Die Bundesregierung schaltet sich in den Streit um die Eishockey-WM 2027 ein. Eine Weltmeisterschaft mit Russland sei „sportlich und wirtschaftlich faktisch unmöglich“, sagte Regierungssprecher Stefan Kornelius am Freitag laut SID in der Regierungspressekonferenz.
Zugleich will die Regierung an der Heim-WM festhalten. „Unser Ziel muss es sein, die Turniere wie geplant durchzuführen“, sagte Kornelius. „Und deswegen wollen wir jetzt tatsächlich auf dem Gesprächsweg Möglichkeiten ausloten, wie wir das Turnier dennoch stattfinden lassen können.“
Bundesregierung, DEB, IIHF: Gespräche über die Heim-WM
Gesprächspartner sind der Deutsche Eishockey-Bund (DEB), der Weltverband IIHF und der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB). Die Regierung will den DEB als Ausrichter unterstützen. Kornelius begründete die Haltung damit, dass das internationale Eishockey die Wiederzulassung Russlands durch den CAS „nicht akzeptiert“.
Auch das Innenministerium wurde deutlich. Solange Russland einen Angriffskrieg gegen die Ukraine führe, könne es „keine Normalität geben“, sagte ein Sprecher laut dpa. Eine Verschärfung der Visa-Regeln für russische Sportler schließt die Regierung nicht aus.
Visa als Hebel: Kanada hat schon entschieden
Ein Gastgeber hat diesen Weg bereits gewählt. Kanadas Premierminister Mark Carney schloss eine Teilnahme Russlands an der U20-WM zum Jahreswechsel aus: „The Russians will not be there.“ Die Regierung in Ottawa will keine Visa ausstellen.
CAS-Urteil und Boykott-Front: So kam es zum Streit
Der Sportgerichtshof CAS hatte die IIHF Ende Oktober verpflichtet, Russland wieder zuzulassen. Am Donnerstag verteidigte das Gericht sein Urteil und warf dem Weltverband vor, nicht genug Beweise für einen Ausschluss vorgelegt zu haben.
Sieben der 16 WM-Teilnehmer wollen nicht gegen Russland antreten: Weltmeister Finnland, Schweden, Norwegen, Dänemark, Lettland, Tschechien und Österreich. Auch Sponsoren gehen auf Distanz. Hauptsponsor Škoda will sein Engagement neu bewerten, falls Russland spielt. Der deutsche Sponsor Strauss würde dann auf jede Logopräsenz verzichten und prüft einen Rückzug.
IIHF-Council berät weiter, DEB erwägt Rückgabe
Das Council des Weltverbands hat noch nicht entschieden, ob und wie Russland im Mai antritt. IIHF-Präsident Franz Reindl, früher selbst DEB-Chef, sitzt nun mit der Bundesregierung am Tisch.
DEB-Präsident Frank H. Lutz hatte eine Rückgabe der Heim-WM nicht ausgeschlossen. Russland droht seinerseits: Sportminister Michail Degtjarew will Unterlagen zu den Boykotten beim IOC einreichen.
Die WM ist für den 13. bis 30. Mai 2027 angesetzt, mit dem Eröffnungsspiel in Gelsenkirchen und den Gruppen in Mannheim und Düsseldorf.
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