Jugendgewalt

Nach Schulattacke in Brandenburg: Innenminister prüft Abschiebungen

Zehn Jugendliche treten vor einer Schule in Frankfurt (Oder) auf einen 14-Jährigen ein. Nun klingelt die Polizei bei den Eltern. Welche Folgen drohen den Tätern?

4 Min
Noch klicken keine Handschellen nach der Attacke auf einen 14-Jährigen in Frankfurt (Oder): Die Polizei führt derzeit Gespräche mit den jugendlichen Tatverdächtigen und ihren Familien.

Noch klicken keine Handschellen nach der Attacke auf einen 14-Jährigen in Frankfurt (Oder): Die Polizei führt derzeit Gespräche mit den jugendlichen Tatverdächtigen und ihren Familien.

© David Inderlied/dpa

Nach der Schulattacke in Frankfurt (Oder) zieht die Polizei die Familien der mutmaßlichen Täter zur Verantwortung. Beamte suchen die Jugendlichen zu Hause auf und führen Gespräche mit deren Eltern. Der Staat will damit nach dem heftigen Angriff auf einen 14-Jährigen auf schnelle, sichtbare Reaktionen setzen. Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) machte deutlich, dass Konsequenzen vor allem bei jungen Tätern ohne lange Verzögerung folgen müssten.

Was war passiert, wer gehört zu den Verdächtigen – und welche rechtlichen Folgen sind überhaupt möglich?

Was vor der Schule geschah

Etwa zehn Jugendliche im Alter zwischen 13 und 15 Jahren gingen am vergangenen Mittwoch vor einer Oberschule auf einen 14-Jährigen los. Sie schlugen und traten auf ihn ein – auch gegen den Kopf und selbst dann noch, als er bereits am Boden lag.

Die Gruppe filmte die Tat und verbreitete das Video über das Internet. Die Aufnahmen lösten weit über die Stadt hinaus Fassungslosigkeit aus.

Die Polizei Brandenburg warnte ausdrücklich davor, das Video weiterzuleiten. Das Verbreiten solcher gewaltverherrlichenden Inhalte könne strafbar sein, teilte die Behörde am 16. Oktober 2026 mit.

Polizei spricht auch mit den Eltern

Einen Tag nach der Tat holte die Polizei einen Teil der Tatverdächtigen aus dem laufenden Schulunterricht. Man habe mit der „dringend gebotenen Entschlossenheit“ gehandelt, erklärte ein Polizeisprecher. Die Jugendlichen seien in Gewahrsam genommen und erkennungsdienstlich behandelt worden.

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Zugleich suchen Beamte die Familien der Verdächtigen auf. „Sie spricht mit den Erziehungsberechtigten, die sind der erste Ansprechpartner und wir erwarten, dass auch da eine Reaktion erfolgt“, sagte Innenminister Redmann im RBB.

Der Minister betonte seine Erwartungshaltung an die Familien: „Man hat Verantwortung für seine Kinder, und wenn Kinder Straftaten begehen, erwarte ich auch von den Eltern, dass sie entsprechend handeln.“ Allgemein gelte: „Täter müssen Konsequenzen spüren, und zwar gerade jugendliche Täter sehr schnell.“

Was den Tatverdächtigen rechtlich droht

Derzeit geht die Polizei von zehn Tatverdächtigen aus. Es handelt sich um Kinder und Jugendliche mit deutscher, polnischer, russischer und syrischer Staatsangehörigkeit. Der Vorwurf lautet auf gefährliche Körperverletzung und Raub.

Die rechtlichen Folgen fallen je nach Alter unterschiedlich aus. Kinder unter 14 Jahren sind nach deutschem Strafrecht schuldunfähig; für sie kommen keine strafrechtlichen Verurteilungen, sondern Maßnahmen von Jugendhilfe und Schule infrage. Für die 14- und 15-Jährigen greift das Jugendstrafrecht, das vor allem auf den Erziehungsgedanken ausgerichtet ist.

Der Strafverteidiger Benjamin Grunst wies auf dem Fachportal anwalt.de darauf hin, dass trotz der drastischen Bilder die Schuld jedes Einzelnen geprüft werden müsse. Die bloße Anwesenheit in der Gruppe begründe noch keine strafrechtliche Beteiligung an einer gefährlichen Körperverletzung.

Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) will mögliche Abschiebungen der Täter prüfen.

Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) will mögliche Abschiebungen der Täter prüfen.

© Jens Kalaene/dpa

Innenminister Redmann kündigte außerdem an, dass auch mögliche Abschiebungen geprüft würden. Im Vordergrund stehe aber das akute Handeln: „Wir machen jetzt erst mal Repression, dass die Gewalt aufhört.“

Scharfe Reaktionen aus der Politik

Oberbürgermeister Axel Strasser (parteilos) zeigte sich zutiefst schockiert und sprach von einem in Frankfurt (Oder) bislang unbekannten Ausmaß „organisierter Jugendgewalt“. Er kündigte ressortübergreifende Sicherheitsgespräche an; das erste Treffen soll am 27. Oktober im Rathaus stattfinden.

Sozialminister René Wilke (SPD) drohte den Verdächtigen mit aufenthaltsrechtlichen Konsequenzen: „Wer für Unsicherheit in unserem Land sorgt, kann sich nicht auf die Unsicherheit in seinem Herkunftsland berufen.“

Bildungsminister Gordon Hoffmann (CDU) forderte mehr Zivilcourage. Er kritisierte, dass umstehende Schüler die Tat gefilmt hätten, statt einzugreifen: „Schutz vor Gewalt fängt nicht erst in der Schule an, jeder von uns ist gefordert.“

Jugendgewalt in mehreren Städten

Das Problem der Jugendgewalt ist in mehreren Brandenburger Städten ein Thema. In Cottbus kam zuletzt nach Gewaltattacken Sicherheitspersonal an mindestens einer Schule zum Einsatz. Schüler wurden aus Sicherheitsgründen von der Schule genommen.

In Potsdam und im Grenzgebiet zu Berlin sorgten zuletzt mehrere Angriffe von Jugendgruppen für Entsetzen: Zwei Tatverdächtige verhaftete die Polizei in dieser Woche. Sie sind 15 und 17 Jahre alt. Zudem seien neun Jugendliche im Alter von 14 und 17 Jahren erkennungsdienstlich erfasst worden. Eine extra eingerichtete Ermittlungsgruppe geht derzeit verstärkt gegen Jugendliche vor, die in Potsdam und im Grenzgebiet zu Berlin Straftaten begangen haben sollen.

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