Auf Burg Mildenstein in Leisnig ist in der Kaplanstube ein neuer Ausstellungsraum mit dem Namen Anthro Lab eingerichtet worden. Er gehört zum regulären Burgrundgang und kostet keinen zusätzlichen Eintritt, wie die Leipzig Tourismus und Marketing GmbH mitteilte. Statt Vitrinen und Schautafeln erwartet die Gäste eine Mitmachstation: Mit Laborkittel, Brille und Notizkarten arbeiten sie sich Schritt für Schritt durch einen historischen Fall.
Im Mittelpunkt steht ein menschliches Skelett, das 1965 bei Aufräumarbeiten unter dem Fußboden der Burgkapelle zum Vorschein kam. Über Jahrzehnte gehörte es zur Dauerausstellung. Dazu kursierte die Erzählung, es handele sich um ein mittelalterliches Burgfräulein, das wegen eines unehelich geborenen Kindes heimlich in der Kapelle bestattet worden sei. Diese Überlieferung hat sich nach Angaben der Burg nicht bestätigt.
Skelettfund auf Burg Mildenstein: Forschung zur Identität
Seit 2020 wird der Fund anthropologisch und naturwissenschaftlich untersucht, unter anderem mit DNA-Analysen, Isotopenuntersuchungen und Radiokarbon-Datierungen. Sie sollen Hinweise auf Sterbealter, Herkunft und mögliches Aussehen der verstorbenen Person liefern. Laut einem Bericht der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung vom 25. September 2026 liegen bislang noch nicht alle Ergebnisse vor; einige Fragen sind weiter offen.
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MehrDer Rundgang im Anthro Lab folgt dem Ablauf einer Untersuchung. Zunächst besichtigen die Gäste den Fundort und hören Zeugenaussagen. Danach bestimmen sie Alter, Geschlecht und Körpergröße des Skeletts nach, bevor es um die Methoden aus dem Labor geht. Das Angebot richtet sich ausdrücklich auch an Familien mit Kindern.
Anthro Lab in Leisnig: Besucher erforschen einen historischen Fall
Aufregend: Kinder können sich wie richtige Archäologen fühlen.
© Dietmar Thomas
Zum Abschluss führt der sogenannte Anthro Lab Scanner die gesammelten Erkenntnisse zu einer digitalen Gesichtsrekonstruktion zusammen. Frisur, Bart sowie Augen- und Haarfarbe lassen sich dabei verändern. Weil die Forschung nicht abgeschlossen ist, versteht die Burg den Raum als offenen Prozess: An einer Feedbackwand können Besucher eigene Fragen und Deutungen hinterlassen, eine Selfiestation liefert das Erinnerungsfoto.
Das Anthro Lab reiht sich in mehrere Angebote ein, mit denen sich die Burg an Familien wendet. Dazu zählen interaktive Spielestationen und die digitale Schatzsuche mit Escape-Room „Der Schatz des Einäugigen“. Nach eigenen Angaben ist Burg Mildenstein als familienfreundliches Ausflugsziel zertifiziert.
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Zuletzt war im Frühjahr 2025 die Burgkapelle neu inszeniert worden, also genau der Ort, unter dessen Fußboden das Skelett einst lag. Projektionen führen dort durch die rund 1000-jährige Geschichte der Burg. Weitere Informationen gibt es auf www.burg-mildenstein.de.
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