Die Chemieindustrie in Ostdeutschland steckt in ihrer tiefsten Krise seit mehr als drei Jahrzehnten. Um gegenzusteuern, haben Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften in Sachsen-Anhalt einen gemeinsamen Chemie- und Raffineriepakt auf den Weg gebracht. Die Vereinbarung soll am Nachmittag im Wirtschaftsministerium in Magdeburg unterzeichnet werden.
„Wir erleben gerade die schwerste Krise der Chemie seit der Wiedervereinigung“, erklärte Nora Schmidt-Kesseler, Hauptgeschäftsführerin der Nordostchemie-Verbände. Zu den Unterzeichnern des Pakts gehören neben Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Michael Richter (CDU) auch Vertreter der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE), des Wirtschaftsverbands Fuels und Energie sowie der Nordostchemie-Verbände.
Der Pakt zielt darauf ab, die drängendsten Probleme der Branche anzugehen. Im Mittelpunkt stehen drei Kernpunkte: die Sicherung wettbewerbsfähiger Energiepreise, der Erhalt industrieller Wertschöpfungsketten sowie verbesserte Rahmenbedingungen für Investitionen und schnellere Genehmigungsverfahren. Gerade die hohen Energiekosten gelten seit Langem als einer der größten Standortnachteile für die energieintensive Chemiebranche in Deutschland.
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Verschärfte Lage durch Krieg im Nahen Osten
Verschärft wird die ohnehin angespannte Lage durch die geopolitischen Verwerfungen im Nahen Osten. Die daraus resultierenden Störungen in den internationalen Lieferketten treiben die Preise für Rohstoffe und Vorprodukte in die Höhe und führen gleichzeitig zu Verzögerungen bei Lieferungen. Für die Chemieindustrie, die auf eine stabile Versorgung mit Grundstoffen angewiesen ist, stellt dies eine zusätzliche Belastung dar.
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Dass sich ein derart breites Bündnis aus Arbeitgebern, Gewerkschaften und Landesregierung zusammenfindet, unterstreicht den Ernst der Lage. Die chemische Industrie zählt in Sachsen-Anhalt zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen und sichert zahlreiche Arbeitsplätze in der Region. Ob der nun geschlossene Pakt ausreicht, um die strukturellen Probleme der Branche zu lösen, wird sich in den kommenden Monaten zeigen müssen. (mit dpa)
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