Nach dem Drohnenvorfall in Leipzig hat die Bundesregierung Maßnahmen gegen Russland beschlossen: Das russische Konsulat in Bonn sowie das Russische Haus in Berlin sollen geschlossen, die Einreisebestimmungen für Russen verschärft werden. Weit mehr als 100.000 russischsprachige Menschen leben in Berlin. Die beabsichtigte Schließung stößt in der Community auf ein geteiltes Echo.
Seit dem 5. Juli 1984 gibt es das Russische Haus an der Friedrichstraße 176–179. Damals war es das größte sowjetische Auslandskulturzentrum weltweit. Heute finden dort Konzerte, Theater, Filmvorführungen sowie Kunstausstellungen statt. Nun macht die deutsche Regierung Russland für den versuchten Drohnenanschlag am Leipziger Flughafen verantwortlich. Eine der Konsequenzen soll die Kündigung des Vertrags mit dem Russischen Haus sein.
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Nach Schließung des Russischen Hauses und Bonner Konsulats: So könnte Moskau reagieren
Vor allem in Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf wohnen viele russischsprachige Menschen – darunter Spätaussiedler sowie Exil-Russen. Viele sind wegen der besseren Lebensbedingungen nach Deutschland ausgewandert. Die Berliner Zeitung sprach mit Menschen aus Lichtenberg und Wedding. „Ich wollte, dass meine Kinder mit einer guten schulischen Ausbildung aufwachsen können“, sagt eine 63-jährige Frau. „Die Schließung des Russischen Hauses diskriminiert uns.“
„Die Sanktionen schaden Deutschland mehr“
Das Abkommen, das die Tätigkeit des Russischen Hauses regelt, stammt aus dem Jahr 2011 und kann alle fünf Jahre einseitig gekündigt werden. Nach offiziellen Angaben wäre der nächstmögliche Kündigungstermin der 7. Juni 2027.
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs wurden die Sanktionen gegenüber Russland bereits mehrfach verschärft. Nun soll der mutmaßliche Anschlagsversuch zu noch härteren Maßnahmen führen. Unter anderem soll russischen Staatsbürgern die Einreise in die EU weiter erschwert werden.
„Sanktionen führen zu nichts, weil sich die russische Gesellschaft an die veränderten Umstände gewöhnt“, sagt eine 40-Jährige aus Lichtenberg, die seit 28 Jahren in Deutschland lebt und weiterhin Familie in Russland hat. „Im Endeffekt leidet darunter nur die Bevölkerung aufgrund der steigenden Preise.“
Ähnlich sieht es ein 64-jähriger Mann aus Lichtenberg. Vor 28 Jahren entschied er sich, aus Russland auszuwandern und sich ein Leben in Deutschland aufzubauen: „Die Sanktionen schaden Deutschland mehr als Russland.“
Angst, dass die Russophobie weiter zunimmt
Das Russische Haus hat für viele Russen in Deutschland eine große Bedeutung – sei es wegen Veranstaltungen wie dem beliebten Jolka-Fest im Winter, wegen der Konzerte und Kunstausstellungen oder wegen der Filmvorführungen mit russischem Bezug. Zudem werden dort Sprachkurse angeboten, und Dolmetscher unterstützen beim Übersetzen von Dokumenten. Grundsätzlich sehen viele darin eine wichtige Verbindung zur russischen Kultur.
Viele Russen in Berlin empfinden die Kündigung des Vertrags als Erniedrigung und blicken ihr mit einem unguten Gefühl entgegen. „Es scheint so, als würde man die deutsche Bevölkerung bewusst gegen die Russen aufhetzen und ihr Angst einjagen“, sagt eine 44-jährige Frau aus Lichtenberg, die vor 20 Jahren aus Sibirien nach Berlin kam. „Viele Menschen, die ursprünglich aus Russland nach Deutschland ausgewandert sind, taten dies auch wegen der politischen Lage. Wenn sie diese Politik gut fänden, wären sie längst wieder nach Russland zurückgekehrt.“
Eine 45-jährige Frau aus Wedding nennt die Vorwürfe „Schwachsinn“. Jedes Vorkommnis mit Drohnen werde automatisch Russland zugeschrieben – ähnlich wie bei der abgestürzten Rakete in Polen, die letztlich aus der Ukraine stammte.
Viele der russischsprachigen Menschen, unter denen sich die Berliner Zeitung umgehört hat, fordern konkrete Beweise dafür, dass wirklich Russland hinter dem Drohnenvorfall am Leipziger Flughafen steckt. Bloße Vermutungen reichen ihnen nicht. Sie befürchten, dass die Russophobie weiter zunimmt. Die Angst ist groß, dass die Bundesregierung damit weniger Russland schadet als vielmehr den Menschen, die sich seit Jahren ein Leben in Deutschland aufgebaut haben. Viele von ihnen sagen: „Russland ist zwar unsere Heimat, aber Deutschland ist unser Zuhause.“
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