Die Landeshauptstadt Schwerin bekommt erstmals seit 2008 wieder einen Oberbürgermeister der CDU. Sebastian Ehlers setzte sich am Sonntag in der Stichwahl mit 54 Prozent der Stimmen gegen Mandy Pfeifer durch, die als gemeinsame Kandidatin von SPD und Linken angetreten war und zusätzlich von Bündnis 90/Die Grünen unterstützt wurde. Auf sie entfielen 46 Prozent. Von rund 78.000 Wahlberechtigten gaben 41,6 Prozent an der Urne ihre Stimme ab, Briefwähler nicht eingerechnet.
Für die CDU markiert das Ergebnis einen Einschnitt in der politischen Landschaft der Landeshauptstadt. Der Landesvorsitzende Daniel Peters sprach gegenüber Medien von einem „herausragenden Ergebnis“ und einer Stadt, die nun „anständig geführt“ werde. Schwerin werde künftig erstmals nach 18 Jahren wieder von einem Christdemokraten regiert. Peters wertete das Resultat zugleich als „ermutigendes Vorzeichen für die Landtagswahl im Herbst“.
Ehlers, 43 Jahre alt, in Schwerin geboren, verheiratet und Vater dreier Kinder, sitzt seit Oktober 2016 im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern und ist seit Sommer 2019 Stadtpräsident der Landeshauptstadt. Für den Fall seines Wahlsiegs hatte der Politikwissenschaftler und parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Fraktion im Landtag angekündigt, sich künftig ausschließlich auf das Amt des Oberbürgermeisters zu konzentrieren. Im NDR Nordmagazin verwies er auf die schwierige Haushaltslage der Stadt: „Gerade das Thema Finanzen spielt eine große Rolle. Wir sind hoch verschuldet, aber wir haben auch tolle Projekte vor uns, zum Beispiel die Landesgartenschau.“
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Schwesig unterstützt Pfeifer
Eine zentrale Aufgabe wird die Zusammenarbeit mit der Stadtvertretung sein, in der die AfD die größte Fraktion stellt. Ehlers zeigte sich zuversichtlich: „Ich war ja jetzt viele Jahre Stadtpräsident in Schwerin, und da ist es mir häufig auch gelungen, Mehrheiten zu schmieden.“ Er strebe ein „besseres Miteinander zwischen Verwaltung und Stadtvertretung“ an. Auf seiner Wahlparty im Tanzstudio Schlebusch betonte er, dass sein Vorsprung im Vergleich zum ersten Wahlgang noch gewachsen sei.
Die unterlegene Mandy Pfeifer, Vorsitzende der SPD-Fraktion in der Stadtvertretung, gratulierte dem Wahlsieger im Willy-Brandt-Haus und bot Zusammenarbeit an. Sie sprach von einem „guten, aber auch klaren Ergebnis für Sebastian Ehlers“. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) erklärte, es sei „toll“ gewesen, „für Mandy zu kämpfen“, und nannte es positiv, dass am Ende eine Stichwahl zwischen demokratischen Kandidaten stattgefunden habe.
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Bemerkenswert ist der Blick auf den ersten Wahlgang am 12. April: Damals hatte Ehlers mit 34,2 Prozent vor Pfeifer (27,9 Prozent) gelegen. Die AfD-Kandidatin Petra Federau verfehlte mit 26,3 Prozent den Einzug in die Stichwahl nur knapp. Pfeifer verbuchte das Ausbleiben einer AfD-Beteiligung in der zweiten Runde als Teilerfolg: „Es war immer noch gut, weil wir es geschafft haben, dass die AfD nicht in die Stichwahl gekommen ist.“
Wismar bleibt rot, Ueckermünde wählt parteilos
Ehlers tritt die Nachfolge des SPD-Politikers Rico Badenschier an, der nach neun Jahren an der Spitze der knapp 100.000 Einwohner zählenden Stadt im September 2025 überraschend seinen Rückzug zum Jahresende angekündigt hatte. Als Grund waren unter anderem schwerwiegende Differenzen mit der Stadtvertretung genannt worden.
Während Schwerin an die CDU ging, verteidigte die SPD ihre Hochburg Wismar deutlich. Der Bundestagsabgeordnete Frank Junge setzte sich in der Stichwahl mit 68,2 Prozent gegen Manuela Medrow von der AfD durch, auf die 31,8 Prozent entfielen. Die Wahlbeteiligung lag bei 50,7 Prozent. Bereits im ersten Durchgang hatte Junge mit 42,1 Prozent rund doppelt so viele Stimmen geholt wie Medrow (20,5 Prozent). Junge, seit 2013 im Bundestag und seit 2024 Mitglied der Bürgerschaft sowie des Kreistages Nordwestmecklenburg, folgt auf den nicht erneut angetretenen Thomas Beyer (SPD), der die rund 44.000 Einwohner zählende Hansestadt 16 Jahre lang regiert hatte. Seit 1990 stellt die SPD in Wismar das Stadtoberhaupt.
In Ueckermünde im Landkreis Vorpommern-Greifswald gewann der Einzelbewerber Tino Spiegelberg mit 54,2 Prozent gegen den ebenfalls parteilosen Karsten Berndt (45,8 Prozent). Im ersten Wahlgang hatte Berndt mit 33,8 Prozent noch vor Spiegelberg (20,9 Prozent) gelegen. Im Vorfeld der Wahl in der rund 8.800 Einwohner zählenden Stadt hatte es mehrere Zwischenfälle gegeben, zu denen die Polizei ermittelt: Ein Kandidat berichtete von Knallgeräuschen, die er als Schüsse gegen sich wertete, ein anderer war wiederholt von Sachbeschädigungen betroffen. Im Umfeld einer Podiumsdiskussion wurde zudem die Seitenscheibe eines Polizeiautos mit einem Stein eingeworfen.
Signal vor der Landtagswahl
Die Bürgermeisterwahlen in den größten Städten Mecklenburg-Vorpommerns liefern erste Stimmungsbilder vor der Landtagswahl am 20. September. In aktuellen Umfragen liegt die AfD acht bis vierzehn Punkte vor der SPD; bei den vergangenen Kommunalwahlen und der Bundestagswahl hatte sie jeweils die meisten Stimmen geholt. Dass die AfD in Schwerin den Einzug in die Stichwahl verfehlte und in Wismar deutlich unterlag, dürfte für die etablierten Parteien ein Hinweis darauf sein, dass in Direktwahlen mit personalisiertem Wettbewerb andere Mechanismen greifen als bei Listenwahlen. Für die CDU ist der Erfolg im Westen des Landes zugleich ein Argument im Wahlkampf: Parteichef Peters betonte, seine Partei könne „in großen Städten im Westen Mecklenburgs gewinnen“.
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