Luftverkehr

Bombendrohungen gegen 35 Flüge: EU-Geheimdienste prüfen Russland-Spur

An mehreren Flughäfen hat es diese Woche koordinierte Bombendrohungen gegeben.Europäische Geheimdienste untersuchen, ob die Fälle eine Verbindung zum Kreml haben könnten.

Katharina Erschov
Katharina Erschov
2 Min
Am 5. November wurde ein Aer-Lingus-Flug von Dublin nach Rom nach einer Bombendrohung auf einen Militärflugplatz umgeleitet.

Am 5. November wurde ein Aer-Lingus-Flug von Dublin nach Rom nach einer Bombendrohung auf einen Militärflugplatz umgeleitet.

© IMAGO/Sven Severing

Nach der Serie von Bombendrohungen gegen europäische Passagierflugzeuge prüfen Sicherheitsbehörden eine mögliche Verbindung nach Russland. Wie die Financial Times am Samstag unter Berufung auf Geheimdienstvertreter berichtet, laufen inzwischen grenzüberschreitende Ermittlungen zur Herkunft der Drohungen. Einige europäische Geheimdienstvertreter halten kremlnahe Aktivisten oder Hackergruppen für mögliche Urheber, wie die Zeitung unter Berufung auf Geheimdienstmitarbeiter berichtet.

Nach Angaben der europäischen Flugsicherungsorganisation Eurocontrol waren am 3., 5. und 6. November insgesamt 35 Flüge von Bombendrohungen betroffen. Allein am Donnerstag und Freitag wurden jeweils 14 Fälle registriert. Sprengsätze wurden bislang nicht gefunden.

Die Berliner Zeitung hatte bereits am Donnerstag über die Drohungsserie berichtet. Mehrere Passagierflugzeuge mussten umgeleitet oder von Kampfjets begleitet werden. Eine Maschine der Fluggesellschaft Aer Lingus auf dem Weg von Dublin nach Rom landete vorsorglich auf einem französischen Militärflugplatz. Ein Finnair-Flug von Helsinki nach Rom wurde von italienischen Kampfjets eskortiert.

Drohungen kamen von anonymen E-Mail-Konten

Nach Informationen der Financial Times wurden die Drohungen von unterschiedlichen anonymen E-Mail-Konten und aus verschiedenen Ländern verschickt. Eine Nachricht ließ sich demnach bis nach Kolumbien zurückverfolgen. Andere waren in der jeweiligen Landessprache der Empfänger verfasst.

Eine Drohung gegen den Flughafen Rom-Fiumicino wurde unter dem Namen der russischen ultranationalistischen Gruppierung „Male State“ verschickt. Deren Gründer bestritt allerdings eine Beteiligung.

Ob die Drohungen tatsächlich aus Russland gesteuert wurden, ist bislang ungeklärt. Selbst wenn kremlnahe Gruppen verantwortlich sein sollten, wäre damit noch nicht bewiesen, dass russische Geheimdienste die Aktionen angeordnet oder gebilligt haben.

Eurocontrol erklärte, die Vorfälle hätten trotz einzelner Flugumleitungen keine messbaren Auswirkungen auf die Verspätungen im europäischen Luftverkehr insgesamt gehabt.

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