Bei der Aufstellung der deutschen Litauen-Brigade greift Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) erstmals auch auf verpflichtende Versetzungen zurück. Bislang setzte die Bundeswehr auf freiwillige Meldungen.
Rund 80 Prozent der geplanten Personalstärke seien bereits besetzt, teilte das Bundesverteidigungsministerium am Montag in Berlin mit. Für die vollständige Einsatzbereitschaft würden jedoch „neben der weiteren Freiwilligenwerbung für wenige Bereiche ab sofort auch ergänzend verpflichtende Maßnahmen zum Einsatz kommen“. Der Anteil der Verpflichtungen werde nach aktuellen Prognosen voraussichtlich „im mittleren dreistelligen Bereich liegen“.
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Volle Einsatzbereitschaft bis Ende 2027
Die offiziell als Panzerbrigade 45 bezeichnete Einheit wurde im April 2025 in Dienst gestellt. Bis Ende 2027 soll sie ihre volle Truppenstärke von 4800 Soldaten und 200 zivilen Angestellten erreichen. Zentrale Standorte sind Rudninkai südwestlich der Hauptstadt Vilnius unweit der Grenze zu Belarus sowie Rukla nahe der zweitgrößten litauischen Stadt Kaunas.
Die Brigade werde sowohl durch die Verlegung bestehender Truppenteile wie des Panzerbataillons 203 und des Panzergrenadierbataillons 122 als auch durch Neuaufstellungen gebildet, hieß es aus dem Ministerium. Für ihren Auftrag „Verteidigung und Abschreckung“ an der Nato-Ostflanke müsse die Brigade bis Ende 2027 voll einsatzbereit sein.
„Einsatzbereitschaft geht im Zweifel vor Freiwilligkeit“
Die verpflichtenden Besetzungen erfolgten „in enger Abstimmung mit den militärischen Organisationsbereichen“, teilte das Ministerium mit. Persönliche Belange der Soldatinnen und Soldaten sollten „so weit wie möglich Berücksichtigung finden“. Gleichwohl gelte: „Einsatzbereitschaft geht im Zweifel vor Freiwilligkeit.“
Pistorius erklärte, weniger als drei Jahre nach der ersten Ankündigung stehe fest, dass die Brigade Litauen wie geplant Ende 2027 ihren Einsatz aufnehmen werde. Infrastruktur, Material und Personal würden rechtzeitig bereitstehen. „Das gilt von den Unterkünften für die Truppe, genauso wie für die deutsche Auslandsschule der Bundeswehr bis hin zum Kampfpanzer.“
Der Anteil der Brigade, der sich bereits in Litauen befindet, ist nach Angaben des Ministeriums zu rund 92 Prozent besetzt. Allein seit Mai hätten sich mehr als 2500 Soldatinnen und Soldaten freiwillig gemeldet. (mit AFP)
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