Mit Hilfe von bis zu 250 Meter langen Sedimentbohrkernen haben Forscher der Universität Jena die Landschaftsentwicklung im Tambacher Becken in Thüringen rekonstruiert. Die Region war demnach vor rund 294 Millionen Jahren von wilden Gebirgsflüssen geprägt und wurde zunehmend trockener.
Die im Rahmen des BROMACKER-Projekts in den Jahren 2022 und 2023 bei Finsterbergen und Tambach-Dietharz niedergebrachten Bohrungen erlaubten erstmals die Analyse vollständiger Ablagerungsabfolgen der Tambach-Formation. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal „Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology“ veröffentlicht.
Den Auswertungen zufolge wurde das Gebiet zunächst von ganzjährig wasserführenden Gebirgsflüssen geprägt, die aus einem Hochgebiet östlich von Tambach kamen. Diese Flüsse schnitten den Forschern zufolge bis zu 100 Meter tiefe Canyons in das Hochgebiet und lagerten grobe Gerölle im Vorland ab. Mit fortschreitender Abtragung nahm das Relief ab, das Becken wurde aber weiterhin regelmäßig überflutet.
Im Niveau des sogenannten Bromacker-Sandsteins, in dem auch die berühmte Fossilfundstelle liegt, fanden die Wissenschaftler Hinweise auf ein zeitweises Austrocknen der Flüsse. Zugleich belegen Gesteinsbruchstücke ein neu entstandenes Mittelgebirge westlich des Beckens und damit tektonische Umwälzungen in der Region. Die Ablagerungen seien mit heutigen Flusssystemen in sehr trockenen Regionen wie Mittelasien vergleichbar, heißt es in der Mitteilung der Universität.
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Bedeutung für die Klimaforschung
„Die Lebewesen, die wir am Bromacker finden, lebten in einem Lebensraum, der nicht nur trocken und saisonal war, sondern vor allem immer trockener und saisonaler wurde“, sagte Erstautor Jakob Stubenrauch, Doktorand am Institut für Geowissenschaften der Friedrich-Schiller-Universität Jena.
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Die Tambach-Formation lasse sich in eine Übergangsphase zwischen einer globalen Eiszeit und dem Beginn eines Treibhausklimas einordnen, so die Forscher. Dieser Zeitraum sei der erdgeschichtlich jüngste Übergang dieser Art und könne als Vergleichsbeispiel für die derzeitige Klimaerwärmung dienen.
Die im Thüringer Wald gelegene Fossillagerstätte Bromacker ist nach Angaben der Universität wegen des gemeinsamen Vorkommens von Wirbeltierfährten und zugehörigen Skeletten weltweit einzigartig. An dem BROMACKER-Projekt sind neben der Universität Jena die Friedenstein Stiftung Gotha, das Museum für Naturkunde Berlin und der UNESCO Global Geopark Thüringen Inselsberg – Drei Gleichen beteiligt. Der Freistaat Thüringen fördert das Vorhaben nach Auslaufen der Bundesmittel vorläufig bis Ende 2027.
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