Das Skelett stammt mutmaßlich aus dem 11. oder 12. Jahrhundert. Gefunden wurde es bereits 1965 bei Aufräumarbeiten in der Burgkapelle, deren Fußboden erneuert werden sollte. Nun steht es wieder im Mittelpunkt, und zwar als Teil des „Anthro Lab“, das am Donnerstag auf der Burg Mildenstein in Leisnig (Landkreis Mittelsachsen) eröffnet wurde.
Siegfried Bretsch war dabei, als der erste Knochen unter dem Fußboden auftauchte. Er, gerade einmal 16 Jahre alt, gehörte zur Arbeitsgemeinschaft „Junge Historiker“, die sich auf Bitten des damaligen Museumsleiters Siegfried Ludwig an den Aufräumarbeiten beteiligte. Kaum war der Knochen gefunden, „wurden wir raus geschickt“, erinnert sich Bretsch. Er und seine Mitschüler waren, abgesehen von den herbeigerufenen Archäologen, dennoch die Ersten, die das Skelett vollständig freigelegt sahen.
Museologin Claudia Fiebach erklärt den „Anthro Lab Scanner“, der die Ermittlungsergebnisse der Besucher in ein Bild umwandelt.
© Ines Mallek-Klein für die Ostdeutsche Allgemeine
Die Legende der toten Frau von Burg
Ermittelt wurde damals erschreckend wenig, sagt Claudia Fiebach. Die leitende Museologin und Historikerin ist seit 2018 auf der Burg beschäftigt und hat sich 2020 dem mysteriösen Skelett noch einmal angenommen. Die Knochen hat man einem jungen Burgfräulein zugedacht, dessen Identität nie wirklich geklärt werden konnte, genauso wenig wie die Todesursache. „Museumsleiter Ludwig hat uns das so erzählt und wir haben ihm geglaubt“, sagt Siegfried Bretsch. Die Legende von der jungen Frau hält sich bis heute.
Kleinere Knochen, die neben dem Skelett gefunden worden waren, nährten den Verdacht, dass hier eine Mutter mit ihrem Säugling bestattet wurde. Diese Knochen sind mittlerweile verschwunden. Auswertungen des Fotomaterials haben aber ergeben, dass es sich wohl um ein Vogelskelett, möglicherweise von einem Falken, gehandelt haben könnte, so Claudia Fiebach.
Sie nutzte in den vergangenen Jahren neue technische Möglichkeiten, gab DNA-Analysen, Isotopenuntersuchungen und Radiokarbon-Datierungen in Auftrag. Die Kosten dafür seien überschaubar, bewegen sich jeweils im dreistelligen Bereich und wurden vom Schlösserland Sachsen übernommen, dass die Burg auch betreibt. Noch sind längst nicht alle Ergebnisse da und noch viele Fragen offen.
Besucher werden zu Ermittlern in mysteriösem Todesfall
Doch wie vermittelt man die Forschungsergebnisse den Burgbesuchern? Am besten, indem man sie selbst zu Ermittlern macht und ihnen den Tatort, zahlreiche Indizien, Fundstücke und Zeugenbefragungen überlässt.
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Ein aktives Mitmachangebot, bei dem die Besucher in Laborkitteln, mit Brillen und Notizkarten die Rolle von Forschern und Historikern übernehmen. Sie bestimmen Alter, Geschlecht und Körpergröße, werten die Ergebnisse von DNA-Analysen, Isotopenuntersuchungen und Radiokarbon-Datierungen aus, die Hinweise auf Sterbealter, Herkunft und mögliches Aussehen der verstorbenen Person liefern.
Claudia Fiebach weiß mehr, möchte es aber nicht verraten. Nur so viel, dass es sich bei dem Fund um eine junge Frau handelte, sei gar nicht mehr so sicher. Und wer auch immer es war: Er oder sie hatte Läuse.
Am Ende steht die digitale Gesichtsrekonstruktion mithilfe des „Anthro Lab Scanners“. Das Gerät liest die Datenkarte des Ermittlers ein und liefert ein Bild des Verstorbenen oder der Verstorbenen. Das Anthro Lab öffnet ab 25. September für Gäste. Noch bis zum 1. November ist der Besuch Dienstag bis Freitag von 10 bis 17 Uhr und am Wochenende von 10 bis 18 Uhr möglich. Danach bleibt die Burg bis März, mit Ausnahme der Winterferien 2027, geschlossen.
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