben.
Kritisch sieht der Leser auch die Taskforce Jugendgewalt, die Potsdam nach mehreren Angriffen von Jugendgruppen eingerichtet hat. Sie schaffe lediglich eine neue Stelle. Er fordert, dass die Justiz auf Strafen statt auf Erziehung setzt, und verweist auf die 2010 verstorbene Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig. Ihr sogenanntes Neuköllner Modell zielt darauf, dass jugendliche Täter bei leichteren Delikten binnen weniger Wochen vor Gericht stehen. Heisig selbst hatte sich allerdings gegen eine Verschärfung des Jugendstrafrechts ausgesprochen und am Erziehungsgedanken festgehalten.
Was in Frankfurt (Oder) geschah
Die Tatverdächtigen zwischen 13 und 15 Jahren hatten den 14-Jährigen am vergangenen Mittwoch geschlagen und getreten, auch gegen den Kopf und noch, als er bereits am Boden lag. Sie filmten die Tat und verbreiteten das Video im Internet. Die Polizei warnte davor, das Video weiterzuleiten, dies könne strafbar sein. Bildungsminister Gordon Hoffmann (CDU) kritisierte, dass umstehende Schüler gefilmt hätten, statt einzugreifen.
Am Tag nach der Tat nahm die Polizei einen Teil der Tatverdächtigen während des Unterrichts in Gewahrsam. Ermittelt wird gegen zehn Kinder und Jugendliche mit deutscher, polnischer, russischer und syrischer Staatsangehörigkeit wegen gefährlicher Körperverletzung und Raubes. Oberbürgermeister Axel Strasser (parteilos) sprach von einem in der Stadt bislang unbekannten Ausmaß „organisierter Jugendgewalt“. „Täter müssen Konsequenzen spüren, und zwar gerade jugendliche Täter sehr schnell“, sagte Redmann im RBB. Geprüft werde auch, ob Abschiebungen möglich seien. Sozialminister Wilke drohte mit aufenthaltsrechtlichen Konsequenzen.
Sicherheitskonferenzen in Potsdam und Frankfurt (Oder)
In Potsdam kamen am Donnerstag Polizei, Stadt, Innenministerium, Staatsanwaltschaft und Schulamt zu einer Sicherheitskonferenz zusammen. Laut Redmann werden dort auffällig gewordene Personen einzeln besprochen. Frankfurt (Oder) hat ein ähnliches Treffen für den 27. Oktober angesetzt.
Nach Schulattacke in Brandenburg: Innenminister prüft Abschiebungen
Frankfurt (Oder): Schüler brutal verprügelt – zehn tatverdächtige Kinder und Jugendliche
In Potsdam sind seit 2024 vermehrt migrantisch geprägte Jugendgruppen polizeilich aufgefallen, so der Innenminister. Nach Polizeiangaben handelt es sich um lose Gruppierungen, nicht um eine feste Bande. Gegen zwei Tatverdächtige im Alter von 15 und 17 Jahren wurden dort in der vergangenen Woche Haftbefehle erlassen und vollstreckt. Auch in Cottbus gab es zuletzt Gewalt an Schulen, an mindestens einer Schule wurde Sicherheitspersonal eingesetzt.
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