Ukraine-Hilfe

Bulgarien lehnt Koalition der Willigen für die Ukraine ab: „Unser Platz ist nicht dort“

Bulgariens Regierungschef Rumen Radew stellt sich gegen weitere Ukraine-Hilfen. Die Koalition der Willigen plant bereits Manöver einer Schutztruppe.

4 Min
Bulgariens Ministerpräsident Rumen Radew

Bulgariens Ministerpräsident Rumen Radew

© dts Nachrichtenagentur/imago

Während bulgarische Gardisten am französischen Nationalfeiertag in Paris aufmarschierten, hat Ministerpräsident Rumen Radew dem Kurs der europäischen Ukraine-Unterstützer eine deutliche Absage erteilt. Bulgarien werde sich nicht an der Koalition der Willigen beteiligen, sagte Radew am Dienstag vor Journalisten.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron habe ihn persönlich zur Teilnahme eingeladen. „Bulgariens Platz ist nicht dort“, sagte Radew nach Angaben des bulgarischen Staatssenders BNT. Sein Land werde sich keiner Koalition anschließen, die auf eine Fortsetzung der finanziellen und militärischen Hilfe für die Ukraine dränge.

„Wir leisten eine solche Hilfe nicht, weil ich glaube, dass die Lösung dieses Konflikts nicht in seiner Verlängerung mit militärischen Mitteln liegt“, sagte Radew. Stattdessen brauche es eine „starke diplomatische Mission“, die der Eskalation ein Ende setze.

Bulgarien bleibt Pariser Ukraine-Treffen fern

Radew war am Montag nicht bei den Beratungen der Koalition der Willigen im Pariser Hôtel national des Invalides vertreten. Dort berieten Vertreter von mehr als 35 Unterstützerstaaten über weitere Militärhilfe und langfristige Sicherheitsgarantien für die Ukraine. Das von Frankreich und Großbritannien geführte Bündnis bereitet eine internationale Schutztruppe vor, die nach einem möglichen Waffenstillstand in der Ukraine eingesetzt werden könnte. Sie soll Russland von einem erneuten Angriff abschrecken und die ukrainischen Streitkräfte unterstützen. Eine Stationierung während der laufenden Kämpfe ist nicht vorgesehen.

In den kommenden Monaten soll die Truppe erstmals Manöver in Nachbarstaaten der Ukraine abhalten. Damit wolle das Bündnis zeigen, dass es „bereit, entschlossen und glaubwürdig“ sei, sagte Macron nach dem Treffen. Russland lehnt die Pläne ab. Kremlsprecher Dmitri Peskow bezeichnete das Bündnis als „Koalition der Kriegstreiber“.

Zehn Länder planen gemeinsamen Raketenabwehrschirm

Bei dem Treffen gründeten die Ukraine und neun weitere europäische Staaten außerdem eine Allianz zur Abwehr ballistischer Raketen. Beteiligt sind Deutschland, Dänemark, Frankreich, Italien, die Niederlande, Norwegen, Spanien, Schweden und Großbritannien. Die Länder wollen ihre militärische Technik, industrielle Produktion und Erfahrungen bei der Raketenabwehr bündeln. Die Ukraine soll dabei Erkenntnisse aus der Abwehr russischer Angriffe einbringen. Weitere Staaten können sich der Initiative anschließen.

Radew wies den Eindruck zurück, Bulgarien ziehe sich aus den gemeinsamen europäischen und transatlantischen Sicherheitsstrukturen zurück. Entscheidungen über die kollektive Sicherheit würden „in einem anderen Format und an einem anderen Ort“ getroffen, sagte er. Bulgarien beteilige sich weiterhin an den Beratungen der EU und der Nato.

Bulgarische Gardisten marschieren in Paris

Radews Abgrenzung fiel mit dem französischen Nationalfeiertag zusammen. Auf Einladung Macrons nahm er am Dienstag an der traditionellen Militärparade teil. Auch bulgarische Gardisten marschierten auf dem Place de la Concorde.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Ihre Teilnahme sei inzwischen Tradition und ein Zeichen für die engen Beziehungen zwischen Bulgarien und Frankreich, erklärte Radew laut der staatlichen Nachrichtenagentur BTA. Am Vorabend hatte er zudem an einem Empfang Macrons im Élysée-Palast teilgenommen. Dort seien auch weitere Staats- und Regierungschefs zu Gast gewesen, die nicht der Koalition der Willigen angehörten.

Bulgarien stellte Waffenhilfe für die Ukraine ein

Bulgarien vollzieht unter Radew einen deutlichen Kurswechsel. Seine Regierung ist seit Mai im Amt. Bereits am 9. Juni kündigte Verteidigungsminister Dimitar Stojanow an, keine weiteren Waffen aus staatlichen Beständen an die Ukraine zu liefern. Kommerzielle Rüstungsgeschäfte blieben davon unberührt.

In den Jahren 2024 und 2025 hatte Bulgarien der Ukraine unter anderem Panzerabwehrraketen, gepanzerte Fahrzeuge, Mörser, Flugabwehrkanonen und Haubitzen geliefert, wie Reuters berichtete. Im März hatten Sofia und Kiew zudem ein auf zehn Jahre angelegtes Sicherheitsabkommen geschlossen, das eine Zusammenarbeit bei der Rüstungsproduktion und beim Austausch von Geheimdienstinformationen vorsieht.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner