Um 2.41 Uhr ist die Berliner Feuerwehr in der Nacht zu Montag in die Bissingzeile in Tiergarten alarmiert worden. Als die Einsatzkräfte eintrafen, brannte es in einem Teilbereich des Umspannwerkes Mitte. Nach Angaben von Per Kleist, dem stellvertretenden Landesbranddirektor, brannten auf dem Gelände davor außerdem ein Kleintransporter und Bauschutt. Die Feuerwehr kühlte zwei Gasflaschen, die von dem Brand im Außenbereich betroffen waren.
Die Stromversorgung war nach Angaben des Betreibers 50Hertz nicht beeinträchtigt. Die Feuerwehr war mit 54 Kräften im Einsatz. Die Polizei ermittelte vor Ort mithilfe des Betreibers, ob eine Straftat oder ein technischer Defekt zugrunde liegt.
Brand an Umspannwerk in Berlin: Betreiber äußert sich
Ein Sprecher des Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz sagte, derzeit deute alles darauf hin, dass es sich bei der Ursache um einen technischen Fehler handelte.
„Es sieht aktuell nach einem technischen Defekt durch Kurzschluss aus, der zu einer Explosion geführt hat“, sagte Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel.
Rund um das Umspannwerk fielen am Montagmorgen Dutzende Ampeln zeitweise aus. Nach Angaben der Verkehrsverwaltung handelte es sich um 50 bis 60 der Signalanlagen.
Warum die Behörden bei Umspannwerken derzeit alarmiert sind
„Wir müssen von einer erhöhten Bedrohungslage ausgehen“, sagte Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) am Montag im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses. „Angriffe auf Energieanlagen habe es in Berlin schon öfter gegeben.“ Ermittler gehen derzeit in mehreren Bundesländern Sabotageakten und verdächtigen Funden an Umspannwerken nach.
Betroffen waren zuletzt Standorte in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen. In allen drei Ländern wird noch Braunkohle abgebaut und in Kraftwerken verfeuert.
Am Umspannwerk Turnow-Preilack nahe dem Kraftwerk Jänschwalde lenkten Unbekannte am Dienstagmorgen leitfähiges Material in Richtung der Höchstspannungsleitungen.
Dafür nutzten sie nach Angaben der Ermittler selbstgebaute Flugkörper, die Silvesterraketen ähnelten. Mehr als 20 solcher Vorrichtungen wurden gefunden. Zu einem Stromausfall kam es laut Netzbetreiber nicht. Nach Angaben der Polizei wird unter anderem wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung ermittelt.
Verdächtige Funde an Umspannwerken in NRW
Auch in Nordrhein-Westfalen registrierten die Behörden mehrere Vorfälle. An einem Umspannwerk in Dormagen zwischen Köln und Düsseldorf entdeckte ein Spaziergänger am Donnerstagabend einen verdächtigen Gegenstand, möglicherweise eine Abschussvorrichtung.
Nach Angaben der Polizei versuchten Unbekannte dort mutwillig, einen Kurzschluss herbeizuführen. Die Ermittler gehen von einem Sabotagedelikt aus.
In Bergheim bei Köln kam es ebenfalls zu einer Störung. Dort fanden die Behörden nach eigenen Angaben Abschussvorrichtungen und Pyrotechnik.
Polizeieinsatz am Umspannwerk Ganderkesee in Niedersachsen
In Niedersachsen sorgte ein weiterer Standort für einen Einsatz. Rund um das Umspannwerk Ganderkesee im Landkreis Oldenburg war die Polizei seit der Nacht im Einsatz, zeitweise auch mit einem Hubschrauber. Anlass war nach Angaben der Polizei die „Feststellung“ einer Streife. Was sich dahinter verbirgt, wollten die Beamten nicht sagen.
Am Freitag wurden dann auch in Sachsen an zwei Umspannwerken mehrere Sprengstoffvorrichtungen entdeckt.
Stromnetz-Sabotage: Fahndung nach einem 48-jährigen Tatverdächtigen
Im Zusammenhang mit der Sabotage an Umspannwerken in Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen sucht die Polizei einen 48-jährigen Tatverdächtigen. Sie fahndet öffentlich mit Fotos und bittet um Hinweise zu seinem Aufenthaltsort.
Ermittlungen laufen: Verdacht auf Sabotage am Umspannwerk Bergheim
Angriff auf Umspannwerk in Brandenburg: Ermittlungen wegen Terror eingeleitet
Am Freitag fanden Beamte in seiner Wohnung in Gevelsberg Sprengstoff. Am Nachmittag stürmte ein Spezialeinsatzkommando im rund 100 Kilometer entfernten Niederzier einen offenbar zu einem Wohnmobil umgebauten Lastwagen in einem Wald. Den Gesuchten trafen die Einsatzkräfte dort nicht an.
Hintergrund der Fahndung sind zwei Bekennerschreiben, die bei mehreren Medienhäusern eingingen und auch der Deutschen Presse-Agentur vorliegen. „Das Wissen, was offenbart wird in diesen Schreiben, das ist eindeutiges Täterwissen“, sagte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU).
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