China zeigt mit zahlreichen Kriegsschiffen und weiteren staatlichen Fahrzeugen eine weitreichende Präsenz im Westpazifik. Nach Angaben der taiwanischen Regierung sind insgesamt 53 chinesische Schiffe in einem ausgedehnten Seegebiet zwischen Japan, Taiwan und den Philippinen unterwegs. Darunter befinden sich 34 Kriegsschiffe, einschließlich des Flugzeugträgers Liaoning. Die Regierung in Taipeh sieht darin eine Bedrohung, die weit über die eigenen Küsten hinausreicht.
„Die gleichzeitige Bedrohung für Taiwan, Japan und die Philippinen ist offensichtlich“, erklärte Joseph Wu, Generalsekretär des Nationalen Sicherheitsrats von Taiwan, am Mittwoch auf der Plattform X. Man beobachte die chinesischen Aktivitäten aufmerksam.
Wu veröffentlichte dazu eine Karte, auf der die Positionen chinesischer Kriegsschiffe, Einheiten der Küstenwache und weiterer staatlicher Schiffe eingezeichnet sind. Darüber berichteten die Nachrichtenagentur Reuters und die taiwanische Nachrichtenagentur CNA.
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53 chinesische Schiffe: Flugzeugträger Liaoning östlich der Philippinen
Die veröffentlichte Karte zeigt chinesische Marineverbände in mehreren strategisch wichtigen Seegebieten. Der Flugzeugträger Liaoning und seine Begleitschiffe befanden sich demnach östlich der Philippinen im Philippinischen Meer. Weitere chinesische Einheiten wurden östlich und südöstlich Taiwans sowie südlich Japans erfasst.
Auch nordwestlich und südwestlich von Taiwan waren nach Angaben von CNA chinesische Kriegsschiffe unterwegs. Die Aktivitäten erstrecken sich damit über mehrere Abschnitte der sogenannten ersten Inselkette, die sich von Japan über Taiwan bis zu den Philippinen zieht.
Bei den insgesamt 53 erfassten Fahrzeugen handelt es sich nach taiwanischen Angaben um 34 Kriegsschiffe der chinesischen Marine und 19 weitere staatliche Schiffe. Dazu gehören Einheiten der Küstenwache und anderer Behörden. Die Fahrzeuge operieren in unterschiedlichen Seegebieten und bilden keinen geschlossenen Verband unmittelbar vor Taiwan.
Ein hochrangiger taiwanischer Sicherheitsvertreter sagte Reuters, die Behörden beobachteten insbesondere, ob sich der chinesische Flugzeugträgerverband nach seinen Übungen im Philippinischen Meer weiter nach Norden in Richtung Japan bewege. Eine solche Bewegung könnte nach seiner Einschätzung auf einen Versuch hindeuten, den militärischen Druck auf Japan zu erhöhen.
Japan bestätigt chinesische Kriegsschiffe in der Ōsumi-Straße
Auch das japanische Militär hat chinesische Schiffsbewegungen im Westpazifik dokumentiert. Nach einer Mitteilung des japanischen Verteidigungsministeriums vom Mittwoch registrierten die japanischen Seestreitkräfte am Dienstag drei chinesische Kriegsschiffe und ein Schiff der chinesischen Küstenwache rund 200 Kilometer westlich der Insel Kuchinoerabu.
Bei den Kriegsschiffen handelte es sich um zwei Lenkwaffenzerstörer und eine Fregatte. Gemeinsam mit dem Küstenwachschiff durchquerten sie anschließend die Ōsumi-Straße südlich der japanischen Hauptinsel Kyushu und fuhren weiter in Richtung Pazifik.
Japan setzte eigene Kriegsschiffe sowie ein Seeaufklärungsflugzeug vom Typ P-1 ein, um die Bewegungen zu überwachen und Informationen zu sammeln.
Spannungen zwischen China und Japan
Die chinesischen Marineaktivitäten treffen auf ein bereits belastetes Verhältnis zwischen China und Japan. Die japanische Ministerpräsidentin Sanae Takaichi hatte im November 2025 erklärt, dass ein chinesischer Angriff auf Taiwan unter bestimmten Umständen auch für Japan eine existenzbedrohende Situation darstellen könnte. Die chinesische Regierung reagierte darauf mit scharfer Kritik.
Die amerikanischen Geheimdienste gehen in ihrer Bedrohungsanalyse vom März 2026 davon aus, dass China den politischen und wirtschaftlichen Druck auf Japan weiter verstärken könnte. Auch eine Zunahme chinesischer Marineaktivitäten in der Nähe japanisch verwalteter, aber von China beanspruchter Inseln wird darin als mögliches Szenario genannt.
Mit den Philippinen streitet China seit Jahren über Gebietsansprüche im Südchinesischen Meer. Die Regierung in Manila wirft der chinesischen Küstenwache wiederholt vor, philippinische Schiffe bei Einsätzen in den beanspruchten Gewässern zu behindern.
China bezeichnet Manöver mit Flugzeugträger als Routine
Die chinesische Führung stellt die Aktivitäten ihrer Marine als reguläre militärische Ausbildung dar. Bereits am 14. Oktober hatte das chinesische Verteidigungsministerium erklärt, der Flugzeugträger Liaoning und seine Begleitschiffe seien zu einer planmäßigen Übung in den Westpazifik ausgelaufen.
Das Training solle die Einsatzbereitschaft der Streitkräfte überprüfen und ihre militärischen Fähigkeiten verbessern. Die Übungen entsprächen dem Völkerrecht und richteten sich weder gegen einen bestimmten Staat noch gegen ein konkretes Ziel, erklärte die chinesische Marine.
Taiwans Verteidigungsminister Wellington Koo kritisierte am Donnerstag dagegen militärische Machtdemonstrationen, die den Frieden und die Stabilität im Indopazifik gefährden könnten.
Nach Angaben von Reuters erklärte er vor Journalisten im Parlament in Taipeh, sein Ministerium beobachte die chinesischen Schiffsbewegungen und tausche Informationen mit internationalen Partnern aus. Taiwan arbeite zudem daran, seine eigenen Abschreckungsfähigkeiten auszubauen.
US-General hält militärische Vorbereitung auf Taiwan-Konflikt 2027 für notwendig
Unterdessen hat ein hochrangiger amerikanischer General die militärischen Vorbereitungen der USA auf einen möglichen Konflikt um Taiwan erläutert.
Ronald Clark, Kommandeur der US-Landstreitkräfte im Pazifik, erklärte am Dienstag auf einer Militärkonferenz in Honolulu, seine Streitkräfte orientierten ihre Vorbereitungen weiterhin am Jahr 2027. Darüber berichtet die amerikanische Militärzeitung Stars and Stripes.
Die amerikanische Armee plane unter der Annahme, dass China bereits im kommenden Jahr über die militärischen Fähigkeiten und möglicherweise auch die Absicht verfügen könnte, Taiwan gewaltsam einzunehmen.
Clark bezog sich auf eine Einschätzung des früheren US-Pazifikkommandeurs Philip Davidson aus dem Jahr 2021. Dieser hatte vor dem amerikanischen Senat erklärt, China könne bis 2027 die militärischen Voraussetzungen für eine Invasion Taiwans schaffen.
Für die amerikanischen Streitkräfte sei dieses Datum weiterhin eine wichtige Planungsgröße, erklärte Clark. Die US-Armee habe deshalb bereits Personal und Ausrüstung auf Inseln im westlichen Pazifik positioniert beziehungsweise für rotierende Einsätze vorgesehen.
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