Schwerin/Bremen. Reuter Das Schicksal der Stralsunder Volkswerft bleibt ungewiß. Am Wochenende bestätigte das Schweriner Wirtschaftsministerium einen "Spiegel"-Bericht, demzufolge Bundesregierung und Treuhandnachfolgerin BvS erwägen, die Werft zu schließen. Solche Pläne wurden in Bonn und von der BvS jedoch zurückgewiesen.Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums betonte, Ziel der Bundesregierung und des Landes sei es, die Werftstandorte Wismar und Stralsund zu erhalten. Die Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben (BvS) bezeichnete Berichte über angebliche Schließungspläne als Falschmeldungen. Millionen-Hilfe Die BvS habe der Volkswerft Stralsund 53 Millionen Mark zur Verfügung gestellt, damit der Betrieb Liquiditätslücken schließen könne. BvS-Präsident Heinrich Hornef warf dem Schweriner Wirtschaftsminister Harald Ringstorff (SPD) Desinformation vor.Ringstorff-Sprecher Detlef Lindemann sagte gestern, die Zukunft der Volkswerft sei der "wesentliche Streitpunkt zwischen Land und Bund". Ringstorff erklärte, es gebe viele Anzeichen, daß der Weg der Gesamtvollstreckung für Stralsund geplant gewesen sei, um die Verbindlichkeiten des Betriebes loszuwerden. "Die geschlossene Haltung der Schweriner Landesregierung wird aber dazu beitragen, daß diese Planspiele nicht Wirklichkeit werden", sagte der Minister. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Berndt Seite (CDU) äußerte ebenfalls die Sorge, daß die Bundesregierung die Volkswerft fallen lassen wolle.Im "Spiegel" heißt es, es gebe Planspiele der BvS, die Volkswerft in Konkurs gehen zu lassen, um für künftige Verhandlungen mit der Europäischen Union auf freiwillig erbrachte Opfer verweisen zu können.Die Verhandlungspartner Land und Bund hatten sich am vorigen Donnerstag nicht auf eine Verteilung der finanziellen Lasten bei der Übernahme der Volkswerft in eine neue Trägergesellschaft einigen können. Die Gespräche sollen nach Ostern wieder aufgenommen werden.Interne Berechnungen der BvS, nach denen der Volkswerft bis 1998 Verluste in Höhe von 400 Millionen Mark drohen, am Standort Wismar aber lediglich 120 Millionen Mark, wurden vom Wirtschaftsministerium in Schwerin und von der Stralsunder Geschäftsführung zurückgewiesen. "Die Zahlen sind schlecht gerechnet", sagte Ringstorffs Sprecher Lindemann. Reale Verluste und vorübergehende Verluste, die bei der Abarbeitung von Aufträgen entstehen, seien zusammengerechnet worden. Dadurch differierten die Verlustsummen "um rund 300 Millionen Mark". Ähnlich äußerte sich der Geschäftsführer der Volkswerft, Hans-Joachim Steyer. Eigenkapital aufgezehrt Keine Stellungnahme war gestern zu einem Bericht des Magazins "Focus" zu erhalten, wonach die BvS den Verdacht hat, daß die desolate Finanzlage des Bremer Vulkan bereits auf einem Krisentreffen am 25. August 1995 im Beisein der Wirtschaftsprüfer von C&L und der Commerzbank besprochen worden ist. Die BvS sei nicht informiert worden. Dadurch hätten weitere 194 Millionen Mark Fördermittel ungehindert aus den Ostwerften abfließen können. C&L und Commerzbank drohen laut "Focus" zudem Ermittlungen wegen Beihilfe zur Untreue.Infolge der Abkoppelung der Ostwerften rechnet die angeschlagene Bremer Vulkan Verbund AG mit weiteren Defiziten, so daß sich ihre gesamte Verlustsumme auf rund 1,5 Milliarden Mark erhöht. Damit sei das Eigenkapital aufgezehrt. +++
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