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Rüstung

Hunderte Soldaten, 500 km Reichweite: Pistorius stellt neues Drohnenregiment auf

Bis zu 600 Soldaten sollen ab 2027 in dem neuen Verband mit unbemannten Systemen kämpfen. Zur Ausstattung gehören auch neue Präzisionswaffen, die derzeit noch erprobt werden.

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Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) bei einem Truppenbesuch in Berlin im Juli 2026.

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) bei einem Truppenbesuch in Berlin im Juli 2026.

© Juliane Sonntag/imago

Die Bundeswehr stellt erstmals ein eigenes Regiment für den Kampf mit unbemannten Systemen auf. Der neue Verband soll bis zu 600 Soldatinnen und Soldaten umfassen und Systeme mit Reichweiten von der unmittelbaren Umgebung bis zu 500 Kilometern einsetzen. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) kündigte den Aufbau am Donnerstag auf dem Truppenübungsplatz Bergen in Niedersachsen an.

„Wer sich zu Land durchsetzen will, der muss eben den Kampf mit unbemannten Systemen beherrschen“, sagte Pistorius. Das erste Drohnenregiment der Bundeswehr solle im Laufe des Jahres 2027 aufgebaut werden. Aufgabe des selbstständigen Verbands sei es, bisher verteilte Fähigkeiten zu bündeln und die Einführung der neuen Technik zu beschleunigen.

Dabei geht es nicht nur um Fluggeräte. Nach Angaben des Ministers soll das Regiment auch unbemannte Landsysteme einsetzen. Zusätzlich ist eine eigene Kompanie für den sogenannten elektromagnetischen Kampf vorgesehen.

Neues Regiment bekommt auch weitreichende Präzisionswaffen

Zur Ausstattung sollen auch sogenannte Loitering-Munition-Systeme gehören. Umgangssprachlich werden diese häufig als Kamikazedrohnen bezeichnet. Genau genommen handelt es sich nach der Definition der Bundeswehr jedoch nicht um Drohnen, sondern um Munition für den einmaligen Einsatz: Die Flugkörper können in einen Einsatzraum fliegen, dort kreisen, mithilfe ihrer Sensoren mögliche Ziele erkennen und sie dem Bediener anzeigen. Die Entscheidung über einen Angriff bleibt beim Menschen.

Die Beschaffung läuft bereits. Die Bundeswehr schloss im Februar Verträge mit den deutschen Unternehmen Helsing und Stark, im April folgte Rheinmetall. Erprobt werden unter anderem die Systeme HX-2 von Helsing, Virtus von Stark und FV-014 von Rheinmetall. Die ersten Waffen sollen 2027 bei der Truppe ankommen.

Als erster Verband soll die dauerhaft in Litauen stationierte Panzerbrigade 45 ab 2027 mit einem umfassenden Verbund aus Aufklärungsdrohnen und Loitering Munition ausgestattet werden. Die Brigade gehört zur 10. Panzerdivision und soll bis Ende 2027 voll einsatzbereit sein.

Auch das neue Drohnenregiment soll nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur der 10. Panzerdivision zugeordnet werden. Eine offizielle Bestätigung dieser Unterstellung gibt es bislang nicht. Ein Standort für den neuen Verband wurde ebenfalls noch nicht genannt.

Ukraine-Krieg verändert den Einsatz von Drohnen

Die Bundeswehr zieht mit dem Ausbau Konsequenzen aus den Erfahrungen des Ukraine-Kriegs, in dem Drohnen inzwischen in großer Zahl für Aufklärung und Angriffe eingesetzt werden. Pistorius und führende Militärs warnen allerdings davor, daraus abzuleiten, ein möglicher Konflikt zwischen Russland und der Nato würde genauso geführt. Drohnen sollen klassische Waffensysteme wie Panzer, Artillerie oder Kampfflugzeuge ergänzen und nicht ersetzen.

Wie das Zusammenspiel aussehen könnte, erprobte die Bundeswehr im Juni bei Freedom Shield 2026 in Litauen. Rund 2900 Soldaten aus acht Nationen trainierten dort unter anderem mit Kampf- und Schützenpanzern, Drohnen, Artillerie und elektronischer Kampfführung. Die Panzerbrigade 45 übte dabei erstmals als Verband auf litauischem Boden.

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Heeresinspekteur Christian Freuding hatte bei der Übung erklärt, dass der Einsatz von Panzertruppen gemeinsam mit Drohnen und anderen unbemannten Systemen für die Landstreitkräfte hohe Bedeutung habe.

Mehr als 40 neue Systeme werden in Bergen getestet

Pistorius gab die Pläne für das Regiment bei der Experimentalserie Land des Heeres in Bergen bekannt. Dort werden derzeit mehr als 40 Waffen, technische Komponenten und andere Rüstungsgüter gemeinsam mit Forschern, Entwicklern und Soldaten unter taktischen Bedingungen geprüft.

Dabei geht es nicht allein darum, ob ein einzelnes System funktioniert. Untersucht wird auch, ob neue Technik an die bestehende IT-Infrastruktur der Bundeswehr angebunden werden kann und welchen zusätzlichen militärischen Nutzen sie im Zusammenspiel mit bereits vorhandenen Systemen bietet.

Der Aufbau des eigenen Regiments ist damit ein weiterer Schritt beim deutlich beschleunigten Ausbau unbemannter Waffensysteme. Die ersten neuen Loitering-Munition-Systeme sollen bereits 2027 einsatzbereit sein. Gleichzeitig arbeitet die Bundeswehr daran, Drohnen, Aufklärung, klassische Waffensysteme und elektronische Kampfführung enger miteinander zu vernetzen.

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